Vierschanzentournee für Frauen bleibt vorerst nur eine Idee

Katharina Althaus

Neue Wettkampfserie

Vierschanzentournee für Frauen bleibt vorerst nur eine Idee

Große Chance fürs Frauen-Skispringen oder Risiko? Pünktlich zur Vierschanzentournee der Skispringer wird wieder diskutiert, ob eine solche Serie auch bei den Frauen eine Option wäre. Vor- und Nachteile halten sich noch die Waage, Schnellschüsse will niemand wagen.

Seit 1953 gibt es die Vierschanzentournee der Skispringer. Während sich das Frauen-Skispringen in den vergangenen Jahren rasant weiterentwickelt hat und sich mit dem Weltcup längst etabliert, ist eine Vierschanzentournee für Frauen - parallel und gemeinsam ausgetragen mit der Männer-Tournee - noch in weiter Ferne. Zu viele offene Fragen sind bisher unbeantwortet.

Die FIS und die Angst vor dem Bumerang

Der Weltskiverband FIS hält sich bisher noch vornehm zurück. Skisprung-Renndirektor Walter Hofer sagt, dass es bisher noch keine konkreten Pläne für eine Vierschanzentournee der Frauen gibt. Sein designierter Nachfolger Sandro Pertile bittet um Geduld. "Wenn man so etwas von heute auf morgen macht, kommt es wie ein Bumerang zurück", sagt der Italiener. Eine Sorge: Die Leistungsdichte bei den Frauen ist noch nicht so groß, dass eine Tournee wirklich sportlich attraktiv wäre.

Hinzu kommt: Was tun bei Wetterproblemen, Absagen, Verschiebungen? Im Zweifelsfall würden immer die Frauen-Springen Opfer einer Streichung werden, allein schon aus Gründen der TV-Gelder. "Dann haben wir echt ein Problem, weil das schaut schlecht aus", sagt Norwegens Nationaltrainer Alexander Stöckl: "Das Männer-Skispringen kannst du nicht streichen, das finanziert den Haufen von dem ganzen Tag."

Vorbild Raw-Air-Tour?

Unklar zudem: Wäre das "Mehr" an Sportlern auch logistisch leistbar in beschaulichen Orten wie Oberstdorf und Bischofshofen, die schon jetzt teilweise an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen? "Logistisch ist alles möglich. Bei der Raw-Air geht es auch", sagt Stöckl mit Verweis auf die Norwegen-Tour, bei der Skispringerinnen und Skispringer gemeinsam unterwegs sind. Bei der Vierschanzentournee müsste dieser Nachweis erst noch erbracht werden.

Auf der anderen Seite stünden zweifelsfrei die Vorteile: Frauen und Männer auf Augenhöhe bei einer gemeinsamen Vierschanzentournee - mehr als eine Chance für die Gleichberechtigung. "Wir sind noch nicht ganz da, wo wir hin wollen", sagte die deutsche Topspringerin Katharina Althaus in einem Interview in Richtung FIS. Es geht nicht nur um Chancengleichheit, sondern auch um höhere Preisgelder.

Frauen-Tournee hängt fest an Zeit und Ort der Männer-Tournee

Profitieren könnten aber auch die Fans und Zuschauer: Statt einem Quali-Durchgang oder zwei Wettkampfdurchgängen der Männer sehen gäbe es zusätzlich den Frauen-Wettkmapf, zeitlich nah an das bisherige Hauptprogramm angedockt. Sicher ist bisher nur eines: Sinn ergibt einen Vierschanzentournee für Frauen nur, wenn sie mit dem Männer-Event verknüpft wird.

Die Vierschanzentournee lebt von den vier Orten Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen und vom Termin zum Jahreswechsel. Eine eigenständige Vierschanzentournee der Frauen an anderen Orten oder zu einem anderen Termin? Das wäre "kompletter Blödsinn", urteilt der deutsche Frauen-Bundestrainer Andreas Bauer.

dpa/beb | Stand: 02.01.2020, 09:22

Darstellung: