Andreas Wellinger – der lange Weg zurück

Andreas Wellinger

Olympiasieger im Porträt

Andreas Wellinger – der lange Weg zurück

Von Sanny Stephan

Er war schon ganz oben, aber auch ganz unten. Skisprung-Olympiasieger Andreas Wellinger hat viele Höhen und Tiefen durchlebt und will nach einer langen Verletzungsmisere nur eins: zurück an die Spitze. Am 22. und 23. Oktober findet in Oberstdorf die DM statt - coronabedingt unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Der 24. März 2019 ist Andreas Wellinger noch gut in Erinnerung. Nicht, weil er einen besonders guten Wettkampf ablieferte mit Platz 20 beim Skifliegen in Planica, sondern weil es sein letzter Wettkampf für lange Zeit sein sollte. Der Olympiasieger von 2018 verletzte sich drei Monate später in der Vorbereitung auf die neue Saison schwer. Kreuzbandriss! Ein Jahr Pause. Da war der Schlüsselbeinbruch, den er sich im März beim Surfen in Australien zugezogen hatte, fast ein Klacks.

Wellinger kämpft um Platz im Weltcupteam

Jetzt ist Wellinger zurück in der Anlaufspur und voller Vorfreude auf die neue Saison. Die erste Hürde lautet schlicht und einfach: einen Platz im Weltcup-Team erkämpfen. In einer starken deutschen Mannschaft ist das auch für einen Olympiasieger gar nicht so leicht. "Wir haben ein sehr, sehr starkes Team. Deswegen ist auch meine erste Challenge, bevor es in den Weltcup geht, mich durchzusetzen", sagte er kürzlich im Instagram-Talk von BR24 Sport. Die Deutschen Meisterschaften am 22. und 23. Oktober in Oberstdorf bieten neben dem Training Gelegenheit, sich zu zeigen. Wellinger wird dabei seine ersten Wettkampfsprünge seit 18 Monaten absolvieren.

Mit Routine wieder an die Spitze

Der Hobby-Flieger, der gerade seinen Pilotenschein macht, ist überzeugt, dass er eine Rückkehr in die Weltspitze schaffen kann. "Klar, ich will wieder ganz nach oben", sagt er: "Aber man kann lange noch nicht sagen, ob es auch bis dahin reicht." Momentan sei es wichtig "wieder Routine zu gewinnen und Wettkampferfahrung mitzunehmen“. Im Weltcup wolle er Punkte sammeln und sich darüber weiterentwickeln.

Skispringer Andreas Wellinger nach seinem Siegersprung und bei der Siegerehrung

Wellinger ist gerade 25 – und mischt trotzdem schon seit acht Jahren in der Weltspitze mit. Sein Weltcup-Debüt gab er in der Saison 2012/2013 und landete prompt zwei Mal auf dem Podium. Es folgten Olympiasiege, Weltmeister-Titel und drei Weltcupsiege, dazu diverse Erfolge mit dem Team. Apropos Team. Die Konkurrenz im eigenen Lager ist riesig. Sechs Athleten im deutschen A-Kader haben in ihren Karrieren schon Weltcupspringen gewonnen.

Kreuzbandrisse an der Tagesordnung

Einige von ihnen sind Leidensgenossen. Allein im deutschen Team gibt es mit Severin Freund, David Siegel, Carina Vogt, Ramona Straub, Anna Rupprecht und Gianina Ernst sechs weitere Athleten, die mit den Folgen von Kreuzbandrissen zu kämpfen haben. Ernst zog jetzt die Konsequenzen und gab am Samstag (17.10.2020) ihr Karriereende bekannt.

Skispringen geht nur mit 100 Prozent

Die extrem lange Pause nach Kreuzbandrissen sei im Skispringen normal, sagt Wellinger. Während Fußballer mitunter nach sechs Monaten wieder auf dem Platz stehen, dauert es bei den Adlern der Lüfte doch oft länger. "Im Skispringen geht es nur ganz oder gar nicht und nur mit hundert Prozent", so Wellinger. Das "Herantrainieren" an den ersten Sprung sei schwierig, weil man erst nach der Landung wisse, ob das Knie halte oder nicht.

Wellinger ist seit Mai zurück im Schanzentraining - und voller Vorfreude. Auch was seine Zeit nach dem Skispringen betrifft. Vielleicht tauscht er die Seite und analysiert als ARD-Experte die Springen. Das hat er im letzten Winter schon erfolgreich gemacht, wenn auch eher aus der (Verletzungs)-Not heraus.

Stand: 21.10.2020, 15:13

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