Andreas Bauer: Der Mann mit dem goldenen Händchen hört auf

Andreas Bauer - Erfolgstrainer der DSV-Springerinnen Sportschau 26.02.2021 08:50 Min. Verfügbar bis 26.02.2022 Das Erste

Skispringen

Andreas Bauer: Der Mann mit dem goldenen Händchen hört auf

Von Laura Schmitt

Andreas Bauer führte die deutschen Skispringerinnen zu vielen Erfolgen. Nach zehn Jahren als Bundestrainer hört er nun auf. Mit seinem Abschied endet eine Ära.

Der Abschied von Andreas Bauer kam für viele überraschend. Nach dem letzten Wettkampf der Frauen bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf und ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Peking hat der 57-Jährige seinen Rücktritt erklärt. Er sei schon seit längerer Zeit zu dem Entschluss gekommen, dass die Heim-WM in Oberstdorf "das Highlight für mich wäre. Dass ich bis dahin gerne bereit bin, weiterzumachen. Zum Saisonende werde ich mein Amt niederlegen", erklärte er bei einer Presserunde. Nach einem Jahrzehnt bei den Frauen hat sich für Bauer "ein Kreis geschlossen".

Im Jahr 2011 übernahm er den Job als Frauen-Bundestrainer im neugegründeten Weltcup. Er ist der Mann mit dem goldenen Händchen – seine Teams holten viele Siege, WM-Titel und sogar Olympia-Medaillen.

Als aktiver Springer blieben ihm Medaillen verwehrt

Zu seiner Zeit als aktiver Skispringer blieben ihm glänzende Medaillen verwehrt. Seinen einzigen Weltcupsieg feierte Bauer im Jahr 1987 beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen. Für den Erfolg ordnete er damals alles unter. "Wenn man im Skispringen vorne hin will, dann darf man keine Angst haben", sagte er. "Dafür riskiere ich alles".

Nach seinem Karriereende im Jahr 1992 war Bauer als Trainer bei den Männerteams der Skispringer und Nordischen Kombinierer tätig. Als Assistent von Reinhard Heß fing damals alles an. "Ich habe von ihm als meinen Ziehvater sehr viel gelernt. Nicht nur im sportlichen Bereich oder im trainingsmethodischen Bereich, sondern wirklich menschlich und persönlich", sagte er damals im Gespräch mit der ARD.

Bauer entdeckte viele Talente

Als Trainer hatte Bauer immer einen besonderen Blick für Talente, zum Beispiel Carina Vogt. Sie ist heute die erfolgreichste Skispringerin Deutschlands und Rekordweltmeisterin. Damals 2011 ist sie von vielen unterschätzt worden – nicht aber von Bauer. "Die Carina galt in frühen Jahren als die kleine Untalentierte. Ich musste mich schon auch gegen einige Widerstände durchsetzen, wo es dann hieß 'Was willst du denn mit der?‘. Aber ich habe gemerkt, es steckt was in ihr drin und es steckt auch unheimlich viel Willenskraft und Energie in ihr drin".

Andreas Bauer mit Carina Vogt

Andreas Bauer mit Carina Vogt

Das Vertrauen hat sich ausgezahlt. Bei den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 wird sie überraschend Olympiasiegerin. Davor hatte sie noch keinen einzigen Weltcup gewonnen. Denn Bauers Spezialität sind die Überraschungssiege. Als Sprungtrainer bei den Nordischen Kombinierern ist ihm das bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin schon einmal gelungen. Dort holte Georg Hettich im Einzelwettbewerb die Goldmedaille.

"Das sind die schönen Geschichten, die der Sport dann schreibt." Und fügt hinzu: "Olympia hat seine eigenen Gesetze, das solche Geschichten der Sport schreibt, das ist eigentlich das schöne."

Nachfolge bleibt offen

Wer zur kommenden Saison sein Nachfolger wird, ließ Teammanager Horst Hüttel indes offen. "Es wird eine schwierige Aufgabe, hier jemanden zu platzieren. Wir haben Olympia vor der Brust für kommendes Jahr." Bauer wird sich nun einem "privaten Projekt" widmen, was das sein wird sagte er nicht. Er plant jedoch ein großes Projekt und könne deswegen künftig "nicht mehr 180 Tage im Jahr unterwegs sein."

Stand: 04.03.2021, 14:51

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