Tennis - 2021 wird ein Jahr mit vielen Favoritinnen

Die Weißrussin Aryna Sabalenka jubelt nach ihrem Sieg bei der WTA-Tour

Fazit nach der WTA-Tour

Tennis - 2021 wird ein Jahr mit vielen Favoritinnen

Von Jannik Schneider

Das Tennisjahr 2020 hat erneut zwei neue Grand-Slam-Siegerinnen hervorgebracht. Damit setzt sich eine Entwicklung auf der WTA-Tour fort. Die arrivierten Kräfte, darunter auch Angelique Kerber, werden es schwer haben.

Heimlich, still und leise hat Aryna Sabalenka die letzten beiden Damenturniere auf der WTA-Tour für sich entschieden. Neun Matches in Serie gewann die 22-jährige Weißrussin bei den Events in Ostrava und Linz und schob sich so noch kurzerhand in die Top-10 der Weltrangliste. Richtig mitbekommen hat das in der breiteren Öffentlichkeit kaum jemand.

Das liegt auch daran, dass die Saison der Damen nach den in den September verschobenen French Open quasi als beendet galt. Anders als bei den Herren auf der ATP-Tour hatten die Profispielerinnen kaum noch Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zu stellen – Ostrava im Oktober und Linz im November waren die einzig verbliebenen Events in diesem Jahr.

Die zumeist in asiatischen Ländern stattfindenden Turniere des letzten Quartals wurden allesamt abgesagt. Auch das Abschlussturnier der besten acht Spielerinnen der Saison im chinesischen Shenzhen – die WTA Finals mit 14 Millionen Dollar Preisgeld - wurden ersatzlos gestrichen. Ersatztermine in Europa fand der mitunter träge wirkende Verband WTA nicht.

Sabalenka ist nur eine von vielen

Es passt ins Bild dieser unvorhersehbaren Damentour, dass mit Sabalenka am Ende eine junge Spielerin groß aufspielte, die bei den drei 2020 ausgetragenen Grand Slams nicht einmal die zweite Woche erreichte.

In Zukunft könnte die Weißrussin auch bei den großen Turnieren eine wichtige Rolle spielen. Die "Hardhitterin" hat alle Möglichkeiten für große Erfolge. Ihr Problem: Das gilt für mindestens ein Dutzend andere Spielerinnen.

Kenin und Swiatek sichern sich Premieren-Slam

Sofia Kenin, die Amerikanerin mit den russischen Wurzeln ergatterte noch vor der Corona-Pandemie ihren ersten Grand-Slam-Titel bei den Australian Open in Melbourne. Kenin (22) besiegte Down Under die damals erst 15-jährige Cori Gauff, Lokalmatadorin Ashleigh Barty und im Finale die erfahrene Grand-Slam-Siegerin Garbine Muguruza. Kenin machte so gut wie keine Fehler, ähnelt von der Energie auf dem Platz Rafael Nadal.

In Paris erreichte Kenin erneut das Finale. Dort hatte sie der ungesetzten Iga Swiatek aber nichts entgegenzusetzen. Die 19-Jährige ist die erste Polin, die ein Grand-Slam-Turnier gewinnen konnte. Es war ihr erster Titel überhaupt, der sie in die Top 20 der Weltrangliste spülte. Höhepunkt war der Achtelfinalsieg gegen Turnierfavoritin Simona Halep, der nur drei Spielgewinne gelangen.

Lediglich bei den US Open zwei Wochen zuvor setzte sich mit Naomi Osaka in corona-bedingter Abwesenheit von fast 25 Top-100-Spielerinnen eine der arrivierteren Spielerinnen durch. Der Japanerin gelang mit dem Finalerfolg über die wiedererstarkte Viktoria Asarenka Grand-Slam-Erfolg Nummer drei.

Was kann Kerber noch leisten?

Und Angelique Kerber? Die einstige Weltranglisten-Erste scheiterte in Melbourne und bei den US Open im Achtelfinale. Unter ihrem alten und neuen Trainer Torben Beltz möchte die dreimalige Grand-Slam-Siegerin 2021 nochmal angreifen.

Die deutschen Hoffnungen lasten größtenteils auf den Schultern der mittlerweile 32-Jährigen. Erfolgreicher Nachwuchs für das allerhöchste Niveau ist noch nicht in Sicht, Julia Görges beendete vor einem Monat überraschend ihre Karriere.

Und sonst? Sabine Lisicki hat sich kürzlich das Kreuzband gerissen. Andrea Petkovic hat ebenfalls immer wieder Probleme am Knie und bereitet medial bereits die Karriere nach der Karriere vor. Kürzlich erschien ihr erster Roman.

Serena Williams und die Frage nach dem Grand-Slam-Rekord

Fragezeichen stehen auch hinter der weiteren Karriere von Serena Williams. Nach ihrem vorerst letzten Grand-Slam-Sieg bei den Australian Open 2017 ist sie Mutter geworden. Damals in Melbourne war sie mit 35 Jahren und 125 Tagen schon die älteste Siegerin der Open Era. Seit ihrem Comeback hat sie vier große Finals verloren.

2020 scheiterte sie in Melbourne in Runde drei. In New York war erst in der Vorschlussrunde gegen Asarenka Schluss. In Paris musste sie wegen Achillessehnenproblemen abreisen. Ihr selbsternanntes Ziel bleibt weiterhin: den Grand-Slam-Rekord von Margaret Court (24) zu knacken. Aktuell steht sie bei 23.

Barty und Andreescu 2021 wieder mit dabei

Unmöglich ist das nicht - leicht ebensowenig. Denn die nächste und übernächste Generation ist stärker, spielerisch variabler und fitter geworden. Seit Williams' letztem Titel gab es neun neue Grand-Slam-Siegerinnen. Bei jedem Turnier gab und gibt es eine zweistellige Anzahl an Favoritinnen.

Hinzu kommen 2021 die Spielerinnen, die Großteile der Saison verpassten: Ashleigh Barty hat wegen der Pandemie seit dem Restart gar nicht mehr gespielt und blickt wegen der Neuregelung der Verbände (Weltranglistenpunkte von 2019 bleiben gespeichert) noch immer von Platz eins der Weltrangliste. Bianca Andreescu, die kanadische US-Open-Siegerin von 2019, verpasste wegen einer Schulterverletzung ebenfalls Großteile dieser Saison.

Gemeinsam mit den Spielerinnen dieser Saison gibt es jede Menge Favoritinnen für 2021. Es wird nicht leichter für Kerber, Williams und die anderen Arrivierten.

Stand: 25.11.2020, 14:39

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