Abbruch - Corona setzt auch das WM-Kandidatenturnier matt

Ding Liren, Schachgroßmeister aus China

Turnier in Jekaterinburg abgebrochen

Abbruch - Corona setzt auch das WM-Kandidatenturnier matt

Schachmatt am Ural: Das Kandidatenturnier zur Weltmeisterschaft im russischen Jekaterinburg wird nun doch gestoppt - und damit zu einer großen Hängepartie mit ungewissem Ausgang.

Angesichts der Coronavirus-Pandemie könne man die sichere und rechtzeitige Heimreise der acht Spieler und aller Begleiter nicht gewährleisten, teilte der internationale Schachverband Fide am Donnerstag (26.03.2020) mit.

Flugverbot gab den Ausschlag

"Wir haben uns nun in dieser Situation dazu entschieden, das Turnier zu stoppen", sagte Fide-Chef Arkadi Dworkowitsch. Hintergrund ist die Entscheidung der russischen Regierung, wegen der Ausbreitung des Coronavirus keine Flüge ins Ausland mehr zu erlauben. Die weiteren Runden der acht Großmeister in der Metropole Jekaterinburg am Ural sollten zu einem späteren Zeitpunkt mit dem jetzigen Spielstand in der 8. Runde fortgesetzt werden.

Dworkowitsch sagte der Agentur Tass, dass das Turnier zum Jahresende wieder aufgenommen werde. Es wäre damit allerdings auf Kollisionskurs mit dem WM-Finale zwischen Norwegens Weltmeister Magnus Carlsen und dem siegreichen Kandidaten. Alle Bewerber seien bislang gesund, teilte der Weltverband mit, keiner sei positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Vachier-Lagrave und Nepomnjaschtschi führen

Zur Halbzeit des Kandidatenturniers lagen der Franzose Maxime Vachier-Lagrave und der Russe Jan Nepomnjaschtschi gemeinsam in Führung. Der Topfavorit Fabiano Caruana (USA) folgt mit 3,5 Punkten, genau wie Alexander Grischtschuk (Russland), Anish Giri (Niederlande) und Wang Hao (China). Am Ende des achtköpfigen Feldes liegen Ding Liren (China) und Kirill Alexejenko (Russland).

Am Donnerstag hätte die zweite Hälfte des Turniers beginnen sollen. Der Preisfonds beträgt 500.000 Euro. Der Sieger erkämpft sich das Recht, Weltmeister Carlsen herauszufordern. Die WM sollte eigentlich zur Weltausstellung Expo in Dubai Ende des Jahres stattfinden.

"Wie ein Fest während der Pest"

Die Entscheidung wurde von vielen positiv aufgenommen. Der russische Schachverband betonte, dass man die Spieler nicht unnötig gefährden wolle. "Das ist eine Lösung. Wir wollen kein Risiko eingehen", sagte Andrej Filatow, Präsident des Verbandes. Der Russe Grischtschuk sagte, dass die Entscheidung zwar richtig, aber viel zu spät gekommen sei: "Das hätte schon längst geschehen sollen. Nicht nur wegen der Gefahr, krank zu werden. Das Turnier ist wie ein Fest während der Pest." Grischtschuk hatte schon zuvor den Abbruch gefordert.

Bereits vor Beginn des Kandidatenturniers hatte der chinesische Mitfavorit Ding Liren wegen des Coronavirus vorsorglich einige Tage in Quarantäne verbracht. Er reiste aus einem Moskauer Sanatorium an.

Stand: 26.03.2020, 17:04

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