Profi-Trainer - Treuebekenntnisse ohne Wert

Christian Prokop, Friedhelm Funkel, Alois Schwartz

Trainerentlassungen

Profi-Trainer - Treuebekenntnisse ohne Wert

Von Robin Tillenburg

Der Trainer bleibt. Der Trainer geht. Treuebekenntnisse für Profitrainer haben in den vergangenen Wochen in Deutschland drastisch an Glaubwürdigkeit verloren, findet unser Autor.

Dass es sicherere Jobs gibt als den des Profitrainers im Leistungssport, ist keine neue Erkenntnis. Dass sich in sportlichen Schieflagen auch der Wind mal schnell drehen kann und ein eigentlich im Verein geschätzter Trainer zugunsten der schnellen Verbesserung des Tabellenstandes gehen muss, ist ebenfalls längst etablierter und akzeptierter Teil des Profisports und insbesondere des Fußballs. Mittlerweile hat dieser Trend nicht nur andere Sportarten wie den Handball erreicht, sondern auch noch eine weitere Facette dazu bekommen: Das völlig wertlose Treuebekenntnis.

Prokop - mit Siegen aus dem Amt

Der nun ehemalige Handball-Bundestrainer Christian Prokop bekam es zuletzt zu spüren. "Für uns gab es intern nie eine Diskussion mit welchem Trainer wir zukünftig die Nationalmannschaft prägen wollen [...] dass wir mit Christian natürlich in Richtung Olympia gehen werden und das Ziel Olympia anpeilen", hatte DHB-Sportvorstand Axel Kromer noch vor gut zwei Wochen gesagt. Danach gewann die Handball-Nationalmannschaft noch ihre letzten beiden EM-Spiele. Die Lage verschlechterte sich also sportlich nicht.

Axel Kromer über die Trainerdiskussion: "Intern nie ein Thema" Sportschau 21.01.2020 01:03 Min. Verfügbar bis 21.01.2021 Das Erste

Hat sich die Diskussion aus unerfindlichen Gründen erst danach entwickelt, wie auf der an die Entlassung anschließende Pressekonferenz angedeutet wurde? War Kromer in den Entscheidungsprozess nicht eingebunden? So oder so - das Treuebekenntnis, immerhin vom Sportvorstand im Rahmen einer Pressekonferenz ausgesprochen (also durchaus geplant), war im Nachhinein nichts wert.

Funkel hatte kein Ultimatum

Ganz so deutlich wurde die Unterstützung für den nun auch Ex-Übungsleiter Friedhelm Funkel bei Fußball-Bundesligist Fortuna Düsseldorf nicht geäußert, aber auch hier hatte Sportvorstand Lutz Pfannenstiel kurz vor der Entlassung noch ein Ultimatum für Funkel verneint und meinte: "Wir haben Ruhe in der Mannschaft und in der Kabine. Ich sehe die Situation nicht so unruhig [...] Wenn die Leistungsfähigkeit vom Trainerteam und der Mannschaft umgesetzt wird, dann stellt sich diese Frage nicht. Wir sind intern sehr geschlossen, haben einen guten Austausch." Wenige Tage später war Funkel weg und der Nachfolger Uwe Rösler wurde auch direkt präsentiert.

Friedhelm Funkel: "Meine Trainerkarriere ist damit beendet" Sportschau 29.01.2020 02:00 Min. Verfügbar bis 29.01.2021 Das Erste

Treuebekenntnis nur als Manöver

Dass Treuebekenntnisse offenbar tatsächlich oftmals nur noch reine Reflexe sind und keinen inhaltlichen Wert mehr haben, ließ sich auch an der jüngsten Posse beim Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC gut ablesen. "Müssen wir jetzt den Trainer wechseln? Mit Sicherheit nicht", sagte Sportvorstand Oliver Kreuzer nach dem 0:2 des KSC gegen Holstein Kiel am Samstag (01.02.2020). Keine 48 Stunden später war Alois Schwartz kein Trainer mehr.

Kreuzer sprach zwar davon, dass sich sein Sinneswandel erst in den Sonntag hinein verfestigt habe, ließ aber dann auf der anderen Seite ein Statement folgen, das nicht zwingend zu dieser Version passt: "Am Samstag nach dem Spiel habe ich mich komplett vor den Alois gestellt, das musst du auch tun. Die kleinste andere Aussage lässt Tür und Tor offen zu irgendwelchen Spekulationen, das geht natürlich nicht." Man "muss" das also tun. Aha.

Bärendienst für alle

Dass man versucht, den Medien nicht zu viele Ansätze für Spekulationen zu geben, ist längst Usus und ja auch völlig nachvollziehbar. Dass man das aber als reines taktisches Manöver auf Kosten der eigenen Integrität und vor allem auf Kosten der jeweils betroffenen Trainer tut, die ja, man erinnere sich kurz daran, zwar Profis, aber eben auch Menschen sind, ist ein neuerer Trend, der sich zu verfestigen scheint.

Der hilft aber langfristig niemandem weiter. Auch wenn alle drei Trainerwechsel sportlich auch zu begründen sind. Pfannenstiel, Kreuzer, Kromer - Fortuna Düsseldorf, Karlsruher SC, Deutscher Handballbund: Sie alle standen letztendlich in der öffentlichen Wahrnehmung nicht gut da und die Trainer einsam im Regen. Was wurde eigentlich aus dem guten alten "kein Kommentar"?

Stand: 07.02.2020, 11:28

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