Handball-Bundesligist - "Haben alles runtergefahren"

Markus Kalusche

Interview mit Markus Kalusche, Geschäftsführer von GWD Minden

Handball-Bundesligist - "Haben alles runtergefahren"

Vorläufig bis Ende April hat die Handball-Bundesliga den Spielbetrieb gestoppt. Wie geht ein Bundesligist damit um? Wir haben mit Markus Kalusche, Geschäftsführer von GWD Minden, über die aktuelle Situation gesprochen.

Herr Kalusche, die Handball-Bundesliga hat den Spielbetrieb vorläufig bis Ende April ausgesetzt. Wie geht der Verein damit um? Trainieren die Spieler noch?

Markus Kalusche: Bis einschließlich Montag haben wir erst einmal jede Aktivität hier im Verein ausgesetzt. Es wird auch nicht trainiert. Unsere Spieler haben Verhaltensregeln auferlegt bekommen. Sie sollen sich vom öffentlichen Leben fernhalten, nicht reisen. Ende April soll der Spielbetrieb - Stand heute - aber fortgesetzt werden. Von daher muss der Trainingsbetrieb grundsätzlich aufrechterhalten werden.

Was bedeutet der ausgesetzte Spielbetrieb für einen Handball-Bundesligaverein wie GWD Minden? Ist schon finanzieller Schaden entstanden?

Kalusche: Nein, bislang kaum. Die ausgefallenen Partien sollen ja nachgeholt werden. Von daher behalten die bereits verkauften Tickets ihre Gültigkeit, das gilt auch für die Dauerkarten. Daneben versuchen wir die variablen laufenden Kosten so weit wie möglich herunterzufahren.

Sie müssen als Veranstalter Spiele absagen. Kommen da Schadensersatzansprüche von Dienstleistern auf sie zu?

Kalusche: Da für unsere eigene Halle (Kampa Halle) die Betriebserlaubnis am 31.12.2019 erloschen ist, mieten wir in dieser Saison für jedes Heimspiel die Halle in Lübbecke. Da konnten wir jetzt aber kurzfristig eine Lösung mit dem Vermieter finden, die uns nichts extra kostet. Ähnlich verhält es sich mit der Security, Gastro-Dienstleistern, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Da entstehen pro Heimspieltag Kosten in einem fünfstelligen Betrag, die wir aber nur von Spiel zu Spiel sozusagen buchen und jetzt kurzfristig stoppen konnten.

GWD Minden unterhält auch eine sehr große Jugendabteilung. Wird dort noch gespielt und trainiert?

Kalusche: Nein, es ruht derzeit alles. Sämtliche Spiele sind vom Verband vorerst abgesagt, es wird derzeit auch mit dem Training ausgesetzt.

Wie gehen Sie mit den Vereins-Mitarbeitern auf der Geschäftsstelle um?

Kalusche: Wir haben hier auf der Geschäftsstelle nur fünf hauptamtliche Mitarbeiter, sind personell für einen Bundesligisten also personell relativ dünn aufgestellt. Das ist jetzt natürlich kein Nachteil. Wir haben es zudem bei uns so organisiert, dass alle Mitarbeiter auch dezentral arbeiten können. Wir werden also in den nächsten Tagen und Wochen auch viel auf Home Office umstellen. Über Entlassungen müssen wir also aktuell glücklicherweise nicht nachdenken.

Was wäre Ihnen als Verein lieber - die Saison vorzeitig abzubrechen? Oder favorisieren Sie eine Hängepartie mit dem Ziel, die Meisterschaft irgendwann in den nächsten Wochen und Monaten zu Ende zu bringen?

Kalusche: Das muss eine einheitliche Liga-Entscheidung sein. Wie auch immer sie ausfallen wird. Aber ich habe mir eben noch einmal die Einschätzungen des Robert-Koch-Instituts durchgelesen. Da scheint ja in punkto Ausbreitung des Virus noch einiges auf uns zuzukommen. Ehrlich gesagt ist angesichts der vorhergesagten Szenarien die Wiederaufnahme des Handballsports mittelfristig für mich kaum vorstellbar.

Das Gespräch führte Olaf Jansen

Stand: 13.03.2020, 10:50

Darstellung: