Beginn der Trainingscamps: NHL bereitet sich auf Re-Start vor

Chicago Blackhawks Patrick Kane und Edmonton Oilers Ryan Nugent-Hopkins kämpfen um den Puck

Eishockey

Beginn der Trainingscamps: NHL bereitet sich auf Re-Start vor

Mit dem Beginn der Trainingscamps startet die NHL in Phase drei vom Re-Start. Anfang August soll wieder gespielt werden. Das Sicherheitskonzept der Liga ist umfangreich - doch es gibt viele positive Tests bei Spielern und Probleme in den möglichen Spielorten.

Bis zu 2.000 Tests täglich, Essensservice für die daheimgebliebenen Angehörigen, Golfturniere für die Spieler zur Quarantäneablenkung: Das Konzept der NHL, um trotz des Coronavirus die Saison fortsetzen zu können, ist ziemlich detailliert und anspruchsvoll. Ob der auf dem Papier ausgeklügelte Plan aufgehen wird, um im Herbst doch noch einen Stanley-Cup-Sieger zu ermitteln, erscheint trotzdem fraglich.

Denn Anfang der Woche verkündete die NHL 35 positive Coronatests bei Spielern, in der Woche zuvor waren es 26. Und das Virus verbreitet sich vor allem in den USA weiter rasant. Am Dienstag (07.07.2020) und Mittwoch wurden jeweils mehr als 60.000 Neuinfektionen im Land gemeldet, insgesamt sind nach offiziellen Zahlen bereits mehr als drei Millionen Amerikaner infiziert.

Play-Offs wohl in Kanada

Dabei starten heute die Vorbereitungen der Trainingscamps der NHL-Teams. Ab dem 1. August will die Liga nach fast fünf Monaten Pause wieder spielen, in einem Playoff-Format mit zwei Spielorten. Laut mehreren Medienberichten hat die NHL-Leitung als Konsequenz der hohen Infektionszahlen in den USA nun beschlossen, die Playoffs in Kanada auszutragen. In Edmonton und Toronto sollen die Entscheidungen fallen. Als sogenannte "hub cities" und damit zentrale Austragungsorte waren lange auch Chicago, Las Vegas oder Los Angeles gehandelt worden. Los Angeles etwa liegt im besonders schwer vom Virus betroffenen Kalifornien. Vancouver stieg aufgrund medizinischer Bedenken freiwillig aus.

NBA und MLS haben Probleme in Florida

Die NHL hat die Spielorte noch nicht offiziell benannt. Wohl auch, um die Entwicklung der Infektionszahlen vor Ort so lange wie möglich abzuwarten. Die NBA etwa hat ein großes Problem: Sie will ihre Saison in Florida und damit einem Corona-Hotspot fortsetzen. Um die 100.000 Menschen haben in dem Bundesstaat bisher schon infiziert. Beim Finalturnier der MLS, die seit wenigen Tagen ebenfalls in Florida wieder spielt, mussten nach positiven Spielertests schon mehrere Teams ausgeschlossen werden.

In Kanada hingegen ist das Virus verglichen mit den USA gut unter Kontrolle. Für den deutschen Superstar Leon Draisaitl von den Edmonton Oilers könnten die Playoffs damit ein Heimspiel werden. Jedoch deutet aktuell viel darauf hin, dass Draisaitl und die Oilers eher in Toronto mit den anderen Teams der Western Conference antreten werden, während in Edmonton die Eastern Conference spielt. Der gebürtige Kölner Draisaitl hatte nach dem Abbruch der regulären Saison dank seiner 43 Tore und 67 Vorlagen als erster Deutscher die Art Ross Trophy für den erfolgreichsten Punktesammler erhalten.

Nur Einzelzimmer, Essensservice für Familien

Die Teams reisen am 26. Juli in die Spielorte und werden dort unter strengsten Hygienemaßnahmen abgeschottet. Es gibt nur Einzelzimmer. Besuche im Zimmer eines Kollegen sind untersagt, sobald die Spieler aus dem Zimmer kommen, gilt Maskenpflicht. Für Familienangehörige gibt es einen Essensservice. Ihnen werden Lebensmittel nach Hause geliefert. Erst ab dem Halbfinale sollen die Partnerinnen der Spieler Zutritt in die Sicherheitszone der Spieler erhalten.

Denn Spieler, Trainer und Teammitglieder dürfen sich nur in sogenannten "Phase 4-Sicherheitszonen" bewegen. Diese umfassen die Hotels, Restaurants, Trainingseinrichtungen und die Spielstätten. Jede Person, die sich innerhalb dieser Zone aufhält, wird täglich auf COVID-19 getestet und auf Symptome der Krankheit untersucht. Dazu gehören Spieler, Trainer, Angestellte eines Teams, der Liga und der Arena sowie Verkäufer und andere Dienstleister.

Bis zu 2.000 Tests täglich

Pro Team sind 31 Spieler und 21 weitere Personen – wie Trainer oder Materialwart – zugelassen. Macht 52 Personen pro Team, die täglich auf das Virus getestet werden sollen. Da auch jeder, der täglich mit den Spielern in Kontakt kommt, getestet werden soll, rechnet die Liga mit bis zu 2.000 Tests täglich. Denn dann muss auch der Busfahrer oder das Küchenpersonal aus den Hotels täglich gecheckt werden.

Ein ziemlicher Kraftakt, um am Ende doch noch einen Stanley-Cup-Sieger zu ermitteln. Die Finalserie soll in der üblichen Länge stattfinden. Ab der Runde der besten 16 Teams sollen vier Siege in einer Serie für ein Weiterkommen und am Ende auch für den Stanley Cup notwendig sein.

Einigung im Tarifvertrag ist fix

Das alles haben die NHL und die Spielergewerkschaft NHLPA der Eishockeyprofis in einer Einigung auf den Tarifvertrag auf den Weg gebracht. Am Freitagabend (10.07.2020) gab die NHLPA ihr endgültiges Ok für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs am 1. August.

Der neue Vertrag enthält dabei auch eine Klausel, die den Spielern zusichert, dass sie an den Olympischen Spielen 2022 und 2026 teilnehmen dürfen. Bei den Winterspielen 2018 in Pyeongchang hatten die NHL-Profis nach einem Streit der nordamerikanischen Liga mit dem Eishockey-Weltverband IIHF noch gefehlt. "Diese Vereinbarung ist ein bedeutender Schritt nach vorn für die Spieler, Eigentümer und für unser Spiel in einer schwierigen und unsicheren Zeit", sagte NHLPA-Vorstand Don Fehr.

sid, dpa | Stand: 10.07.2020, 11:39

Darstellung: