Florence Schelling - die Pionierin im Männer-Eishockey

brünette Frau lächelt in Kamera

Neue Chefin des SC Bern

Florence Schelling - die Pionierin im Männer-Eishockey

Das Interesse an Florence Schelling ist groß in diesen Tagen. Die 31 Jahre alte Schweizerin ist Chefin des Schweizer Eishockeyklubs SC Bern - und damit die erste Frau im Männer-Eishockey auf dieser Position.

"Es ist mir klar, dass ich gerade einen großen Schritt getan habe. Doch ich konzentriere mich darauf, möglichst gute Arbeit zu leisten", sagte Florence Schelling der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ). Gelingt ihr dies, dann "werden Anerkennung und Respekt automatisch folgen, und es wird keine Rolle mehr spielen, ob ich eine Frau oder ein Mann bin", betonte die erfolgreiche langjährige Schweizer Nationaltorhüterin, die einen Master in Betriebswirtschaft vorzuweisen hat und vier Sprachen spricht.

Sich in der Männerwelt durchzusetzen, meistert sie seit ihrer Kindheit. "Ich bewege mich seit dem vierten Lebensjahr in der Welt der Männer. Als ich damals sagte, ich wolle Eishockey spielen, sagte man mir: 'Das ist ein Sport für Buben'", erzählte Schelling, die beim Gewinn der Bronzemedaille bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 den Höhepunkt ihrer beeindruckenden Karriere erreichte.

Neue, anspruchsvolle Aufgabe

Die gebürtige Züricherin, die bei den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 als wertvollste Spielerin des Turniers ausgezeichnet worden war, hat eine erfolgreiche Karriere durchlebt. Mit 13 Jahren wurde sie erstmals für die Junioren-Nationalmannschaft nominiert, bereits drei Jahre später reiste sie als Stammtorhüterin der Eidgenossinnen mit zu den Olympischen Spielen nach Turin. Mit 19 Jahren wechselte sie nach Nordamerika.

Doch nun wartet auf Schelling, zuletzt als Cheftrainerin der U18-Frauen-Nationalmannschaft tätig, eine neue, anspruchsvolle Aufgabe - und mit Marc Lüthi, Mitbesitzer, Verwaltungsrat und Manager des SC Bern, ein mächtiger Mann an der Klubfront. Der Aufmerksamkeit in der höchsten Spielklasse NLA stellt sie sich. "Jedes Mal, wenn man einen neuen Job beginnt, hat man Druck. Aber natürlich wird er diesmal eine andere Dimension annehmen", sagte Schelling.

Hohe Erwartungen

Die Dimensionen sind für sie in der Tat groß. Die Aargauer Zeitung etwa erhob Schelling umgehend zur "Königin von Bern". Die Erwartungen beim Traditionsklub sind ebenfalls hoch. Der 16-malige Schweizer Meister verpasste jüngst in der aufgrund der Corona-Pandemie abgebrochenen Spielzeit in der NLA als Neunter die Playoffs, der Kader für die neue Spielzeit steht noch nicht - Schelling muss noch an vielen Stellschrauben drehen.

Auch wenn sie noch eingeschränkt ist nach einem schweren Skiunfall Anfang 2019, bei dem sie sich den sechsten Halswirbel brach. "Ich bin unbelastet und kann mit neuen Ideen gemeinsame Ziele erreichen. Ich kann mit frischen Augen auf den SC Bern schauen, unvoreingenommen agieren", sagte Schelling.

Einzig und allein mit ihrer Rolle als "Pionierin" kann sich Schelling noch nicht ganz anfreunden: "Ich sehe mich nicht so, ich weiß aber, dass ich es bin. Ich habe mein ganzes Leben in verschiedensten Situationen etwas als erste Frau gemacht." Das gilt auch für das neue Abenteuer in Bern.

Stand: 19.04.2020, 09:38

Darstellung: