Ärger in der DEL - "Haben davon aus der Eishockeynews erfahren"

Moritz Müller von den Kölner Haien

Eishockey

Ärger in der DEL - "Haben davon aus der Eishockeynews erfahren"

Die Eishockey-Profis in der DEL sollen auf Geld verzichten, damit die Klubs überleben, sagt die Liga. Die Spieler hätten davon aus den Medien erfahren, sagt Moritz Müller im Interview mit Sportschau.de. Nun treibt er die Gründung einer Spielergewerkschaft voran.

Zuletzt hat Moritz Müller manchmal bei Netflix reingeschaut. Dort läuft gerade die Dokumentation "The Last Dance", in der es um Michael Jordan und die Basketballer der Chicago Bulls und ihre Spielzeit 1997/98 geht. In einer der ersten Folgen sagt Jordan: "We are the product" - und meint damit die Spieler. Und den Eishockeyspieler Müller hat das schon sehr erinnert an die Situation im deutschen Eishockey. "So ist es ja wirklich: Wir sind das Produkt der Liga, wir betreiben den Sport, über den andere sprechen", sagt Müller im Gespräch mit sportschau.de: "Ich glaube, es kann nur ein Gewinn für die DEL sein, wenn die Spieler auch eine Stimme bekommen."

Müller, 33, ist Verteidiger bei den Kölner Haien. Doch auf dem Eis stand er schon länger nicht mehr, er hat gerade ganz andere Sorgen. Gemeinsam mit einigen anderen DEL-Profis, darunter Patrick Reimer von den Nürnberg Ice Tigers, treibt Müller die Gründung einer Spielergewerkschaft voran. Und das, so sieht Müller das, war wahrscheinlich nie so wichtig wie in Zeiten von Covid-19.

Müller über die Ziele der DEL-Spielergewerkschaft

Sportschau 20.05.2020 00:41 Min. Verfügbar bis 20.05.2021 ARD

Die Saison in der DEL wurde vorzeitig abgebrochen, einen Meister gibt es nicht - das Sportjahr 2020 steht ganz im Zeichen einer Pandemie, das gilt auch für das Eishockey. Für einige Klubs in Deutschland geht es gerade um das finanzielle Überleben, weshalb die Liga nun von den Spielern fordert, diese mögen doch bitte künftig auf Geld verzichten. Sollte der Spielbetrieb wie geplant ab dem 18. September wieder aufgenommen werden, sollen die Spieler zunächst nur drei Viertel ihres eigentlichen Gehalts beziehen.

Müllers Appell: Miteinander, nicht gegeneinander

Es sei nicht so, dass die Spieler in einer Situation wie der aktuellen nicht zu Einbußen bereit seien, sagt Müller. Doch was ihm nicht gefällt, ist die Kommunikation. "Wir Spieler haben von dem Vorschlag aus der Eishockeynews erfahren", sagt Müller. Daran sehe man ja, wie wichtig es sei, dass die Spieler sich organisierten, um dann in einen Dialog mit der Liga zu gehen. Bevor man übereinander spricht, sagt Müller, sollte man doch lieber miteinander sprechen.

Zuvor hatte Patrick Reimer im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" gesagt: "Wir wollen definitiv nicht in einen Krieg gegen die DEL ziehen. Es geht uns darum, eine Kommunikationsebene zu finden, um gemeinsame Lösungen zu erarbeiten, auch, wie wir diese Krise überstehen."

Der Plan der Liga sieht jedenfalls so aus: Das restliche Viertel des Gehalts soll abhängig von den Einnahmen des jeweiligen Klubs in der Saison 2020/21 an die Spieler ausgezahlt werden. Schon am Sonntag (24.05.2020) müssen die Klubs ihre Lizenzunterlagen für die nächste Saison eingereicht haben. Bis dahin müssten die Spieler einem Gehaltsverzicht zustimmen. Selbst wenn die Clubs auch ohne Gehaltssenkung einen ausgeglichenen Haushalt nachweisen könnten, würde ohne Zustimmung der Spieler die Lizenz verweigert. Die Zeit drängt.

"Das Geld ist einfach nicht da"

Der DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke hat dazu eine klare Meinung. Der Fachzeitschrift "Eishockeynews" hat er kürzlich gesagt, er sehe keine Alternative zu einem freiwilligen Gehaltsverzicht. "Wir wollen keinen über den Tisch ziehen. Das Geld ist derzeit einfach nicht da", sagte Tripcke. Allein den Verlust der abgebrochenen Corona-Saison bezifferte er auf bis zu 20 Millionen Euro.

"Vereine haben den Druck erhöht"

Sie würden nun gerne in einen Dialog mit der Liga treten, sagt Müller, aber eben auf Augenhöhe: "Wir hatten ein erstes Gespräch und uns wurden weitere zugesagt, doch bisher ist das leider nicht passiert." Eigentlich hätten sie am Montag (18.05.2020) einen Gesprächstermin mit der DEL-Spitze gehabt, doch der sei kurzfristig abgesagt worden. Nun soll das Gespräch an diesem Mittwoch stattfinden.

Müller zu Gehaltsverzicht: "Ganz freiwillig ist es dann doch nicht"

Sportschau 20.05.2020 00:40 Min. Verfügbar bis 20.05.2021 ARD

"Die Vereine haben natürlich in der Zwischenzeit den Druck auf die Spieler erhöht", sagt Müller. Es geht immerhin in einigen Fällen um die Zukunft des eigenen Arbeitgebers. "So ganz freiwillig", sagt Müller, sei der Gehaltsverzicht dann eben doch nicht.

tbe mit sid | Stand: 20.05.2020, 14:45

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