BBL-Finalturnier - sportlich eine Wundertüte

Bayerns Greg Monroe

Basketball-Bundesliga

BBL-Finalturnier - sportlich eine Wundertüte

Von Robin Tillenburg

Anfang Juni soll die BBL die unterbrochene Saison im soeben genehmigten großen Finalturnier ausspielen. Sportlich ist die Veranstaltung mit vielen Fragezeichen versehen.

Die Freude über das genehmigte Finalturnier ist groß bei den Protagonisten der BBL. "Dass es jetzt wieder losgehen kann, ist einfach schön", wird Rasta Vechtas Kapitän Josh Young in einer Vereinsmitteilung zitiert. Doch auch wenn die Fortsetzung jetzt in trockenen Tüchern ist und für gute Laune sorgt, bleiben gerade sportlich viele Fragezeichen.

Zwei Fünfergruppen, dann "Playoffs" mit Hin- und Rückspiel

Keine Fragen gibt es zunächst beim Modus: In Gruppe A spielen der FC Bayern München (Platz 1 bei Saisonunterbrechung), Hakro Merlins Crailsheim (3), EWE Baskets Oldenburg (5), BG Göttingen (9) und ratiopharm Ulm (10). In Gruppe B treten die MHP Riesen Ludwigsburg (2), Alba Berlin (4), Rasta Vechta (6), Brose Bamberg (7) und die Fraport Skyliners Frankfurt (14) an.

Jedes Team bestreitet vier Gruppenspiele, die besten vier treffen dann im Viertelfinale in Hin- und Rückspiel jeweils über Kreuz auf ein Team der anderen Gruppe, ehe es ins Halb- und dann Finale geht - ebenfalls mit Hin- und Rückspiel. 36 Partien sind es insgesamt, die in den wenigen Wochen in München ausgetragen werden sollen.

Los geht es am 6. Juni. Um 16.30 Uhr eröffnen die BG Göttingen und die Hakro Merlins Crailsheimim das Turnier. Danach spielen um 20.30 Uhr Bayern München und ratiopharm Ulm gegeneinander. Das Viertelfinale startet am 17. Juni, das Halbfinale am 21. Juni und das Finale am 26. Juni.

Bayern sind Favorit - aber kann Monroe spielen?

Rein tabellarisch sind die gastgebenden Bayern auf dem Papier die Favoriten. Mit 19 Siegen aus 21 Spielen und der besten Defense der regulären Saison ist der FCB nach der erfolgreichen Titelverteidigung 2019 das Maß aller Dinge gewesen. Allerdings: die Riesen Ludwigsburg und die Merlins Crailsheim waren aber vor der Unterbrechung mit jeweils fünf Siegen in Serie ernsthafte Konkurrenten für den Primus.

Hinzu kommt, dass die Münchener zwar - wenn auch ohne Fans - den Heimvorteil auf ihrer Seite haben, aber möglicherweise auf Greg Monroe verzichten müssen. Der ehemalige NBA-Star der Bayern war mit 13,2 Punkten und 5,5 Rebounds im Schnitt einer der absoluten Topspieler im Team von Trainer Oliver Kostic.

Der erfahrene 29-Jährige reiste genau wie sein Landsmann TJ Bray während der Unterbrechung in die USA. Während Bray zum Finalturnier, die erforderlichen zwei negativen Corona-Tests vorausgesetzt, zur Verfügung stehen wird, ist das bei Monroe aus familiären Gründen noch fraglich.

Nicht alle Spieler stehen zur Verfügung

Bei Ludwigsburg sind ebenfalls die ersten zwischenzeitlich heimgekehrten Legionäre zurück: Cameron Jackson und Thomas Wimbush sind wichtige Stützen für den möglicherweise größten Konkurrenten der Münchner.

Die heimgekehrten Legionäre sind nicht die Regel: Nicht bei allen Teams können alle Akteure zurückkehren. Wie genau die Kaderzusammenstellung der Teilnehmer für das Finalturnier aussehen wird, wird sich wohl erst in einigen Tagen zeigen.

Die gute Nachricht für die Vereine ist, dass eine zweiwöchige Quarantäne nach der Rückkehr der Spieler, die die Trainingssituation vor dem in gut zwei Wochen startenden Wettbewerb deutlich einschränken würde, nicht obligatorisch zu sein scheint, wie BBL-Chef Stefan Holz der Sportschau erklärte.

BBL-Chef Holz über Rückkehr der US-Spieler: "Alle Spieler, die ins Training einsteigen, sind doppelt negativ getestet" Sportschau 19.05.2020 01:14 Min. Verfügbar bis 19.05.2021 Das Erste

Nachverpflichtungen auch innerhalb der Liga

Da nun terminliche Planungssicherheit herrscht, können und müssen einige der zehn verbliebenen Vereine nochmal personell nachlegen. Denn: Weil eigentlich alle Teams mit ihren ausländischen Profis vor ähnlichen Problemen stehen, erlaubte die Liga zuletzt je Klub zwei Spieler-Nachverpflichtungen.

Einige Teams machten davon schon Gebrauch. So holte beispielsweise BG Göttingen Leon Williams und Jito Kok: "Da nicht alle Spieler, die in dieser Saison bei uns im Kader standen, für das Turnier in München zur Verfügung stehen werden, haben wir nach Möglichkeiten gesucht, dies zu kompensieren", erklärte Göttingens Coach Johan Roijakkers die Nachverpflichtungen. Die beiden Niederländer spielten zuletzt in Belgien und den Niederlanden, wo die Saisons jeweils bereits abgebrochen sind.

Auch innerhalb der Liga gab es Wechsel: Die Hamburg Towers und Syntainics MBC aus Weißenfels nehmen nicht am Turnier teil - Nutznießer war in dem Fall Crailsheim, das sich die Dienste von Marvin Ogunsipe (Hamburg) und David Brembly (MBC) sicherte.

Viele Fragen offen

Frankfurt Skyliners-Spieler Marco Völler

Frankfurt Skyliners-Spieler Marco Völler

Nicht nur die personelle Situation ist aber durcheinander gewirbelt. Die lange Pause mit den unterschiedlichen Trainingsbedingungen könnte zuletzt formschwache Teams begünstigen und formstarke aus der Form gebracht haben. In der Fußball-Bundesliga der Männer, aktuell ja die einzige Blaupause hierzulande, setzten sich Formtrends zumindest am ersten Spieltag des "Re-Starts" allerdings größtenteils fort.

Trotzdem bleiben vor allem Fragen. Wer kommt zudem mit den strikten Bedingungen des Hygienekonzepts - und den stärkeren Kontaktbeschränkungen als beim Fußball - am besten klar? Wer kann in dieser gerafften Turnierform auf dem Punkt die Leistung abrufen? Wird am Ende vielleicht gar der zuvor Tabellenvierzehnte Frankfurt am Ende Deutscher Meister?

Und was passiert eigentlich, sollte es doch einen positiven Test während des Turniers geben? So viele Fragezeichen gab es vor dem Saisonfinale in der BBL wohl noch nie. Aber die Liga war ja auch noch nie in der Situation.

Stand: 19.05.2020, 21:41

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