Joe Biden - Hoffnungsträger auch für den US-Sport

Joe Biden (r.) mit einem Football in der Hand

Amtseinführung des Präsidenten

Joe Biden - Hoffnungsträger auch für den US-Sport

Von Christian Mixa

Mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden verbinden auch viele US-Sportler, die sich unter dem Feindbild Trump politisiert hatten, die Hoffnung auf gesellschaftlichen Wandel.

Die Amtseinführung eines US-Präsidenten ist eine schwer symbolbeladene Veranstaltung, die auch immer den Ton für die kommenden Regierungsjahre des neuen Amtsinhabers setzen soll. Wenn Joe Biden am Mittwoch (20.01.2021) in Washington als neuer Präsident vereidigt wird, zählt zu den prominenten Gästen, die eingeladen sind, auch Kareem Abdul-Jabbar. Der Basketballer, der mit über 38.000 Punkten die ewige Scorerliste der NBA anführt. Und der vor allem seit Jahren eine gewichtige Stimme gegen politische Missstände und Rassismus in den USA ist.

Im vergangenen März, als das Land gezeichnet war von rassistischer Polizeigewalt, Unruhen auf den Straßen und der wütenden Corona-Pandemie, veröffentlichte Abdul-Jabbar im englischen "Guardian" die fiktive Rede eines US-Präsidenten: Aufmunternde Worte, die ein Präsident wählen könnte, um den Amerikanern die dringend benötigte Hoffnung zu geben. Und eine Rede, wie sie niemals von Donald Trump kommen wird, bemerkte Abdul-Jabbar. Es war eine bittere, vorweggenommene Abrechnung mit Trumps Politik im Weißen Haus.

Feindbild Trump - auch für viele US-Sportler

Wenn bei der Zeremonie zu Bidens Amtsantritt nun mit Abdul-Jabbar eine der größten Basketball-Legenden zu Gast ist, markiert dies auch einen Wendepunkt für den US-Sport: Denn während Trumps Regierungszeit haben prominente US-Sportler den Präsidenten zum Teil scharf kritisiert und demonstrativ einen Bogen ums Weiße Haus gemacht.

Als Trump auf Football-Profi Colin Kaepernick nach dessen Kniefall-Protest losging, wurde er zum Feindbild vieler, nicht nur afroamerikanischer Athleten. Selbst die Profis auf der eher konservativen PGA-Golftour äußerten sich auf einmal politisch und sprachen über Rassismus. Die traditionellen Ehrungen im Oval Office nach großen Erfolgen fielen fast alle ins Wasser, stellvertretend dafür stand Fußball-Weltmeisterin Megan Rapinoe mit ihrem programmatischen "I am not going to the fucking White House".

Meisterfeier mit Biden im Weißen Haus

Dementsprechend groß war die Erleichterung nach Trumps Wahlniederlage. LeBron James kündigte bei Twitter an, die ausgefallene Meisterfeier mit den Lakers im Weißen Haus nachzuholen, er selbst werde für die Getränke sorgen. Auch die NBA-Basketballer stehen stellvertretend für die neue Politisierung im US-Sport. Sie machten sich im vergangenen Jahr zum Sprachrohr der "Black Lives Matter"-Bewegung. Nach den Schüssen eines Polizeibeamten auf den Afroamerikaner Jacob Blake in Kenosha, mitten in den NBA-Playoffs, traten mehrere Teams aus Protest nicht an und brachten die Saison an den Rand des Abbruchs.

Politischer Aktivismus wie in den 1960er-Jahren

Der politische Aktivismus unter US-Sportlern sei so groß wie seit den 1960er-Jahren nicht mehr, sagt N. Jeremi Duru, Universitätsprofessor in Washington, im Interview mit SkySports. Das würde auch ins politische Konzept des neuen Präsidenten passen: "Ich kann mir gut vorstellen, dass Biden sich mit dieser Bewegung verbindet, um die gesellschaftliche Erneuerung voranzutreiben."

Michael Thomas: "Die Liga hat keine andere Chance, als zuzuhören" Sportschau 10.09.2020 01:11 Min. Verfügbar bis 10.09.2021 Das Erste

Biden hat sich schon früh positioniert, nach der abgewiesenen Klage der US-Fußballerinnen gegen den eigenen Verband im Vorjahr versprach er, sich als Präsident für gleiche Bezahlung einzusetzen. Daran wird er sich messen lassen müssen. Beim Inauguration Day ist auch Sarah Fuller eingeladen, die 21 Jahre alte Kickerin hatte als erste Frau in einem College-Footballspiel Punkte erzielt. Auch dies soll als Zeichen dafür stehen, dass der neue US-Präsident den gesellschaftlichen Wandel auch im Sport vorantreiben will.

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Viele der prominenten Sportler, die sich zuletzt lauter gegen den strukturellen Rassismus in den USA positioniert hatten, sehen in Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris Hoffnungsträger: "Wir haben jetzt Leute an den richtigen Positionen, um wirklich etwas zu verändern", sagte Kent Bazemore von den Golden State Warriors kurz vor der Amtseinführung bei ESPN.

Tiefe Spaltung auch im US-Sport

Doch bei all dem neuen Geist ist auch der US-Sport weiter tief gespalten, wie das ganze Land. Das Verbot der Südstaaten-Flagge bei Nascar-Rennen, die Umbenennung der Washington Redskins - all dies wurde in den USA kontrovers diskutiert. Die Konfliktlinien laufen genau zwischen jenen Bevölkerungsgruppen, die sich auch sonst scheinbar unversöhnlich gegenüberstehen.

Als zwei Wochen vor der Amtseinführung ein Protestmob von Trump-Anhängern das Kapitol stürmte und randalierte, war auch Klete Keller dabei, mehrfacher Olympiasieger im Schwimmen. In der WNBA, der Profiliga der Basketballerinnen, die als besonders politisch aktiv und progressiv gilt, stellten sich die Spielerinnen von Atlanta Dream sogar gegen die eigene Klub-Besitzerin: Senatorin Kelly Loeffler, eine erklärte Trump-Anhängerin, die schon im Vorjahr die "Black Lives Matter"-Proteste kritisiert hatte. Vor den Senatswahlen in Georgia riefen die Spielerinnen auf T-Shirts zur Wahl von Loefflers demokratischem Konkurrenten auf, mit Erfolg. Die abgewählte Senatorin wird ihre Anteile am Klub nun wohl verkaufen, auch nach wachsendem Druck aus der Liga, wie CNN vermeldete.

Stand: 20.01.2021, 12:00

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