Profisport im November ohne Fans - Amateursport soll ruhen

Leeres Stadion bei Bayern Münchens Spiel gegen Borussia Dortmund um den DFL-Supercup

Neue Corona-Maßnahmen

Profisport im November ohne Fans - Amateursport soll ruhen

Von Chaled Nahar

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Bundesländer haben Maßnahmen in der Coronakrise beschlossen, die auch den Sport betreffen. Im November dürfen keine Fans zum Profisport, der Amateursport soll weitgehend ruhen.

Die Maßnahmen gelten ab Montag (02.11.2020) und werden bis Ende November befristet. In zwei Wochen will Bundeskanzlerin Merkel mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder neu beraten. Dann sollen die Regelungen beurteilt und möglicherweise angepasst werden.

Merkel sagte, dass das Tempo der Verbreitung des Virus hoch sei. Deutschland erlebe einen exponentiellen Anstieg der Zahlen, bei dem sich die Verdopplungszeiten immer weiter verkürzen. "Wenn es bei diesem Tempo der Infektionen bleibt, kommen wir binnen Wochen an die Grenzen der Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems." Deshalb seien harte Maßnahmen notwendig. Und die betreffen auch den Sport.

Zuschauerausschluss im Profisport

In dieser Woche lief der vereinbarte sechswöchige Testbetrieb für Veranstaltungen mit Zuschauerinnen und Zuschauern aus. Profisportvereine durften dabei in ihren Stadien und Hallen bis zu 20 Prozent der jeweiligen Kapazität nutzen, wenn der Wert der Sieben-Tage-Inzidenz am Standort unter 35 lag. Der Wert beschreibt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen.

Zuletzt stiegen die Infektionszahlen deutlich und führten zu mehreren Geisterspielen in der Fußball-Bundesliga. Einige Partien fanden aber mit einigen Tausend Fans statt, auch im Handball. Die neue Maßgabe lautet nun: Keine Zuschauer in den Stadien und Hallen des Profisports.

Geisterspiele sichern zumindest den Spielbetrieb

Für den Fußball ist das finanziell am ehesten zu verkraften. Für die Deutsche Fußball Liga (DFL) und ihre Klubs kommt es vor allem auf den Spielbetrieb an, um TV-Verträge zu erfüllen. Das Hygienekonzept von DFL und DFB bewährte sich bislang, sodass zumindest die Spiele vor Geisterkulissen politisch nicht in Frage gestellt wurden. Der Spielbetrieb kann also zumindest aufrechterhalten werden. Trotzdem regt sich im Profifußball Unmut.

Holger Sanwald: "Traut die Politik uns gar nichts mehr zu?" Sportschau 29.10.2020 01:30 Min. Verfügbar bis 29.10.2021 Das Erste

"Diese Konzepte wurden doch genau für Phasen, wie wir sie jetzt erleben, erarbeitet", sagte Axel Hellmann, Mitglied des Vorstands von Eintracht Frankfurt. Er forderte einen "zielgerichteten und sachgerechten" Kampf gegen die Pandemie. "Deswegen halten wir die Praxis des Zuschauerausschlusses - nicht nur im Profifußball - dauerhaft für den falschen und nicht mehr verhältnismäßigen Weg."

Sorge im Handball, Basketball und Eishockey

Leeres Tor in leerer Halle beim Lockout

Von deutlich größerer Tragweite ist die Entscheidung für andere Sportarten, die sich stärker über den Verkauf von Eintrittskarten finanzieren. "Ein, zwei Geisterspiele sind zu verkraften, danach geht es an die Substanz", sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga laut dpa. "Auf Dauer ist das ein Modell, das nicht aufgeht." Ähnliche Töne gab es in den vergangenen Wochen immer wieder auch aus dem Eishockey und dem Basketball.

Bohmann und auch Stefan Holz, Geschäftsführer der Basektball-Bundesliga, kritisierten nun die Entscheidung der Politik. "Aus unserer Sicht gibt es fachlich-hygienisch keine Gründe dafür", sagte Holz der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die BBL solle trotzdem am 6. November in die Saison starten. Bohmann sagte: "Die Neuinfektionen kommen nicht durch Sportveranstaltungen. Das ist aus meiner Sicht eine symbolische Entscheidung."

Merkel widersprach dieser Sichtweise deutlich. "Wir sind an einem Punkt, wo wir bundesweit im Durchschnitt für 75 Prozent der Infektionen nicht mehr wissen, woher sie kommen", sagte sie. "Man kann nicht mehr sagen, dass ein bestimmter Bereich zur Infektion nicht beiträgt."

Auch Freizeit- und Amateursport wird eingeschränkt

Ein gesperrter Fußballplatz

Ein gesperrter Fußballplatz

Der Freizeit- und Amateursportbetrieb wird komplett ausgesetzt. Fitnessstudios, Schwimm- und Spaßbäder werden geschlossen. Individualsport wie beispielsweise Joggen ist davon ausgenommen. Dies sei "allein, zu zweit oder mit dem eigenen Hausstand" erlaubt.

Corona in Deutschland: Fast eine halbe Million Infizierte, 10.000 Tote

Am Mittwoch (28.10.2020) meldete das Robert Koch-Institut (RKI) fast 15.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden - so viele wie noch nie an einem Tag. Die Gesamtzahl der nachgewiesenen Infektionen in Deutschland liegt damit bei rund 465.000, mehr als 10.000 Menschen starben an oder mit dem Virus. Etwas mehr als 330.000 Menschen gelten laut RKI als genesen.

Stand: 28.10.2020, 18:41

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