Übungsleiter in der Coronakrise - Training war lange nicht mehr

Bilder aus besseren Zeiten, in denen noch Tischtennis gespielt werden durfte

Der Sport und die Coronakrise

Übungsleiter in der Coronakrise - Training war lange nicht mehr

Von Tim Beyer

Trainersein in Deutschland, das ist oft mit Problemen verbunden: Kettenverträge, Zukunftsängste - und erst die Bezahlung. Covid-19 hat die Sorgen vieler Trainer noch verstärkt. Nicht alle sind so gut aufgestellt wie der Tischtennis-Trainer Bernd Krey.

Es ist noch gar nicht lange her, da hat Bernd Krey innerhalb weniger Tage zwei richtig gute Nachrichten erhalten. Die erste kam wenige Tage vor Ostern von der Deutschen Sporthochschule aus Köln: Krey wird dort ab dem Sommersemester als Dozent Tischtennis unterrichten, erst einmal nur per Video, aber immerhin. Nach Pfingsten, das ist die Hoffnung, könnte vielleicht auch Praxisunterricht möglich sein. Und am Montag (20.04.2020) durfte Krey sogar seinen kleinen Laden für Tischtennis-Ausrüstung wieder öffnen.

Gaildorf ist eine Kleinstadt mit gut 12.000 Einwohnern im Landkreis Schwäbisch-Hall in Baden-Württemberg und die Heimat des Tischtennis-Liebhabers Krey. Denn Bernd Krey, 39, ist nicht nur Ladenbesitzer und Tischtennis-Dozent, er ist auch selbstständiger Trainer. In normalen Zeiten, sagt Krey im Gespräch mit sportschau.de, mache die Arbeit als Trainer etwa zwei Drittel seiner Einnahmen aus. Doch was ist schon normal in Zeiten von Covid-19? Tic-Tac, Tic-Tac, Tic-Tac, Zack - den Sound der Ballwechsel hat man lange nicht gehört, auch das Quietschen der Schuhe auf dem Hallenboden nicht. Überhaupt ist gerade nicht viel mit Tischtennis.

Krey hat das noch einmal nachgerechnet: Eigentlich ist er auf Honorarbasis bei fünf Vereinen tätig und für einen Bezirk, manchmal zeigt er in einer Woche 250 Spielern, wie das geht mit dem Aufschlag und dem Topspin. Im Durchschnitt gibt er 25 Stunden Unterricht pro Woche, die gleiche Zeit, sagt Krey, gehe für die Vor- und Nachbereitung und auch für die Anfahrt drauf. Doch Geld bekommt er nur, wenn Training ist - und Training war lange nicht mehr. Und auch die Feriencamps, die Krey in den Schulferien oft anbietet, werden in diesem Sommer eher nicht stattfinden. "Ich habe das Glück, dass ich sehr, sehr gut gewirtschaftet habe in den letzten Jahren. Von diesen Rücklagen kann ich jetzt profitieren", sagt Krey.

"Viele Trainer sind in ihrer Existenz bedroht"

Kürzlich hat der Berufsverband der TrainerInnen im Deutschen Sport (BVTDS) eine Umfrage unter Bundestrainern durchgeführt. Das Ergebnis war ernüchternd: Rund zwei Drittel der 100 Befragten sagten, sie seien in großer Sorge um ihren Job. Und man muss sich ja fragen: Wenn sich selbst die Bundestrainer sorgen, wie geht es dann erst den vielen freiberuflichen Übungsleitern, von denen viele auf Honorarbasis tätig sind?

Denn die Situation ist keine schöne, das sieht man derzeit überall im Land: Hallen und Sportstätten sind geschlossen, der Sport pausiert unfreiwillig. Für etliche selbstständige Trainer, die ihren Beruf hauptamtlich ausüben, brechen sämtliche Aufträge weg, sagt Holger Hasse, der Präsident des BVTDS im Gespräch mit sportschau.de. "Es sind gerade viele Trainer in ihrer Existenz bedroht."

BVTDS-Präsident Holger Hasse (l.)

BVTDS-Präsident Holger Hasse (l.)

Und das ist nun wirklich eine unangenehme Gemengelage: Da trifft die Corona-Pandemie auf das Berufsbild Trainer, das mitunter ganz falsch wahrgenommen wird. Trainersein in Deutschland, das ist nämlich nur selten so luktrativ wie im reichen Fußball. Stattdessen sind da: Überstunden, Kettenverträge, zu wenig Geld für zu viel Arbeit. "Das muss man ganz klar sagen: Wir agieren im Sport in vielen Fällen nicht auf der Grundlage der Gesetzgebung", sagt Hasse.

Der DOSB und das Trainerkonzept

Beim BVTDS haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, auf diese Missstände hinzuweisen - gerade dort, wo Sport und Politik ineinanderfließen. Der Präsident Hasse glaubt, dass sein Verband auch nicht ganz unbeteiligt daran war, dass der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) Ende 2019 ein umfassendes Trainerkonzept vorgelegt hat. Drei Punkte daraus sind Hasse besonders wichtig:

  • Ein Vergütungssystem, das sich an den Tarifmodellen des öffentlichen Dienstes orientiert und einen Mindestverdienst gewährleistet.
  • Das Ende der sogenannten Kettenverträge: Verträge dürfen nur noch einmal befristet sein, in der Regel für zwei Jahre. Anschließend müssen sie entfristet werden. Im Teilzeit- und Befristungsgesetz ist das längst geregelt, doch in vielen Sportarten sind Kettenverträge noch immer üblich.
  • Ein Modell, das Arbeitszeit und damit auch Arbeitsschutz von Trainern regelt.

Youtube-Kanal statt Training in der Halle

Tischtennis-Trainer Krey wird von diesen Regelungen eher nicht profitieren, es ist das Leid des Freiberuflers. Gerettet hat ihn in der Coronakrise vielleicht eine Entscheidung, die er vor vielen Jahren getroffen hat: Dass er sich als Freiberufler nicht nur auf den reinen Trainerjob beschränken möchte. "Wenn ich nur die Arbeit bei den Vereinen gehabt hätte, wäre ich womöglich bald am Ende", sagt Krey.

Im Leben von Bernd Krey hat sich schon immer viel um Tischtennis gedreht, doch mit Zahlen kann er offensichtlich auch ganz gut. Einst hat er Bankkaufmann gelernt und später Betriebswirtschaft und Sportmanagement studiert, das kann nie schaden und ist aktuell sogar wirklich nützlich. Die Soforthilfe für Freiberufler hat Krey beantragt, das Geld ist schon auf seinem Konto. "Das hilft natürlich sehr", sagt er.

Mitte März, wenige Tage, nachdem die Politik den Lockdown für das ganze Land beschlossen hat, hat sich Krey dann Gedanken darüber gemacht, wie es weitergehen könnte. Er hat einen eigenen Youtube-Kanal gegründet und regelmäßig Videos hochgeladen. Es geht darin um tischtennisspezifische Technikübungen, aber auch um allgemeinere Themen, etwa die körperliche Fitness.

Es ist ein Anfang und der Versuch, Alternativen aufzuzeigen in Zeiten von Covid-19. Aber natürlich könne das auf Dauer kein Ersatz für ein Training in einer Halle sein, sagt Krey. Er hofft darauf, dass spätestens nach den Sommerferien wieder Tischtennis gespielt werden darf. Das Quietschen der Schuhe und der Sound des Sports, das Tic-Tac, Tic-Tac, Tic-Tac, Zack, das fehlt dann doch sehr.

Stand: 23.04.2020, 08:30

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