Pause für den Amateursport? Banger Blick nach Berlin

Angela Merkel mit Mund-Nasen-Schutz

Neue Corona-Maßnahmen

Pause für den Amateursport? Banger Blick nach Berlin

Von Chaled Nahar

Bundeskanzlerin Angela Merkel berät mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder über weitere Maßnahmen in der Coronakrise. Dem Amateur- und Freizeitsport droht laut einer Beschlussvorlage eine Pause von einigen Wochen.

Am Mittwoch (28.10.2020) lädt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Videokonferenz mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten. Im Gespräch sind verschärfte Maßnahmen, um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. "Klar ist: Es wird nicht einfach. Und klar ist: Es wird auch nicht schön", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder im Vorfeld.

Auch der Sport dürfte massiv betroffen sein: Das geht aus einem Entwurf der Beschlussvorlage des Bundes für die Video-Konferenz hervor, der der Sportschau vorliegt. Demnach sollen die Maßnahmen ab dem 4. November deutschlandweit in Kraft treten und bis Ende des Monats gelten. Nach Ablauf von zwei Wochen sollen Kanzlerin und Länderchefs die erreichten Ziele beurteilen und notwendige Anpassungen vornehmen.

Keine konkreten Aussagen über Profiligen

In der Beschlussvorlage werden eine Reihe von Einrichtungen und Institutionen der Freizeitgestaltung aufgezählt, die geschlossen werden sollen. Für den Bereich des Sports zählen dazu "der Freizeit- und Amateursportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen, Schwimm- und Spaßbäder" sowie "Fitnessstudios und ähnliche Einrichtungen". Über Spiele der Profiligen wird in dem Papier nichts Konkretes gesagt.

Noch ist es nur eine Vorlage, schon in den vergangenen Bund-Länder-Konferenzen wurde lange und kontrovers diskutiert. Aber die Gefahr steigt, dass der Sport zumindest im Amateur- und Freizeitbereich in den kommenden Wochen ruhen wird.

Anmerkung der Redaktion: Über die Beschlussvorvorlage berichtete die dpa in den frühen Morgenstunden des 28. Oktober. Der folgende Teil des Textes gibt den Stand von Dienstag (27.10.2020) wieder.

Dürfen weiter Zuschauer in die Stadien und Hallen?

In dieser Woche endet der Testbetrieb, der Mitte September vereinbart worden war. Bis zu 20 Prozent der Kapazitäten in den Hallen und Stadien dürfen genutzt werden, sofern die Sieben-Tage-Inzidenz unterhalb von 35 liegt. Wird diese Regelung verlängert oder nicht? Das Bundesland Berlin hat den Vorsitz der Ministerpräsidentenkonferenz übernommen. Auf Anfrage der Sportschau teilt die Senatskanzlei mit, dass die Entscheidung "unter Berücksichtigung der aktuellen Infektionslage und der Erfahrungen aus dem Probebetrieb erfolgt". Die Infektionslage ist bekanntlich schlecht, die Erfahrungen aus dem Probebetrieb sind dagegen gut.

Wie der Deutschlandfunk berichtet, sehen die Gesundheitsministerien der Länder keine Hinweise darauf, dass es bei Profi-Sportereignissen zu Infektionen gekommen ist. Derzeit ist das vor allem für den Fußball und den Handball relevant, die sich damit auf offenbar funktionierende Hygienekonzepte berufen können. Und das tun sie lautstark.

Eintracht Frankfurts Vorstandsmitglied Axel Hellmann sagte beispielsweise laut Sport-Informationsdienst, dass der Ausschluss von Fans "nicht verhältnismäßig" sei. Mit Blick auf die Hygienekonzepte sagte er: "Diese Konzepte wurden doch genau für Phasen, wie wir sie jetzt erleben, erarbeitet."

Was passiert bei einem Veranstaltungsverbot?

Sollte sich die Bund-Länder-Konferenz aber auf ein Veranstaltungsverbot einigen, könnte der Profisport wohl maximal im Geisterspielbetrieb fortgeführt werden. Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga, warnt vor gravierenden Folgen für die Klubs. "Ein, zwei Geisterspiele sind zu verkraften, danach geht es an die Substanz", sagte er laut Deutscher Presse-Agentur. "Auf Dauer ist das ein Modell, das nicht aufgeht." Ähnliche Töne gibt es bekanntlich aus dem Eishockey und aus dem Basketball.

Bislang konnten die 20 Prozent im Testbetrieb nur selten ausgeschöpft werden. Zu hoch war an vielen Standorten im Fußball und Handball die Sieben-Tage-Inzidenz. Laut Spiegel online planen zudem mehrere Bundesländer für den Notfall ein "schrittweises Herunterfahren des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens". Dass bei einem solchen Szenario der Besuch von Sportveranstaltungen überhaupt noch ein Thema bleibt, dürfte unwahrscheinlich sein.

Die Geisterspiele aber müssten als Notlösung bleiben, sagte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vergangene Woche im ZDF. "Wir brauchen zumindest diese Geisterspiele. Wenn wir die auch nicht mehr haben sollten, dann wird es ganz eng." Für den Fußball geht es vor allem um das Fernsehgeld.

Und wenn es zum Sport gar keine Einigung gibt?

Auch denkbar ist, dass angesichts von drängenden Themen wie Kinderbetreuung, Schulen, Pflege, Gesundheitssystem und der Wirtschaft im Allgemeinen die Frage nach Fans bei Sportveranstaltungen zeitlich gar nicht zur Sprache kommen kann. Möglicherweise findet sich in der Konferenz auch keine gemeinsame Linie.

In diesem Fall würde jedes Bundesland für sich neu festlegen müssen, ob es die Regeln aus dem Testbetrieb aufrechterhält oder verändert.

Coronavirus in Deutschland: 450.000 Infektionen, 10.000 Tote

In Deutschland wurden seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie laut Robert Koch-Institut mit Stand vom Dienstag (27.10.2020) fast 450.000 Infektionen gezählt. Mehr als 10.000 Menschen sind den Angaben zufolge an oder mit dem Virus gestorben.

Bei einer zu großen Verbreitung des Virus wird befürchtet, dass die Kapazitäten im Gesundheitssystem zur Behandlung von erkrankten Menschen nicht mehr ausreichen könnten. Seit Mitte Oktober hatte es in Deutschland bei den täglichen Neuinfektionen mehrfach Höchststände gegeben.

mit dpa | Stand: 28.10.2020, 08:49

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