Cheftrainer Daniel Farke beobachtet das Training seines Teams

Teamcheck Borussia Mönchengladbach "Fohlen" mit heißer Ware im Europapokalrennen

Stand: 18.01.2023 09:36 Uhr

Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach und Trainer Farke visieren den Europapokal an. Da soll es auch nicht stören, dass einige Leistungsträger heiße Ware auf dem Transfermarkt sind.

(Fast) alles neu am Niederrhein: Das war Borussia Mönchengladbachs Ausgangslage vor der Saison. Die Hoffnung war groß auf einen frischen Impuls des neuen Trainers Daniel Farke, dem Sportdirektor und Eberl-Nachfolger Roland Virkus eine schlagkräftige Truppe zusammengestellt, beziehungsweise zusammengehalten wurde. Letzteres war sogar die größere Leistung, denn Gladbachs Leistungsträger sind beliebt. Nach wie vor. Verkompliziert dies die Rückrunde oder gibt das sogar einen Schub?

Nicht nur Ko Itakura verletzt ausgebremst

Es war in Gladbach alles angerichtet für eine Spielzeit mit neuem Elan. Der für die Verantwortlichen schwer zu verdauende Rücktritt des Sportdirektors Max Eberl wegen Erschöpfung lag einige Monate zurück. Sein Nachfolger Roland Virkus, bislang für den Nachwuchs verantwortlich, bastelte umtriebing vor allem an der Erhaltung und nur punktuellen Verstärkung des Kaders.

Einer der wenigen Virkus-Neuzugänge schlug aber auch besonders ein: Ko Itakura. Der zuvor von Manchester City an Schalke verliehene Defensivmann überzeugte als Innenverteidiger und auch mal auf der Sechs, erhöhte die Gladbacher Stabilität, war gerade auf dem Weg zum Publikumsliebling – bis er von einer Innenbandverletzung Mitte September ausgebremst wurde.

Ein wenig hakte es in der Hinrunde durchaus bei der Borussia, Farke war zwar als Mensch bei den Fans bereits angekommen. Die sportliche Umsetzung seiner Idee des dominanten Ballbesitzfußballs war zeitweise dann aber doch eher ruckelig, so dass aus den ersten sechs Partien nur zwei Siege raussprangen. Gladbach ging die Konstanz ab. Sinnbildlich: das 1:5 gegen Werder Bremen und der 5:2-Sieg über den 1. FC Köln nur einen Spieltag später.

Erschwerend hinzu kamen zahlreiche Verletzungen: Neben Itakura auch Florian Neuhaus, Alassane Pléa und Nico Elvedi. Da kam Leihgabe Julian Weigl (Benfica Lissabon) gerade recht, um in der Zentrale eine Lücke zu schließen. "Er steht für klaren Ballbesitz und macht wenig Fehler. Jule ist aber auch in der Balleroberung clever", urteilte zuletzt Virkus. Letztlich trudelte Gladbach nach 15 Spieltagen auf Rang acht ein, von dem aus noch alles möglich ist im Europapokalrennen.

Unruhiger Transferwinter für Borussia Mönchengladbach

Es ist ein unruhiger Transferwinter für die Borussia und Virkus. Vor allem die im Sommer auslaufenden Verträge zahlreicher, teilweise heftig umworbener Spieler bereiten den Verantwortlichen Kopfschmerzen und erschweren die Vorbereitung.

Prominentester Fall: Yann Sommer. Der Poker mit Rekordmeister FC Bayern München, der Ersatz für den verletzten Manuel Neuer benötigt, zog sich über viele Wochen. Nun soll der Deal nach übereinstimmenden Medienberichten am Mittwoch (18.01.) aber durch sein. Auch, weil laut des Schweizer "Blick" die Borussia sich endlich mit Jonas Omlin (29), bisher Torhüter des HSC Montpellier, geeinigt haben soll.

Vertragsverlängerungen mit den Leistungsträgern Ramy Bensebaini und Marcus Thuram sind derweil ebenfalls schwierig bis ausgeschlossen. Die Spieler sind begehrt und würden nur in diesem Winter noch eine Ablöse einbringen. Fast am bittersten gestaltet sich die Situation des französischen Vizeweltmeisters Thuram. Der 25 Jahre alte Stürmer spielt in seinem letzten Vertragsjahr seine wohl beste Saison für die Borussia und weist den höchsten Marktwert aller Gladbacher Spieler auf.

Marcus Thuram (r.) von Borussia Mönchengladbach jubelt mit Teamkollege Jonas Hofmann

Marcus Thuram (r.) von Borussia Mönchengladbach jubelt mit Teamkollege Jonas Hofmann

Auch er würde die Borussia im Sommer ablösefrei verlassen, eine Vertragsverlängerung ist wohl ausgeschlossen. Ein Transfer noch im Winter könnte für die Borussia einen nicht unerheblichen Geldbetrag bedeuten, aber auch den Verlust eines Leistungsträgers. Zuletzt wurde Thuram mit dem FC Chelsea in Verbindung gebracht. Auch Bensebaini, der wie Thuram eine starke Saison spielt, steht vor seinem letzten halben Vertragsjahr und steht nach diversen Medienberichten vor einem Wechsel zu Borussia Dortmund.

Einen fixen Neuzugang hat die Borussia – abgesehen vom bevorstehenden Omlin-Wechseln – schon vermeldet: Rechtsverteidiger Simon Walde aus der eigenen Jugend wurde kurz nach dem Jahreswechsel mit einem Profivertrag ausgestattet. "Ich bin seit der U9 bei Borussia und komme hier aus der Umgebung. Wenn man hier durch das Stadion läuft, ist es immer der große Traum, hier irgendwann einen Profivertrag unterschreiben zu dürfen", sagte Walde bei seiner Vertragsunterschrift. "Dass das jetzt geklappt hat, ist ein unbeschreibliches Gefühl."

Neuer Trainer Farke: "Er tut uns gut"

"Ich kann sagen, dass wir jetzt in Daniel Farke einen Trainer haben, bei dem ich davon überzeugt bin, dass er eine lange Zeit bei uns bleibt", sagte unlängst Borussia-Geschäftsführer Stephan Schippers gegenüber der Rheinischen Post über den Gladbacher Trainer. Es mache Spaß zuzuschauen, wie er mit der Mannschaft umgehe und wie diese ihn aufgenommen habe, so Schippers weiter. "Er tut uns gut und passt zu tun."

Daniel Farke auf der vereinseigenen Pressekonferenz

Daniel Farke auf der vereinseigenen Pressekonferenz

Sorgen um seinen Job muss sich Farke also keine machen, selbst wenn der restliche Saisonverlauf nicht wie gewünscht laufen sollte. Farke selbst ist bei seiner ersten Bundesliga-Station als Trainer sehr glücklich am Niederrhein. "Es ist ein geiler Verein", schwärmt der 46-Jährige. Es sei ein "unglaublicher Klub mit großer Historie", der aber die Bodenständigkeit und "das Familiäre" behalten würde. "Da fühlt man, dass jeder möchte, dass der Verein erfolgreich ist. Man hat die Raute im Herzen. Wir sind ein sehr besonderer Verein", so Farke.

Es stimmt also zwischen Verein und Trainer. Der Grundstein für eine lange, harmonische Zusammenarbeit ist gelegt. Vorausgesetzt die sportliche Entwicklung entspricht den Erwartungen.

Der Blick geht nach Europa

Nach den ersten 15 Spieltagen steht die Borussia in der Tabelle ein wenig zwischen den Stühlen. Als Tabellenachter trennen den VfL derzeit fünf Punkte von den Top vier und acht Punkte vom Relegationsplatz. Der Blick nach oben und damit nach Europa liegt also näher als der nach unten. In einer Fan-Umfrage von "GladbachLive" glauben etwas mehr als die Hälfte der Anhänger (56 Prozent) an den Einzug in einen europäischen Wettbewerb, 40 Prozent halten dagegen einen Platz im Tabellenmittelfeld für realistischer.

Voraussetzung für einen Angriff auf die Europapokal-Plätze ist ein konkurrenzfähiger Kader. Und auch wenn Farke von einem "guten Konkurrenzkampf" unter vielen fitten Spielern spricht, wären die möglichen Abgänge einiger Leistungsträger eine herbe Schwächung. Erst mit Ablauf der Transferfrist Ende Januar wird der endgültige Kader für die zweite Saisonhälfte feststehen und die Diskussionen über Transfers aufhören. Bis dahin gilt es für Farke und Virkus, die Unruhe von Außen von der Mannschaft fernzuhalten, so dass einem erfolgreichen Auftakt gegen Bayer Leverkusen am 22. Januar nichts im Wege steht.