Daniel Thioune, Trainer von Fortuna Düsseldorf.

Teamcheck Düsseldorf Fortuna träumt noch vom Aufstieg

Stand: 17.01.2023 21:53 Uhr

Fortuna Düsseldorf hat im Aufstiegsrennen bereits sieben Punkte Rückstand auf Platz drei. Nachdem sich die Personallage entspannt hat, will der Klub in der Rückrunde noch einmal angreifen.

Unter Trainer Daniel Thioune hat sich Fortuna Düsseldorf wieder stabilisiert. Viele Verletzungen verhinderten bislang eine höhere Platzierung in der Tabelle. Doch in der Rückrunde wollen die Düsseldorfer noch einmal angreifen.

Viele Verletzungen und keine Konstanz

Die Vorfreude der Fortuna-Fans vor dieser Saison war groß. Nach der Entlassung von Trainer Christian Preußer hatte der neue Coach Daniel Thioune den Klub in der vergangenen Spielzeit in einem furiosen Schlussspurt mit sechs Siegen, sechs Unentschieden und nur einer Niederlage am letzten Spieltag nicht nur souverän zum Klassenerhalt geführt. Er schien auch endlich das Potenzial der Mannschaft, das ihr immer wieder bescheinigt wurde, entfesselt zu haben.

Angesichts von vielen Verletzungen - beispielsweise von Angreifer Daniel Ginczek oder dem eigentlichen Stamm-Innenverteidiger-Duo Andre Hoffmann und Jordy de Wijs - spielte die Fortuna dann eine ordentliche Hinrunde, war aber nicht konstant genug, um ganz oben mitzumischen. Gegen die Topteams der Liga, die zur Zeit die ersten drei Plätze belegen, zog Düsseldorf immer den Kürzeren: 1:2 beim 1. FC Heidenheim, 0:2 beim Hamburger SV und 0:1 beim SV Darmstadt.

Dazu kamen vermeidbare Niederlagen wie etwa am 3. Spieltag das 0:1 beim SV Sandhausen, bei der die Rot-Weißen die Durchschlagskraft und Kreativität in der Offensive vermissen ließen. Oder das 0:1 gegen den 1. FC Nürnberg, bei dem Thiounes Serie von zwölf Düsseldorfer Heimspielen ohne Niederlage riss und das erneut Probleme gegen tief stehende Gegner offenbarte.

Besonders weh taten die zwei Niederlagen bei Hannover 96 (0:2) und gegen den Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern (1:2) am Ende der Hinrunde, was Düsseldorf auf Platz sieben zurückwarf und den Rückstand auf Relegationsplatz drei auf sieben Punkte anwachsen ließ. Im DFB-Pokal erreichte der Klub mit zwei souveränen Siegen in Offenbach (4:1) und Regensburg (3:0) das Achtelfinale, wo der 1. FC Nürnberg wartet.

"Häufig war es leider so, dass wir keine Möglichkeit hatten, durch Wechsel und Systemanpassungen Spiele zu drehen. Was sicherlich auch unmittelbar mit unserer enormen Verletztenmisere zusammenhängt", sagte Trainer Thioune. "Uns fehlte einfach Power". 84 Spieltagsausfälle verzeichnete Düsseldorf - die Top-Teams HSV und Darmstadt (je 62) sowie Heidenheim (17) hatten deutlich weniger.

Ampomah auf Streichliste ganz oben

Mit den festen Verpflichtungen der Leihspieler Jordy de Wijs und Ao Tanaka hat Fortuna für ihre Verhältnisse im Sommer viel Geld ausgegeben, ein großes Budget für mögliche Neuzugänge im Januar gibt es nicht. "Wir werden mögliche Zugänge ganz genau abwägen müssen – auch im Hinblick auf mögliche Abgänge", sagte Vorstandschef Alexander Jobst. Mit anderen Worten: Erst müssten Spieler den Klub verlassen.

Nana Ampomah.

Nana Ampomah.

Ganz oben auf der Fortuna-Streichliste steht Nana Ampomah. Nach einer Leihe war der Flügelstürmer im Sommer von Royal Antwerpen zurückgekehrt, wo er zuletzt auch keine Rolle mehr gespielt hatte und der Klub nicht bereit war, zu einem erschwinglichen Preis die Kaufoption zu ziehen. Als Ampomah beim vereinbarten Trainingsauftakt zudem noch im Urlaub in Ghana weilte, nahm Trainer Thioune ihn nicht mit ins Winter-Trainingslager. Unter Thioune hat er keine einzige Minute gespielt, der Vertrag des 27-Jährigen läuft in diesem Sommer aus.

Zudem würde Fortuna gerne auch die Leihe von Kwadwo Baah, der vor der Saison vom FC Watford gekommen war, vorzeitig beenden. Der 19 Jahre Flügelspieler stand bei den Profis insgesamt nur 62 Minuten bei Kurzeinsätzen auf dem Platz und konnte sich nicht durchsetzen. Allerdings zog sich Baah zuletzt einen Muskelfaserriss zu.

Gerade auf den Flügeln würde Düsseldorf gerne noch einmal nachlegen. Denn neben Ampomah und Baah, die sportlich keine Rolle mehr spielen, konnten auch Felix Klaus, Kristoffer Peterson und Emmanuel Iyoha nur streckenweise überzeugen.

Falls es nicht gelänge, Ampomah und Baah von der Gehaltsliste zu streichen, könnte der Klub noch über den Verkauf eines etablierten Spielers nachdenken - wie etwa bei Abwehrspieler Christoph Klarer, der nach den Ausfällen von Hoffmann und de Wijs oft starke Leistungen zeigte und an dem Bundesligist Mainz interessiert sein soll.

50 Punkte aus 30 Partien unter Thioune

Daniel Thioune.

Daniel Thioune.

Daniel Thioune hat Fortuna Düsseldorf zurück in die Spur gebracht. Mit nur einer Niederlage in 13 Partien bewahrte der 48-Jährige den Klub in der Vorsaison vor dem Abstieg und weckte bei seinen Spielern neues Vertrauen in ihre Fähigkeiten. Insgesamt holte das Team unter seiner Führung 50 Punkte aus 30 Partien, was einem Punkteschnitt von 1,7 entspricht.

Thioune gilt als kommunikativ, kommt mit seiner lockeren Art gut bei den Fans an und verfolgt ehrgeizige Ziele. "Ich mache keinen Hehl daraus: Ich bin gerne hier, ich würde auch gerne langfristig hierbleiben, wenn die Voraussetzungen so sind, dass man sich irgendwann auch Träume erfüllen kann", sagte der Coach mit Blick auf einen möglichen Aufstieg.

"Er ist selbstbewusst, ohne das Rad zu überdrehen. Ohne arrogant zu werden. Er kommt über den Inhalt, ohne zu theoretisch zu werden. Er findet die Sprache, die Spieler und Öffentlichkeit verstehen", sagte Sportvorstand Klaus Allofs der "Rheinischen Post". "Einen Augenblick später wird er komplett emotional und holt sie über Gefühle ab. Das ist ein guter Mix. Wir haben einen Trainer, der auch als Trainer eine Perspektive hat."

Kein klares Saisonziel

In Düsseldorf haben die Verantwortlichen kein klares Saisonziel ausgegeben, man will "so lange wie möglich oben mitspielen". Ob es in dieser Saison noch zu einem Aufstiegsplatz reichen wird, ist angesichts eines Sieben-Punkte-Rückstands auf Platz drei fraglich - aber nicht unmöglich. "In dieser Liga ist alles möglich", sagt Trainer Thioune. "Wir werden recht schnell sehen, was noch gehen wird".

Wieder fit: Andre Hoffmann (l.) und Jordy de Wijs.

Wieder fit: Andre Hoffmann (l.) und Jordy de Wijs.

Nach einer Hinrunde mit viel Verletzungspech kann der Coach wieder auf einen breiteren Kader zurückgreifen. Mit Hoffmann und de Wijs sind die wichtigsten Innenverteidiger wieder fit, auch Angreifer Ginczek steht nach seinem Sehnenriss wieder zur Verfügung und kann eine wichtige Rolle spielen.

Um noch ernsthaft oben mitspielen zu können, müsste die Fortuna einen guten Start aus der Winterpause erwischen und einen Schnitt von mehr als zwei Punkten erreichen. Für den Fall, dass es nicht reichen sollte, sagte Thioune: "Wenn es etwa ein sehr unglücklicher vierter Platz wird, dann muss man diesen auch in Relation zur letzten Saison setzen. Dann ist Platz vier vielleicht ein sehr gutes Ergebnis."