Die Fankurve von Malmö FF. / imago images/Bildbyran

Der schwedische Rekordmeister im Porträt Was Sie über Unions Europa-League-Gegner Malmö FF wissen sollten

Stand: 04.10.2022 13:01 Uhr

Nach zwei Niederlagen steht der 1. FC Union im Europapokal bei Malmö FF unter Druck. Es wartet ein Gegner, der auch international erfolgreich ist - und dessen Fans immer wieder für Schlagzeilen sorgen. Von Till Oppermann

Europapokalfinale

In der Enttäuschung über Unions zweite Europapokal-Niederlage in Serie benutzte Trainer Urs Fischer nach dem Spiel gegen Sporting Braga eine Metapher, mit der viele im Verein schon vor einem Jahr die verpatzte Gruppenphase in der Conference League zu erklären versuchten: "Wir haben Lehrgeld gezahlt." Die sonst so abgezockten Eisernen spielen international mit weniger Ruhe und Klugheit als gewohnt. Sollte das auf fehlende Erfahrung zurückzuführen sein, folgt nun eine schlechte Nachricht.
 
Malmö FF ist Dauergast im europäischen Wettbewerb. In den vergangenen zehn Saisons gelang den Schweden je dreimal die Qualifikation für die Gruppenphase der Champions League und der Europa League. Siege gab es dabei unter anderem gegen Besiktas, die Glasgow Rangers, Celtic Glasgow und Shakhtar Donezk. Historisch gesehen ist Malmö international obendrein der erfolgreichste Klub Skandinaviens: 1979 erreichte man das Finale des Landesmeisterpokals (heute Champions League) und verlor nur knapp 0:1 gegen Nottingham Forest.

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Rekordmeister und Pokalsieger

Noch erfolgreicher sind die Himmelblauen in ihrer Heimat. Mit 15 Pokalsiegen und 22 Meisterschaften ist Malmö FF sowohl Rekordpokalsieger als auch Rekordmeister. Wegen der Liga-Titel darf Malmö als einziges schwedisches Team zwei Sterne über dem Wappen tragen. Standesgemäß würden wohl die meisten Fans des Vereins sagen, immerhin steht ihre Mannschaft auch an der Spitze des ewigen Klassements der schwedischen Liga, das den schönen Namen "maratontabellen" trägt.
 
Das schwedische Sportmagazin "Offside" krönte MFF zum einhundertjährigen Vereinsjubiläum im Jahr 2010 zum größten Verein der schwedischen Fußballgeschichte. Wie nach einer selbsterfüllenden Prophezeiung feiern die Südschweden seither Erfolg um Erfolg. Sieben der 22 Meisterschaften gewann Malmö seit 2010, in den 20 Jahren davor gelang nur ein einziger Titel.

Hass auf das bekannteste Eigengewächs

Ende der 1990er-Jahre stiegen die stolzen Malmöer sogar in die zweite Liga ab. Nur gut, dass ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt in der Jugendabteilung des Vereins das größte Juwel des schwedischen Fußballs heranreifte. Zlatan Ibrahimovic erzielte mit 19 Jahren zwölf Tore in der zweiten Liga und trug damit zum sofortigen Wiederaufstieg bei. Bald darauf verkaufte MFF seinen Star für die bis heute gültige Rekordsumme von 7,8 Millionen Euro an Ajax Amsterdam. Der Sohn bosnischer Einwanderer reifte zu einem der besten Stürmer der Welt, erzielte über 500 Tore für seine Klubs, ist mit 62 Treffern Rekordtorschütze der Nationalmannschaft und wurde insgesamt zwölfmal schwedischer Fußballer des Jahres.
 
Als der Fußballverband eine dreieinhalb Meter große Statue stiftete, die MFF vor dem Elenda Stadion aufstellte, sagte Ibrahimovic selbstbewusst: "Wenn man nach Schweden kommt, will man diese Statue sehen - nicht die des Königs." Doch seine Freude währte nicht lang. Nachdem der Stürmer im November 2019 Anteile des Stockholmer Klubs Hammarby kaufte, reagierten die Fans aus seiner Heimatstadt ungehalten. Sie besprühten die Statue mit Farbe, bewarfen sie mit Rauchfackeln, schmierten eine rassistische Parole auf den Boden, hängen eine Klobrille über Ibrahimovics bronzenen Arm, schnitten der Statue Nase und Zehen ab und fällten das Denkmal im Januar schließlich endgültig, indem sie es über den Füßen absägten.

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Es drohen Krawalle

Generell ist die schwedische Ultraszene für ihr hohes Gewaltpotenzial bekannt. Erst am Wochenende kam es nach Malmös Heimspiel gegen Hammarby noch im Stadion zu Ausschreitungen. Nach dem Spiel hatten sich einige Malmö-Fans über die Tribüne auf den Weg in Richtung Gästeblock gemacht, dort wurden sie von den Stockholmer Gästen mit fliegenden Bengalos begrüßt. "Es ist idiotisch", schimpfte Flügelspieler Jo Inge Berget danach. Sicherheitschef Peter Narbe erklärte: "Die Herausforderung war, dass Gästefans auch in den Ecken neben dem Block Karten hatten."
 
Das erklärt Malmös Entscheidung, in der Europa League nur die vorgeschriebenen 1.025 Gästekarten an Unions reisefreudige Anhänger zu verkaufen. Allerdings ist es nicht unwahrscheinlich, dass es rund um das Spiel trotzdem zu Krawallen kommt. Die Union-Ultras mobilisieren: "Alle nach Malmö - auch ohne Karte". Gleichzeitig sollen auch einige Anhänger des Stadtrivalen Hertha BSC nach Schweden reisen. Sie verbindet eine Freundschaft mit den Ultras der Gastgeber.

Regionalpatrioten

Eine der Ultragruppen bei Malmö FF heißt Rex Scania. Dieser Name bezieht sich auf den lateinischen Namen südschwedischen Region Schonen, die bis ins 17. Jahrhundert zu Dänemark gehörte. In Malmö begann die dänische Reformation, auch die erste dänischsprachige Bibel wurde hier gedruckt.
 
Heute trennt nur der Öresund Malmö von der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Zwar ist die Stadt nunmehr seit 1658 schwedisch, aber bis heute weist die Sprache der Einwohner Merkmale des Dänischen auf. Die Fans von MFF pflegen ihre Eigenheit, der Rotmilan als Wappentier der Provinz taucht in der Kurve auf Bannern auf. Mittlerweile ziert er sogar den Nacken der Trikots des Rekordmeisters.

Sendung: rbb24, 04.10.2022, 18 Uhr