Handball Pokalsieger! THW Kiel ringt beim Final Four Magdeburg nieder

Stand: 25.04.2022 11:46 Uhr

Der THW Kiel hat am Sonntag den SC Magdeburg in einem packenden Finale mit 28:21 (12:13) bezwungen und dank einer Machtdemonstration im zweiten Durchgang zum zwölften Mal den DHB-Pokal gewonnen. Nach 28 Jahren verabschiedet sich das Final Four aus Hamburg und zieht nach Köln um.

Von Bettina Lenner

Filip Jicha schrie seine Freude und die Genugtuung über seinen ersten Pokalsieg als Trainer des THW Kiel laut heraus und präsentierte im Konfetti-Regen glücklich die silberne Trophäe. "Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft, wie sie es umgesetzt hat", sagte er nach dem überzeugenden Sieg gegen den Ligaprimus und gab im Ersten zu, "ein bisschen sauer" gewesen zu sein, "weil man uns für die Außenseiter gehalten hat".

Jichas Stars um den überragenden Keeper Niklas Landin (42 Prozent gehaltene Bälle) feierten die Kieler Rückkehr auf den deutschen Pokal-Thron unterdessen mit einer wilden Hallenparty mit den THW-Fans. "Es ist ein enorm schönes Gefühl", sagte Kreisläufer Patrick Wiencek: "Wir haben den Pokal wieder nach Kiel geholt. Darum ging es."

Es geht auch ums Prestige

Das Traumfinale zwischen den beiden derzeit besten deutschen Handball-Teams hatte vor mit 13.200 Zuschauern ausverkaufter Kulisse gehalten, was es vom Papier her versprochen hatte: Es entwickelte sich von Beginn an eine intensive Partie, in der die Abwehrreihen dominierten. Die verbissenen Zweikämpfe bewiesen: Es ging auch ums Prestige, um die Rolle als Nummer eins in Deutschland. Da wollte keine Mannschaft zurückstecken.

Niclas Ekberg sorgte in der achten Minute mit einem verwandelten Siebenmeter für die erste Führung (3:2) der Schleswig-Holsteiner, die über weite Strecken auf den siebten Feldspieler setzten und zudem entschlossener als tags zuvor beim mühsamen 28:26-Halbfinalsieg gegen Titelverteidiger TBV Lemgo Lippe zu Werke gingen.

Die starke Kieler Anfangsphase zeigte Wirkung beim Bundesliga-Tabellenführer, der zwar in der Defensive überzeugte, im Angriff aber nicht. Magdeburg musste sich jeden Treffer hart erarbeiten, es fehlte an Dynamik und Ideen, um das THW-Abwehrbollwerk und Landin zu überwinden. Nach einer Viertelstunde lag der deutsche Rekordmeister mit 6:4, nach 20 Minuten mit 9:6 vorn.

Magdeburg nach Auszeit mit 5:0-Lauf

SCM-Trainer Bennet Wiegert hatte genug gesehen und nahm eine Auszeit, lobte die Defensivarbeit, mahnte zur Ruhe und machte dem Angriff - sonst das Prunkstück im Spiel des Meisterschaftsanwärters - dennoch Beine. Mit Erfolg. Plötzlich zeigte der Klassenprimus überzeugenden Tempohandball und es folgte ein 5:0-Lauf der Sachsen-Anhaltiner, die das 6:9 auf ein 11:9 (26.) drehten.

THW Kiel - SC Magdeburg 28:21 (12:13)

Tore Kiel: Sagosen (8), Pekeler (6), Ekberg (4/2), Dahmke (2), Weinhold (2), Zarabec (2), Duvnjak (1), Jacobsen (1), Reinkind (1), Wiencek (1)
Tore Magdeburg: Magnusson (7/2), Pettersson (4), Weber (4), Jensen (2), Chrapkowski (1), Gullerud (1), Kristjansson (1), Mertens (1)
Zuschauer: 13.200

Eine Wende, aber keine vorentscheidende. Denn es blieb spannend - und der THW dran. Trotz doppelter Unterzahl gelang Rückraum-Ass Sander Sagosen der Ausgleich zum 12:12 (28.) für den Rekordchampion, der sich insgesamt mehr Strafen einhandelte als die Kontrahenten. Mit ein Grund dafür, warum Magdeburg zur Pause beim 13:12 im hitzigen Pokalfight knapp die Nase vorn hatte.

Dem THW gehört die Schlussphase

Auch in der zweiten Hälfte setzte sich die Abwehrschlacht zunächst fort. Beide Mannschaften machten Tempo, suchten die Lücke: 17:17 nach 40 Minuten. Kurz darauf erzielte erst Steffen Weinhold das 18:17 - die erste Kieler Führung seit dem 9:8 (22.) - und dann Sagosen das 19:17 (43.). Beim 22:19 (50.) durch einen sehenswerten Dreher von Kreisläufer Hendrik Pekeler lag der Triumph der "Zebras", die nun kaum noch Fehler machten, bereits in der Luft.

Sieben Minuten vor Schluss betrug der Vorsprung schon vier Treffer (24:20). Nicht zuletzt ein Verdienst von Landin, der im Kieler Tor reihenweise Glanztaten vollbrachte und im Finale insgesamt 18 Paraden verbuchte. Überhaupt die Abwehrleistung: Nur acht Gegentore kassierte Kiel im zweiten Abschnitt. Landin wurde nach dem Spiel als wertvollster Spieler des Turniers geehrt.

"Die Abwehrleistung war Wahnsinn. Die Jungs waren so heiß."
— THW-Trainer Filip Jicha

Am Ende wurde es sogar richtig deutlich, weil die Schleswig-Holsteiner brannten und den enttäuschten Magdeburgern nur noch wenig gelang. Die 1.200 Kieler Fans in der Halle feierten frenetisch - wie auch das Team unten auf dem Parkett. "Wir wollten alles reinhauen. Ich bin überglücklich", sagte Jicha. "Wir sagen 'Tschüs Hamburg' und verabschieden uns mit einem super Gefühl."

Gislason: Hat riesigen Spaß in Hamburg gemacht

Das Final Four um den Pokal wurde nach 28 Jahren zum letzten Mal in Hamburg ausgetragen, ab dem kommenden Jahr wird die Endrunde in Köln gespielt. "Das war immer eine großartige Veranstaltung, es hat riesigen Spaß gemacht hier", sagte Bundestrainer Alfred Gislason, der selbst als Coach sechsmal mit dem THW in der Hansestadt triumphiert hat.

"Die beiden Tage waren ein perfekter Abschluss für tolle Jahrzehnte in Hamburg", bilanzierte Liga-Geschäftsführer Frank Bohmann: "Wir haben mal wieder drei großartige Spiele und eine atemberaubende Atmosphäre erlebt. Natürlich ist bei so einem Abschied auch ein weinendes Auge dabei, aber wir freuen uns nun auf Köln."

Dort fasst die Halle 18.000 Zuschauer. "Das bietet ganz andere Möglichkeiten", sagte HBL-Präsident Uwe Schwenker der "Handballwoche". Die Aussicht und Erwartung auf deutlich höhere Einnahmen sei "sicher nachvollziehbar".

Dieses Thema im Programm:
Sportschau | 24.04.2022 | 13:15 Uhr