Martin Hinteregger Eintracht Frankfurt

Vorwürfe gegen Eintracht-Verteidiger Hinteregger distanziert sich von rechtsextremem Geschäftspartner

Stand: 09.06.2022 23:25 Uhr

Frankfurts Martin Hinteregger arbeitete bei der Organisation eines Hobby-Fußballturniers offenbar mit einem in Österreich bekannten Rechten zusammen. Hinteregger hat sich mittlerweile geäußert.

Es sollte eigentlich ein gemütliches kleines Fußballfest für Fans und Freunde werden: Der Hinti-Cup im österreichischen Sirnitz, mit Livebands und Fußballturnier, ausgerichtet von Eintracht-Verteidiger Martin Hinteregger. "Wir feiern vom 16. bis 19. Juni 2022 in Sirnitz meine 2 Welten, meine 2 Herzen und verbringen alle gemeinsam ein lässiges und noch nie dagewesenes Wochenende im Zeichen des Fußballs, der geilsten Musik sowie der länderübergreifenden Verbundenheit", schreibt Hinteregger auf der Homepage der Veranstaltung.

Sonderlich lässig wird das Wochenende in Hintereggers Heimat nun wohl nicht, vielmehr bringt der Hinti-Cup Hinteregger den nächsten Ärger ein. Denn wie Recherchen des österreichischen Journalisten Michael Bonvalot zeigen, hat Hinteregger bei der Organisation des Cups einen unappetitlichen Geschäftspartner: den ebenfalls aus Sirnitz stammenden Heinrich Sickl, den Bonvalot als "überaus bekanntes Gesicht der österreichischen Rechtsaußen-Szene" beschreibt.

Hinteregger beendet Geschäftsbeziehung

Am Donnerstagnachmittag verkündete Hinteregger auf Instagram, die Geschäftsbeziehung abzubrechen, und distanzierte sich klar von rechtem Gedankengut. Er habe, so Hinteregger weiter, durch seine Zeit im Profifußball und auch privat Freunde auf der ganzen Welt, und weise daher "Anschuldigungen, dass ich rechts orientiert bin", klar von sich.

Auch sein Verein erklärte am Donnerstagabend in einer Stellungnahme: "Eintracht Frankfurt hat keine Zweifel daran, dass Martin Hinteregger zwar ein heimatverbundener, aber eben auch ein weltoffener und toleranter Charakter ist, dem Diskriminierung fremd ist."

Die Eintracht betonte, keine Kenntnis von der Geschäftsbeziehung gehabt zu haben und am Hinti-Cup nicht beteiligt gewesen zu sein. "Die nun zu Tage getretene geschäftliche und gesellschaftsrechtliche Nähe zu einem Vertreter des rechten politischen Spektrums in Österreich verlangt eine klare Distanzierung", so der Klub. Den Spieler selbst konnte die Eintracht nicht erreichen, sondern nur mit dessen Berater sprechen.

Ein Blick in die Vergangenheit von Hintereggers (vormaligem) Geschäftspartner verdeutlicht die Schwere des Falls: Sickl soll Berichten zufolge bereits in seiner Jugend Verbindungen ins extrem rechte Milieu gehabt haben. In den vergangenen Jahren zeigte er sich demnach als Unterstützer der neurechten Identitären Bewegung, soll unter anderem bei Aufmärschen im Ordnungsdienst mitgearbeitet, der Gruppe Räumlichkeiten vermietet und auch Geld gespendet haben.

Gründer der "Hinti Event GmbH"

Auch soll Sickl als Vorsitzender des "Freiheitlichen Akademikerverbands" gemeinsam mit dem rechtsextremen "Institut für Staatspolitik" von Götz Kubitschek, einer zentralen Figur der Neuen Rechten, Veranstaltungen organisiert haben.

Hinteregger erklärte am Donnerstag, er habe keine Kenntnisse "über vergangene oder zukünftige Aktivitäten" seitens der Familie Sickl und wolle lediglich ein Fußballturnier stattfinden lassen und mehr nicht. Doch Geschäftspartner waren Sickl und Hinteregger allemal. Laut Registerauszug, der dem Journalist Bonvalot und der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, gründeten Hinteregger, Sickl und eine Gastronomin die "Hinti Event GmbH" als drei gleichberechtigte Gesellschafter, die jeweils 12.000 Euro einbrachten. Zudem war Sickl auf der Website des Cups bis zum Donnerstagmorgen als Pressekontakt angegeben, wurde dann aber ersetzt.

Hinti Cup soll trotzdem stattfinden

Außerdem sollten auf dem Schloss seiner Familie diverse Konzerte im Rahmen des Cups stattfinden. Besitzerin des Schlosses ist Sickls Mutter Elisabeth, ehemalige Bundesministerin der rechtspopulistischen FPÖ. Bonvalot weist darauf hin, dass Sirnitz weniger als 300 Einwohner habe. "Es ist eher unwahrscheinlich, dass Hinteregger nicht mindestens eine Ahnung davon hat, mit wem er da zusammenarbeitet", so der Journalist Bonvalot.

Eine Absage des Turniers und der Feier in Sirnitz gibt es bislang noch nicht. "Die Veranstaltung 'Hinti-Cup' wird alternativ geprüft, um eine weitere Vorgehensweise zu klären", schrieb Hinteregger. In einer Mitteilung an die Teilnehmer des Hinti Cups hieß es am Donnerstag, dass das Turnier und das Rahmenprogramm wie geplant stattfinden würden. Die Planung des Festi:balls rund um das Turnier werde am Donnerstagabend in Sirnitz besprochen, hieß es.

Sickl zieht sich aus Organisation zurück

Von Sickl gab es auf Nachfrage des hr-sport kein Statement. Gegenüber der Bild-Zeitung sagte er: "Ich weise als Mensch, wie auch als politisch aktiver Bürger die Hetze gegen meine Person auf das Schärfste zurück." Er ziehe sich aus der Organisation des Cups vollständig zurück, "um Schaden abzuwenden, der von Hetzern angerichtet wird", so Sickl.

Hinteregger: Geschäfte mit einem Rechtsextremen?

Eintracht Frankfurt betonte im Hinblick auf das Turnier, dass es "keine Kompromisse geben" könne, "insbesondere auch nicht auf dem Rücken der Fans, die (...) jetzt wohlmöglich Gefahr laufen, durch ihre bloße Teilnahme unfreiwillig in eine Haltungsdebatte gezogen zu werden."