Fußball Beben beim FC Augsburg: Reuter muss den Klub neu aufstellen

Stand: 16.05.2022 00:25 Uhr

Präsident weg, Trainer Weinzierl weg - es ist ein kleines Beben, das der FC Augsburg in diesen Tagen erlebt. Inwieweit die Abgänge mit Geschäftsführer Stefan Reuter zu tun haben, bleibt vage. Der muss aber nun die Weichen für die Zukunft stellen.

Von BR24 Sport

Erst Klaus Hofmann, dann Markus Weinzierl: Die Rücktritte des Präsidenten und des Trainers innerhalb von nur 24 Stunden haben den FC Augsburg schwer erschüttert. Die scheinbar heile Welt der Schwaben hat trotz des erneuten Klassenerhalts tiefe Risse bekommen. Weinzierl deutete ein zerrüttetes Verhältnis zu Manager Stefan Reuter an. Der Weltmeister von 1990 soll auch Differenzen mit Hofmann gehabt haben.

Weinzierl hatte auf jeden Fall keine Lust mehr auf einen Machtkampf. Es habe bisher noch keine Gespräche mit dem FCA gegeben, "und ich werde auch keine mehr führen", sagte Weinzierl unmittelbar nach dem 2:1 (1:1) zum Saisonabschluss gegen Absteiger SpVgg Greuther Fürth.

Das Pikante: Reuter wusste zu diesem Zeitpunkt noch nichts von Weinzierls Entscheidung: "Ich habe ihn noch nicht informiert, aber er wird es jetzt schon mitbekommen. Ich finde einfach, wenn am letzten Spieltag noch kein Gespräch geführt worden ist, dann ist das ein klares Zeichen."

Augsburgs Ex-Trainer Markus Weinzierl

Weinzierls Abschied überraschte Reuter

Kein guter Stil des Trainers? Der findet, auch Reuter habe dadurch, dass er so lange kein Gespräch mit ihm geführt habe, nicht gerade große Wertschätzung gezeigt. Es habe "die Basis gefehlt", so der 47-Jährige. " Ich bin zur Erkenntnis gekommen, dass es das Beste für mich ist".

Der Schlag von Weinzierl saß, Reuter wurde von der Nachricht "überrascht". Man habe sich für kommende Woche eigentlich zu einer Analyse verabredet. "Aber Markus hat das so entschieden. Das gilt es zu akzeptieren. Wir sind stabil aufgestellt und werden eine gute Lösung finden", sagte Reuter.

"Für mich ist es schon überraschend, dass er das direkt nach dem Spiel verkündet. Wir hatten einen Sieg und die Stimmung im Stadion war sehr positiv und die Fans haben gefeiert. Ich hätte mir gewünscht, dass wir nächste Woche sprechen und uns dann in aller Ruhe besprechen und unterschiedliche Sichtweisen austauschen." FCA-Sport-Geschäftsführer Stefan Reuter

FC-Augsburg-Sportdirektor Stefan Reuter

Erste Gespräche mit Trainern - zerrüttetes Verhältnis Reuter - Hofmann?

Stabil aufgestellt? Immerhin stehen die Schwaben derzeit ohne Präsident und Trainer da. Nach Sport-Bild-Informationen sollen schon erste Gespräche mit Enrico Maaßen, Trainer von Borussia Dortmund II, stattgefunden haben.

Reuter wird gemeinsam mit Finanzchef Michael Ströll in nächster Zeit viel zu tun bekommen. Der Druck auf den Geschäftsführer Sport steigt, nachdem bereits am Freitag der mächtige FCA-Präsident Hofmann aus "gesundheitlichen Gründen"» zurückgetreten war. Es ist wohl nur die halbe Wahrheit: Auch das Verhältnis zwischen Hofmann und Reuter galt zuletzt als stark belastet. Im vergangenen Herbst soll Hofmann sogar eine Entlassung von Reuter erwogen haben, berichtet der kicker.

Weinzierl sucht sein Glück woanders

Weinzierl war im April 2021 zum FCA zurückgekehrt. Dort hatte er von 2012 bis 2016 schon einmal gearbeitet und den FCA sogar nach Europa geführt. Doch die Fortsetzung einer derartigen "Erfolgsgeschichte" sei unter den aktuellen Umständen nicht möglich, betonte Weinzierl.

Es gehe um das "Gesamtkonstrukt. Ich brauche ein gutes Gefühl". Dass er dies nicht mehr hatte, musste der Niederbayer gar nicht erst anfügen. Er sei glücklich, dass er sich mit einem Sieg verabschiedet habe: Er habe mit dem FCA "sechsmal die Liga gehalten. Ich gehe aufrecht und stolz nach Hause".

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Quelle: Blickpunkt Sport 15.05.2022 - 21:45 Uhr