US Sport - Von voller Hütte bis leere Halle

Zuschauer beim Opening Day im Dodger Stadium in Los Angeles

US-Sport ein Jahr nach Corona

US Sport - Von voller Hütte bis leere Halle

Von Heiko Oldörp

Die Corona-Pandemie hat Nordamerikas Profiligen hart getroffen. Vor allem durch fehlende Zuschauer gab es Milliarden-Verluste. Nun dürfen Fans allmählich zurück. Allerdings nicht überall.

Als Moderator Mike Tirico am Donnerstag (11.03.2021) die Zuschauer des Golf Channel zur Live-Übertragung der ersten Runde der Players Championship aus Ponte Vedra Beach in Florida begrüßte, blickte er umgehend noch mal zurück. "Die erste Runde der Players vor genau einem Jahr war das letzte Sportevent, bevor Amerika zum Stillstand kam", betonte er.

Am 12. März 2020 startete das wichtigste Golfturnier nach den vier Majors - trotz der Nachrichten, die über Nacht aus der Basketball-Liga NBA gekommen waren. Die hatte ihren Spielbetrieb am Abend zuvor bis auf weiteres eingestellt, als bekanntgeworden war, dass ein Coronatest bei Rudy Gobert von den Utah Jazz positiv ausgefallen war.

Golf ignorierte Corona einfach

Die Eishockey-Liga NHL, die Major League Soccer und die Major League Baseball schlossen sich der NBA an. In Ponte Vedra Beach hingegen spielte die Golf-Elite vor tausenden Fans ihre erste Runde, als gäbe es weder das Virus noch die Reaktionen der anderen Ligen darauf.

"Wir waren überzeugt, dass wir das Turnier über die Runden bringen würden", erinnert sich Jay Moynahan, Commissioner der PGA-Tour. Doch die Aktualität holte ihn schneller ein als gedacht. Die Auftaktrunde konnte nicht beendet werden. Der Profisport in Nordamerika stand am späten Nachmittag des 12. März 2020 endgültig still.

Ein Jahr später sind sie zurück auf dem TPC Sawgrass - die Spieler und auch 20 Prozent der Fans. Auch in anderen Ligen sind Zuschauer bereits erlaubt oder dürfen demnächst wieder in die Arenen.

Basketball: Bis Ende März spielen 20 von 30 NBA-Klubs vor Fans

In der NBA spielen mit unter anderem Dallas und Miami 14 der 30 Teams aktuell bereits vor Zuschauern. Die San Antonio Spurs kommen am Freitag als 15. Verein hinzu. Es folgen Charlotte (13. März), Philadelphia (14.), Detroit (17.), Toronto (19. in Tampa, wo Verein diese Saison seine Heimspiele austrägt) und Boston (22.). Ende März spielen somit 20 von 30 Teams wieder vor Zuschauern. Die Zuschauer-Kapazitäten der Teams liegen zwischen zehn und 15 Prozent - das macht rund 3.000 Zuschauer.

Die Pandemie macht sich wirtschaftlich bemerkbar: In dieser von 82 auf 72 Partien verkürzten Spielzeit erwartet die NBA einen Verlust von vier Milliarden Dollar. Laut ESPN.com sanken die Einnahmen in der Vorsaison bereits um 1,5 Milliarden Dollar.

In die Zukunft blickt man positiv: Commissioner Adam Silver zeigt sich "ziemlich optimistisch", dass die kommende Saison pünktlich beginnen werde. Auch hinsichtlich der Fans ist er zuversichtlich: "Wenn die Impfungen in dem aktuellen Tempo weitergehen und auch weiterhin so effektiv gegen das Virus und dessen Mutationen sind, sind wir erwartungsvoll, relativ volle Arenen in der neuen Saison zu haben.

Eishockey: Zwei-Klassen-Gesellschaft NHL

Die NHL besteht nicht nur aus zwei Ländern, sondern ist auch eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Während die Arizona Coyotes ihr erstes Heimspiel bereits am 14. Januar vor Fans austrugen, bleibt Live-Eishockey für die Anhänger der kanadischen Teams vorerst nur ein Traum. Fans in Toronto oder Winnipeg können ihre Teams weiterhin nur vor den TV-Geräten verfolgen.

In den USA hingegen öffnen immer mehr Klubs die Arena-Tore. Einzig bei den drei kalifornischen Klubs San Jose, Los Angeles Kings und Anaheim sowie in Colorado, Minnesota und Chicago gibt es noch keine aktuellen Informationen, wann Zuschauer erlaubt sein werden.

Hinzu kommt: Da die Grenze zwischen den USA und Kanada immer noch gesperrt ist, spielen die sieben Klubs aus Kanada unter sich.

Das Wirtschaftsmagazin "Forbes" berichtet, dass die Liga-Einnahmen des Vorjahres von 4,4 Milliarden Dollar ein Minus von 14 Prozent gegenüber 2019 bedeuten. Diese Saison dürfte es noch weniger Geld geben. Wegen des auf 56 Partien reduzierten Spielplans fehlen jedem Klub 14 Heimspiele. NHL-Commissionar Gary Bettman hebt hervor, dass sich die Vereine "zu 50 Prozent aus Zuschauereinnahmen" finanzieren.

Baseball: Texas Rangers planen mit ausverkauftem Stadion

Die MLB hatte von den vier großen Ligen die kürzeste Saison 2020. Anstatt der üblichen 162 Spiele gab es nur 60 Partien pro Verein - alle ohne Zuschauer. Die so entstandenen Verluste schätzt Commissioner Rob Manfred auf "2,8 bis drei Milliarden Dollar".

Die Spielzeit 2021 soll in voller Länge ausgetragen werden - und vor Zuschauern. Deren Anzahl wird von den Gesundheitsauflagen der jeweiligen Bundesstaaten oder Städte abhängen. Bei den New York Yankees und New York Mets sind zehn Prozent erlaubt, bei den Colorado Rockies 42,6 Prozent.

Die Texas Rangers planen in den letzten beiden Testpartien gegen Milwaukee sowie im "home opener" der neuen Saison am 5. April gegen Toronto mit einem ausverkauften Stadion.

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Die Arena des Vereins im Dallas-Vorort Arlington hat eine Kapazität von 40.518 Plätzen. Einzige Auflage: die Besucher müssen eine Maske tragen.

Fußball: MLS mit einer Milliarde Einbußen

Zwei Wochen war die Major-League-Soccer-Saison 2020 alt, da wurde sie unterbrochen. Der Re-Start erfolgte im Juli mit einem Turnier in einer Blase in Orlando. Ab August wurde die Saison wie gewohnt mit Heim- und Auswärtsspielen sowie den anschließend Playoffs zu Ende gebracht. Das Minus belief sich auf rund eine Milliarde Dollar.

Einen ähnlichen Verlust werde es auch in der ab 17. April beginnenden neuen Saison geben, sagt MLS-Commissioner Don Garber. Das liegt vor allem an den fehlenden Zuschauer-Einnahmen. "Wenn du für das Gros der Saison keine Fans im Stadion hast, ist es eine einzige Rechnerei", so Garber.

Golf: 10.000 Fans bei PGA-Championship

Im Vorjahr erlebte das Golf-Masters in Augusta zwei Neuheiten: erstmals wurde es im November ausgetragen - und erstmals blieben Golfer und Caddies unter sich. Diesmal findet das erste Major des Jahres wieder wie gewohnt im April statt. Laut Veranstalter soll es "eine beschränkte Anzahl an Zuschauern" geben. Genaue Zahlen wurden nicht genannt.

Die gibt es für die PGA-Championship im Mai auf Kiawah Island/South Carolina. Dort sind pro Tag 10.000 Zuschauer erlaubt. Noch ist unklar, ob auch beim dritten in den USA ausgetragenen Major-Turnier, den US Open, im Juni Fans erlaubt sein werden.

Tennis: Kleine Kulisse beim großen Turnier in Miami 

Die Miami Open (22. März bis 4. April) zählen im Tennis zur höchsten Turnier-Kategorie und bieten immer Topstars. Die werden diesmal jedoch vor kleiner Kulisse spielen. Da es keinen Center Court gibt, wird der Grandstand mit einer Kapazität von 5.000 Plätzen die größte Arena sein. Die Veranstalter planen, 15 Prozent (750 Zuschauer) der Plätze zu füllen.

Das ebenfalls zur Top-Kategorie zählende Turnier in Indian Wells wird vermutlich im Herbst ausgetragen. Normalerweise findet es direkt vor den Miami Open statt.

Stand: 12.03.2021, 11:48

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