Weikert: "Olympia 2036 in Deutschland ist mein Ziel"

Thomas Weikert spricht und lächelt bei einer Pressekonferenz

DOSB

Weikert: "Olympia 2036 in Deutschland ist mein Ziel"

Von Hajo Seppelt und Jörg Mebus

Teil 2/2 - Ehrenpräsident Hörmann? "Weiß nicht, ob momentan der richtige Zeitpunkt ist"

Ich will mit Athleten Deutschland zusammenarbeiten

sportschau.de: Das Verhältnis zwischen Athleten Deutschland und DOSB ist gelinde gesagt angespannt. Wie wird Ihre Zusammenarbeit mit dem unabhängigen Verein sein?

Weikert: Das Ziel ist, ein gutes Verhältnis zu haben. Ich habe in den vergangenen Tagen schon viel mit Athletinnen und Athleten gesprochen. Wenn ich gewählt werde, dann würden wir das fortsetzen. Ich will mit Athleten Deutschland zusammenarbeiten. Ich habe das im Tischtennis-Weltverband eigentlich noch nie erlebt, dass Athletinnen und Athleten in irgendeiner Form nicht ernst genommen wurden. Das kenne ich nicht. Von daher hoffe ich, dass das innerhalb des DOSB auch so werden wird.

sportschau.de: Stephan Mayer, Staatssekretär im Innenministerium, der auch für den Sport zuständig war, und Claudia Bokel, die Präsidentin des Deutschen Fechter-Bundes, kandidieren ebenfalls als DOSB-Präsident beziehungsweise Präsidentin. Bokel und ihr Verband hatten bereits angekündigt, Sie zu unterstützen. Wie ist es zu erklären, dass sie jetzt selbst kandidiert?

Weikert: Das müssen Sie Claudia Bokel fragen. Wir leben in einer Demokratie, und wenn sie zu dem Schluss gekommen ist zu kandidieren, dann soll sie das tun.

sportschau.de: Was werden Sie tun, um den Frauenanteil an der Spitze und in der Breite des Sports zu stärken?

Weikert: Fakt ist, dass die Mitwirkung der Frauen in den hohen Gremien auf jeden Fall gestärkt werden muss. Ich weiß, dass das überall in den Fachverbänden, auch international, ein Problem darstellt. Dort gibt es erheblich weniger Frauen als Männer, das ist kein gutes Zeichen für den Sport. Was wir dort machen können, müssen wir intensiv diskutieren.

Natürlich steht der Vorstand zur Disposition

sportschau.de: Es gibt ja einen Vorstand mit Veronika Rücker an der Spitze. Muss der komplett gehen für einen Neuanfang?

Weikert: Es wird ja immer davon gesprochen, dass es einen Neuanfang im DOSB geben muss. Deshalb gibt es eine Neuwahl, zunächst für ein Jahr, aber dann letztlich für vier weitere Jahre. Das bedeutet, dass man natürlich auch die Position Vorstand und Vorstandsvorsitzende in den Fokus rücken muss. Ich kann jetzt von außen nicht genau beurteilen, was der Vorstand richtig und was falsch gemacht hat. Fakt ist: Er steht sehr in der Kritik. Das weiß ich natürlich, aber ich möchte mir im Fall meiner Wahl erst mal ein eigenes Bild machen. Aber natürlich steht der Vorstand zur Disposition.

sportschau.de: Zum Beispiel Frau Rücker?

Weikert: Zum Beispiel Frau Rücker.

sportschau.de: Es ist ja gute Sitte im Sport, dass ein scheidender Präsident zum Ehrenpräsidenten wird. Können Sie sich das im Fall Alfons Hörmann vorstellen?

Noch Präsident des DOSB: Alfons Hörmann

Noch Präsident des DOSB: Alfons Hörmann

Weikert: Das ist eine schwierige Frage. Alfons Hörmann steht sehr in der Kritik. Ein Ehrenpräsident braucht eigentlich ein hundertprozentiges Votum. Ich denke, Alfons Hörmann hat viel für den Sport geleistet. Er hat sicherlich auch einige Fehler gemacht. Ich weiß nicht, ob für das Thema Ehrenpräsidentschaft momentan der richtige Zeitpunkt ist. Das müssen die Verbände am Ende selbst beurteilen.

Da hilft auch kein Gutachten

sportschau.de: Das Image des Deutschen Olympischen Sportbundes ist verbesserungswürdig. Es fehlt immer wieder, so hat man den Eindruck, an Vertrauen bei Sportfunktionären, bei Verbandspräsidenten, beim IOC inzwischen auch. Man hat das Gefühl, dass auch in der Berliner Politik manche lieber einen Bogen machen um Herrn Hörmann. Auch mit Journalisten legt er sich immer wieder an, da gibt es Anwaltsschreiben und Klagen und den Vorwurf aus der DOSB-Belegschaft, Hörmann sei für ein Klima der Angst verantwortlich. Wie wollen Sie Vertrauen zurückgewinnen?

Weikert: Vertrauen kann man nur dann schaffen, wenn man mit den Leuten redet. Gespräche sind das allerbeste und vielleicht sogar einzige Mittel. Übrigens gilt das auch im Falle des IOC: Da wird man sicherlich mit Herrn Bach sprechen müssen, auch im Hinblick auf zukünftige Olympiabewerbungen. Und dann wird man natürlich auch mit den DOSB-Mitarbeitern sprechen müssen, egal, wie sehr das Verhältnis jetzt tatsächlich beschädigt ist, worüber ja gerade gerätselt wird. Fakt ist: Die Ethik-Kommission hat ausführlich geprüft und verschiedene Dinge festgestellt, die nicht in Ordnung sind. Und daran muss man arbeiten. Da hilft aus meiner Sicht auch kein Gutachten.

sportschau.de: Der DOSB hat zuletzt zwei teure Gutachten in Auftrag gegeben, die einige als Versuch der Reinwaschung gedeutet haben …

Weikert: Ich weiß nicht, ob Reinwaschung das richtige Wort ist. Aber vielleicht wäre es vernünftiger gewesen, die Sache auf sich beruhen zu lassen und es dem nächsten Präsidium zu überlassen, damit umzugehen, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen und zu versuchen, die Sache zu befrieden.

Wir müssen uns so schnell wie möglich bewerben

sportschau.de: Eine deutsche Olympia-Bewerbung steht immer wieder im Raum. Alfons Hörmann und Thomas Bach sind an dem Ziel gescheitert, Olympische und Paralympische Spiele nach Deutschland zu holen. Versuchen Sie es im Falle Ihrer Wahl erneut?

Die letzten Olympischen Spiele in Deutschland: 1972 in München

Die bislang letzten Olympischen Spiele in Deutschland: 1972 in München

Weikert: Klare Antwort, wir müssen uns so schnell wie möglich bewerben, und zwar auch für 2036. Ich weiß, dass es Diskussionen darüber gibt, ob man sich für 2036 bewerben soll vor dem Hintergrund von Berlin 1936. Aber ich bin der Meinung: ja! Das Bild der Deutschen muss man gut darstellen und genau daran arbeiten, dass wir uns gut darstellen im Ausland. Also klare Antwort: Paralympische Spiele, Olympische Spiele sollen möglichst bald nach Deutschland kommen.

sportschau.de: Nach Berlin?

Weikert: Das ist eine andere Frage, es gibt vielleicht auch noch andere Städte. Das ist sicherlich ein Thema, das man dann im Team besprechen muss.

Stand: 10.11.2021, 05:30

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