Weikert: "Olympia 2036 in Deutschland ist mein Ziel"

Thomas Weikert spricht und lächelt bei einer Pressekonferenz

DOSB

Weikert: "Olympia 2036 in Deutschland ist mein Ziel"

Von Hajo Seppelt und Jörg Mebus

Den Breitensport stärken und "so schnell wie möglich" Olympia nach Deutschland holen: Thomas Weikert will im Falle seiner Wahl zum Präsidenten den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in eine neue Ära führen.

Der 59 Jahre alte Rechtsanwalt aus Limburg an der Lahn und scheidende Präsident des Tischtennis-Weltverbandes gilt vor der Wahl am 4. Dezember in Weimar gegen Claudia Bokel (48), die Präsidentin des Deutschen Fechter-Bundes, und Innenstaatssekretär Stephan Mayer (47) als favorisiert. Vor der wichtigen Vorstellungsrunde im Kreis der DOSB-Verbändegruppen am Sonntag (14.11.2021) in Düsseldorf äußert sich Weikert im ARD-Interview erstmals zu seinen Zielen.

sportschau.de: Herr Weikert, Sie gehen als Favorit in das Rennen um die DOSB-Präsidentschaft, was qualifiziert Sie für das Amt?

Thomas Weikert: Lassen wir mal das mit dem Favoriten. Ich bin einer der Kandidaten und freue mich, dass ich dabei bin. Also: Ich habe internationale Erfahrung als Präsident des Tischtennis-Weltverbandes, der ich seit mehr als sieben Jahren bin. Da lernt man einiges kennen. Und es ist ja auch erforderlich, dass man als DOSB-Präsident international arbeitet. Ich habe aber auch Erfahrung auf nationaler Ebene, als Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes, der ich von 2005 bis 2015 war.

Thomas Weikert als Kandidat für DOSB-Präsidentschaft Morgenmagazin 10.11.2021 01:59 Min. Verfügbar bis 10.11.2022 Das Erste

sportschau.de: Nun geht es bei der DOSB-Präsidentschaft aber nicht nur um Spitzensport. Spielt der Breitensport für Sie eine untergeordnete Rolle?

Weikert: Nein, dort bin ich auch aktiv! Ich bin Geschäftsführer eines kleinen Tischtennisvereins und Vorsitzender des Sportkreises Limburg-Weilburg, der die ganze Palette des Breitensports abdeckt. Man sieht mich hier im Kreis öfter auf Sportplätzen oder beim Hockey oder Tennis. Und ich weiß auch, wie es war und ist während der Pandemie: Wie halte ich Kinder im Verein? Wie begeistere ich Kinder und Jugendliche überhaupt? Welche Sorgen haben Trainer und Eltern?

Breitensport eine bessere Stimme geben

sportschau.de: In der Außendarstellung des DOSB hatte man bisher den Eindruck, es gehe immer nur ums Team Deutschland, gerade auch beim scheidenden Präsidenten Alfons Hörmann…

Weikert: Ich denke zunächst mal, dass Alfons Hörmann vor allem im Leistungssport einiges bewirkt hat. Es ist mehr Geld geflossen, das ist sicherlich gut. Auf den Breitensport hat man vielleicht auch insgesamt in der Pandemie zu wenig geachtet. Der Spitzensport ist häufig das, was außen ankommt. Aber wenn ich keinen Breitensport habe, dann habe ich keinen Leistungssport. Es wird eine ganz dringende Aufgabe sein, dem Breitensport eine bessere Stimme im deutschen Sport und in der Gesellschaft zu geben. Allerdings ist da nicht nur der Sport gefragt. Kultur und Gesellschaft müssen mitziehen.

sportschau.de: Seit 2006 geht es im Hinblick auf Medaillen bei Olympischen Spielen und vielen Großereignissen bergab. Was hat der DOSB falsch gemacht?

Weikert: Das ist im Moment schwierig zu sagen. Ich habe nicht den hundertprozentigen Einblick. Ein Thema ist sicherlich die Trainerausbildung. Das heißt nicht, dass unsere Trainer schlecht ausgebildet wären. Aber dazu gehört, dass sie ordentlich bezahlt werden und dass man ihnen vernünftige Verträge anbietet. Ich glaube, da hakt es im deutschen Leistungssport, auch gegenüber der internationalen Konkurrenz.

sportschau.de: Es gibt einen Investitionsstau in Deutschland, was Sportstätten betrifft. Viele sind in einem erbärmlichen Zustand …  

Weikert: Der Goldene Plan aus den 70er Jahren liegt in der Tat lange zurück. Viele Hallen sind veraltet, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Das fängt in den Hallen an und hört bei den Umkleidekabinen auf. Und wenn ich daran denke, dass selbst Hallen, die nach 2010 gebaut worden sind, für Rollstuhlfahrer, die duschen wollen, problematisch sind, dann weiß ich, dass wir alle zusammen zu wenig darauf geachtet haben. Dass die Sportstätten erneuert werden, ist entscheidend. Dafür würden mein Team und ich Klinken putzen gehen.

sportschau.de: Wird es dafür im Vorstand auch wieder einen Posten für den Breitensport, oder wie es im DOSB heißt, für Sportentwicklung geben?

Weikert: Ja, auf jeden Fall. Die Frage ist sicherlich auch, ob man eine weitere Stelle schafft, die sich mit Nachhaltigkeit beschäftigt, einem weiteren wichtigen Thema.

Sonst überholt uns die Politik

sportschau.de: Brauchen wir ein Sportministerium in Deutschland?

Weikert: Gute Frage. Der Spitzensport ist im Moment dem Innenministerium zugeordnet, zu dem auch schon das Bauministerium gehört. Und wenn wir zum Beispiel einen Terrorakt haben, oder der Innenminister muss sich mit anderen wichtigen Dingen befassen, dann liegt der Sport brach. Ich glaube, der Sport muss abgekoppelt werden von Dingen wie der inneren Sicherheit. Ein Sport-Staatsminister wäre eine Idee, über die man diskutieren könnte.

sportschau.de: Hat der DOSB beim Thema sexualisierte Gewalt viel zu lange weggeschaut?

Weikert: Das ist auch eines der Themen, das man schnell voranbringen muss. Der Verein Athleten Deutschland hat das Thema Safe Sport zuletzt immer wieder erwähnt. Nun muss das Problem organisiert angegangen werden vom Dachverband. Ob der DOSB dann intern damit umgeht oder ob man die Thematik auslagert, wie Athleten Deutschland es vorgeschlagen hat - das muss man diskutieren. Aber klar ist, dass das sofort angepackt werden muss, sonst überholt uns die Politik. So ist es seinerzeit beim Thema Doping passiert, was für den Sport sehr negativ war.

Stand: 10.11.2021, 05:30

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