Boom durch Corona? Tennis, Radsport und Co. profitieren bedingt

Eine Collage aus den Sportarten Tennis, Golf, Leichtathletik, Radsport

Kontaktlose Sportarten während der Corona-Krise

Boom durch Corona? Tennis, Radsport und Co. profitieren bedingt

Von Volker Schulte

Parks voller Radfahrer und Jogger, gut besuchte Golf- und Tennisplätze - kontaktlose Sportarten scheinen glimpflich durch die Corona-Krise zu kommen. Profitieren die Verbände sogar? Die Sportschau hat sich umgehört.

Leichtathletik:

Auf den Park-, Wald- und Feldwegen sind seit der Corona-Pandemie deutlich mehr Menschen unterwegs, viele davon in Sportklamotten. Neben Joggern und Walkern haben auch Sprinter, Kugelstoßer oder Speerwerfer bessere Trainingsmöglichkeiten als Mannschaftssportler. Von einem Boom kann im Deutschen Leichtathletik-Verband keine Rede sein, aber der seit 2008 zu verzeichnende Mitgliederschwund hat sich 2020 zumindest verlangsamt.

Die Zahl der Mitglieder sank nur noch um 0,05 Prozent auf knapp 798.819. Auffällig sind die Zahlen bei den Kindern und Jugendlichen, denn dort gibt es einen Zulauf: Bei den 7- bis 14-Jährigen um 0,52 Prozent, bei den bis Sechsjährigen sogar um 5,5 Prozent.

Radsport:

Händler berichten von einer riesigen Nachfrage, zahlreiche Modelle sind vergriffen, und die Fahrrad-Messstelle an der Hamburger Alster verzeichnet einen Rekord: Viele Menschen entdecken in Coronazeiten das Zweirad für sich, als Fortbewegungsmittel und auch als Sportgerät.

Zulauf hatte 2020 auch der Bund Deutscher Radfahrer. Die Zahl der Mitglieder stieg um 654 auf 144.647, was vor allem an den fast 1.000 neuen Mitgliedern in den Schüler- und Juniorenjahrgängen liegt. Ob die Pandemie diesen Anstieg befeuert hat, ist allerdings unklar - denn schon in den vergangenen fünf Jahren waren die Mitgliederzahlen des BDR gestiegen.

Aktuell profitiert der BDR nach eigener Aussage noch nicht davon, dass so viele Freizeitsportler aufs Rad steigen. "Wir sind ein Leistungssportverband und haben unter Corona sehr zu leiden", schreibt der BDR auf Sportschau-Anfrage. "Vor allem im Nachwuchsbereich sind Veranstaltungen massenhaft abgesagt worden, national wie international." Bei der Zahl der Lizenznehmer verzeichnet der BDR für 2020 einen Rückgang um acht Prozent. Das hat auch Folgen für die Kasse, denn Lizenzen und Wertungskarten kosten Gebühren. Wie viele der neuen Hobby-Radler eines Tages den Weg in den organisierten Radsport finden, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

Ein Sonderbereich ist der eSport, der während der Pandemie in den Fokus gerückt ist. "In Deutschland nutzen etwa 100.000 radsportbegeisterte Menschen die Möglichkeit über den Anbieter Zwift, sich in der virtuellen Welt zu messen", verkündete der BDR. "Weltweit sind es geschätzte zwei Millionen. Hinzu kommen virtuelle Radsportler auf anderen Portalen." Der BDR hatte im Frühjahr 2020 im ersten Lockdown eine eigene Liga namens "GCA eSports" ins Leben gerufen, an der im Schnitt 250 Menschen teilnahmen.

Tennis

Abstand und Freiluft - diese beiden Komponenten machen auch das Tennisspielen zu einem coronakonformen Sport. Als im Spätherbst 2020 die Hallen schließen mussten, ließen viele Vereine in wärmeren Gegenden ihre Außenplätze länger offen als üblich. So entstanden viele Erinnerungsfotos von Duellen auf Asche im Dezember.

Viele Vereine und Tennisschulen berichten jetzt, da die Freiluftsaison 2021 vor der Tür steht, von einem großen Andrang. Wie sich die Mitgliederzahlen während der Coronakrise entwickeln, ist allerdings noch unklar. Erst im September, wenn alle Angaben der Landesverbände vorliegen, wird der DTB die Zahlen für 2020 mitteilen.*

Aktuell sind zwar schon Statistiken für 2020 online abrufbar, diese stammen laut DTB aber aus den Erhebungen von 2019. Und da hat sich der langjährige, teils drastische Negativtrend fortgesetzt. Immerhin war der Mitgliederrückgang um nur noch 0,34 Prozent der beste Wert seit 25 Jahren. In den Verbänden Mittelrhein und Hamburg stiegen die Zahlen um mehr als ein Prozent.

Golf

Beim Deutschen Golf Verband sind positive Effekte deutlich zu spüren. "Der Golfsport bietet als Individualsport im Freien die perfekten Voraussetzungen für eine weitgehend Corona-sichere Sportausübung. Daher wurde der Golfsport von der Corona-Krise nicht nur wenig betroffen, sondern im Gegenteil, vielerorts hat unser Sport sogar erheblich gewonnen", sagt Präsident Claus M. Kobold.

Mehr als 8.700 neue Mitgliedschaften in den Klubs und Anlagen verzeichnete der Golf-Verband 2020 - das ist ein Plus von 1,4 Prozent, so viel wie seit 2012 nicht mehr. Noch nicht berücksichtigt sei der Zeitraum von Oktober bis Dezember, wo es ebenfalls einen deutlichen Zulauf gegeben habe, sagte ein Sprecher zur Sportschau.

Ein Aspekt dabei seien die Reisebeschränkungen. Da die Menschen aktuell nicht in ihren ausländischen Urlaubsregionen Golfen könnten, meldeten sie sich auf Anlagen in Deutschland an. Besonders hebt der Verband aber den Bereich der Kinder- und Jugendlichen hervor, wo es erstmals seit 2010 wieder einen Zuwachs gegeben habe. "Das bundesweite DGV-Schulgolfprojekt 'Abschlag Schule' oder das 'Influencer-Camp', das ja eben genau auf diese Zielgruppe abzielt, machen sich bezahlt", sagte DGV-Sportvorstand Marcus Neumann. Einer DGV-Befragung zufolge rechnen 50 Prozent der Golfanlagen auch 2021 mit einer positiven Mitgliederentwicklung.

Corona-Krise sorgt für Schach-Boom Sportschau 20.12.2020 08:14 Min. Verfügbar bis 20.12.2021 Das Erste

*In einer ersten Version hatten wir geschrieben, die Mitgliederzahlen würden die Entwicklungen im Jahr 2020 widergeben.

Stand: 11.03.2021, 11:11

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