Deutschlands Charaktertest gegen Österreich

Handball-EM, Hauptrunde

Deutschlands Charaktertest gegen Österreich

Von Robin Tillenburg (Wien)

Die deutschen Handballer müssen im dritten EM-Hauptrundenspiel gegen Österreich schnell wieder die nötige Spannung aufbauen. Kann die Mannschaft die Enttäuschung abschütteln?

Nikola Bilyk und Robert Weber – das sind die Namen, die dem durchschnittlichen deutschen Handballfan als erstes einfallen, wenn sie an die Österreicher denken. Von Viktor Szilagyi mal abgesehen, aber der spielt ja inzwischen nicht mehr.

Eichberger hält hervorragend

Als der deutsche Bundestrainer Christian Prokop aber in der Pressekonferenz vor der Hauptrundenpartie gegen den Gastgeber nach dessen Stärken gefragt wurde, nannte er die mannschaftliche Geschlossenheit. Prokop stellte dann weder die Bundesliga-Akteure Weber (HSG Nordhorn-Lingen) noch Supertalent Bilyk (THW Kiel), immerhin zweitbester Scorer im bisherigen Turnier, sondern Torwart Thomas Eichberger heraus. Prokop bezeichnete ihn dabei auch als "Newcomer". Tatsächlich war der 26-Jährige von der HSG Graz bis vor diesem Turnier auch nur absoluten Kennern ein Begriff, hatte erst eine Hand voll Länderspiele absolviert.

Dieses Element beinhaltet Daten von Facebook. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Doch Trainer Ales Pajovic, der im März 2019 die österreichische Auswahl übernahm, hatte offenbar das richtige Gespür und setzt auf Eichberger, den er schon zuvor in Graz trainierte. Der zahlt das Vertrauen zurück. Obwohl die Österreicher in Spanien und Kroatien schon zwei absolute Hochkaräter als Gegner hatten und ja selbst nicht zur Weltspitze gehören, hat Eichberger über 30 Prozent der Würfe auf sein Tor gehalten. Nicht nur angesichts der Gegner ein Topwert.

"Spiel des Jahres"

Einen Eichberger in dieser Form hatten die Österreicher im Testspiel gegen die Deutschen vor dem Turnier noch nicht. Die DHB-Auswahl siegte, ebenfalls in Wien, mit 32:28 (15:14), obwohl sie nicht restlos überzeugte. Doch wenn es nach Prokop geht, war diese Partie im Hinblick auf den Montagabend ein Muster ohne Wert. Auch wenn die Österreicher das Halbfinale ebenfalls nicht mehr erreichen werden, sei es für sie nun "das Spiel des Jahres".

Die Frage, die sich aus deutscher Sicht nun stellt, ist: Ist die Partie auch für die Deutschen noch so wichtig, noch so spannungsgeladen, dass sie gegen hochmotivierte Gastgeber die gleiche Intensität auf die Platte bringen können, wie gegen Weißrussland und Kroatien? Auch wenn die Stimmung in der Halle mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht das Level von der Samstagspartie gegen Kroatien erreichen wird, dürften die Wiener gerade gegen den DHB auch akustisch durchaus motiviert sein.

Wichtiger Fingerzeig

Auf der Pressekonferenz betonten Prokop, DHB-Vize Bob Hanning und Kapitän Uwe Gensheimer unisono, dass man die letzten Partien mit voller Motivation angehen wolle, auch im Hinblick auf die im April anstehende Olympia-Qualifikation. Das glaubt man ihnen, auch wenn im Erfolgsfall wohl das Spiel um Platz fünf wartet, von dem beispielsweise Hendrik Pekeler ja schon betonte, dass er nicht unbedingt darauf brennt, es dann in Stockholm noch zu spielen.

Jedenfalls dürfte die Begegnung gegen die Österreicher einen Fingerzeig darauf liefern, wie stabil das Mannschaftsgefüge und die Beziehung zwischen Trainerteam und Spielern ist, denn individuell ist man ohne Zweifel stärker besetzt. Es sei, so Hanning, nun "reiner Wille". Damit stellt der DHB-Vize dem Team eine klare Aufgabe.

Stand: 19.01.2020, 17:08

Darstellung: