Handball-WM in Ägypten

Corona-Fälle: USA und Tschechien nicht zur Handball-WM

Auch die USA werden nicht an der Handball-WM in Ägypten (13. bis 31. Januar) teilnehmen. Wie bei Tschechien sind mehrere Corona-Fälle unter Spielern und Betreuern der Grund. Zwei Teams aus Europa rücken nach.

Nach mehreren Stunden der Ungewissheit entschied sich die US-Delegation am Dienstagabend (12.01.2021) dafür, nicht zur WM nach Ägypten zu fliegen. "Es ist uns extrem schwer gefallen, den Spielern das mitteilen zu müssen", sagte US-Teammanager Andreas Hertelt im Sportschau-Interview. Es gehe vor allem um die älteren Spieler, "für die es wahrscheinlich der Höhepunkt ihrer Laufbahn gewesen wäre. Aber aufgrund der Testergebnisse war die Entscheidung alterntivlos."

Vorangegangen waren mehrere PCR-Tests mit beunruhigenden Ergebnissen. Am Montag gab es zunächst 17 positive Befunde in der US-Delegation - unter den Betroffenen waren elf Spieler.

Bei einem weiteren PCR-Test am Dienstag waren nach Angaben von Hertelt drei dieser Spieler plötzlich negativ - während vier zuvor negativ getestete Spieler nun positive Befunde hatten. Das dänische Labor kann sich diese Unterschiede nicht erklären. Eine Vermutung ist, dass eine mutierte Variante des neuartigen Coronavirus Sars-Cov-2 kursiert. Alle Infizierten befinden sich im dänischen Kolding in Hotel-Quarantäne.

Schweiz rückt nach

Angesichts dieser Testergebnisse traf der US-Verband die Entscheidung, nicht mit den noch verbliebenen negativ getesteten Spielern in den Flieger zu steigen. "Wir wollen zum einen nicht die WM-Blase gefährden und zum anderen auch nicht die Gesundheit unserer Spieler", sagte Hertelt. Alle WM-Beteiligten sollen sich während des Turniers in einer Bubble aufhalten, abgeschirmt vom öffentlichen Leben. Die USA hätten in Ägypten im selben Hotel wie die deutsche Mannschaft gewohnt und ihr erstes Spiel am Donnerstag gegen Österreich bestritten.

Kommentar: Die Handball-WM und der Tanz mit dem Virus Sportschau 12.01.2021 02:33 Min. Verfügbar bis 12.01.2022 ARD

Der Weltverband IHF gab am späten Dienstagabend bekannt, dass die Schweiz für die USA nachrücken wird. Die Schweizer Nationalmannschaft hatte vom 5. bis 10. Januar einen Trainings-Lehrgang absolviert und befand sich dort in einer Blase. Seit Ende des Lehrgangs befänden sich die Spieler "gemäß unserer Vorgaben mehr oder weniger in häuslicher Quarantäne" und hielten sich bereit, teilte der Schweizerische Handball-Verband auf ARD-Anfrage mit.

Mehr als zehn Corona-Fälle bei Tschechien

Tschechiens Stanislav Kasparek sitzt nach einer Niederlage gegen Belarus niedergeschlagen auf dem Boden | Bildquelle: imago images/Agentur 54 Grad/Felix König

Zuvor hatte schon Nordmazedonien den Platz von Tschechien eingenommen. Bei den Tschechen überschlug sich am Dienstag die Nachrichtenlage. Zunächst verbreitete der Nationalverband noch die Meldung, dass das Team trotz mehr als zehn Corona-Fällen zur WM fliegen würde. Der Kader werde bis auf zwei Ausnahmen nur aus Spielern bestehen, die in der heimischen Liga aktiv sind.

Am frühen Abend dann die Kehrtwende: Der Weltverband IHF verkündete, dass Tschechien zurückzieht. Nordmazedonien steht auf der offiziellen Nachrückerliste ganz oben und wird nun in der Gruppe G auf Gastgeber Ägypten, Chile und Schweden treffen.

Im tschechischen Team hatten sich unter anderem auch die beiden Auswahltrainer und ehemaligen Bundesligaspieler Daniel Kubes und Jan Filip infiziert.

Deutscher Gegner Kap Verde hat trotz zehn positiver Fälle die Anreise angetreten

Medienberichten zufolge machte sich der krasse Außenseiter Kap und deutsche Vorrundengegner Kap Verde am Mittwoch von Portugal aus auf den Weg nach Nordafrika, jedoch fehlten dabei demnach sechs Spieler sowie vier Teambetreuer, darunter auch Cheftrainer Jose Tomas. Die deutsche Nationalmannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason trifft in Gruppe A planmäßig am Sonntag auf den WM-Debütanten. Dieser wird nach seiner Ankunft zunächst per Schnelltest und dann PCR-Test auf das Coronavirus getestet. Nur wenn beide Befunde negativ ausfallen, zählt eine Person zur sogenannten Bubble.

Brasilien vermeldete am Dienstag sieben positive Ergebnisse aus PCR-Tests, die bereits am 6. Januar vorgenommen worden waren. Betroffen seien zwei Spieler und fünf Mitglieder des Trainerstabs. Unter anderem Brasiliens Nationaltrainer Tata Oliveira und dessen Rückraum-Star Thiagus Petrus vom Champions-League-Finalisten FC Barcelona haben sich in Isolation begeben. Das teilte der nationale Verband mit.

Kromer sieht DHB-Konzept bestätigt

Den Deutschen Handballbund erreichten die Meldungen über die Coronafälle auf dem Weg nach Ägypten. "Das ist eine Sache, die natürlich zur falschen Zeit kommt und überhaupt nicht hierhergehört", sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer nach der Landung.

"Wir sind froh, dass bei uns alles gut ist, und sehen uns darin bestätigt, dass wir schon vor der Maßnahme eine Isolation angetreten hatten." Er könne nur vermuten, dass es bei den anderen Teams in der Anfangsphase der Turniervorbereitung falsch gelaufen sei.

DHB-Sportvorstand Kromer: Corona-Fälle kommen zur falschen Zeit Sportschau 12.01.2021 00:54 Min. Verfügbar bis 12.01.2022 Das Erste