DHB-Team - Gislasons Neulinge rücken ins Rampenlicht

Handball-Nationalmannschaft: Leipzigs Torhüter Joel Birlehm in Jubelpose

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DHB-Team - Gislasons Neulinge rücken ins Rampenlicht

Von Jens Mickler

Die Handball-Nationalmannschaft erhält ein neues Gesicht. Langjährige Leistungsträger sind nicht mehr dabei. Stattdessen baut Bundestrainer Alfred Gislason auf eine radikale Verjüngung. Sportschau.de stellt die Rookies vor.

Die Goldmedaille bei den Olympischen Sommerspielen war das erklärte Ziel der deutschen Handballer in Tokio. Es wurde krachend verfehlt, schon zuvor im Januar war bei der WM nur ein enttäuschender zwölfter Platz herausgesprungen. Immer wieder waren die vergangenen Turniere überschattet von Absagen gestandener Nationalspieler wie Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek oder Steffen Weinhold, die dem irren Pensum im Profihandball nicht mehr standhalten wollten.

Mit fünf Neulingen gegen Portugal

Schlechtes Abschneiden, viel zu hohe Belastungen - Gründe genug für Bundestrainer Alfred Gislason nach dieser Sommerpause einen radikalen Umbruch einzuleiten. Vor den beiden Test-Länderspielen gegen Portugal an diesem Freitag (05.11.2021, 20.15 Uhr in Luxemburg) und am Sonntag (07.11.2021, 15 Uhr) anlässlich des "Tag des Handballs" in Düsseldorf hat der Nationalcoach fünf Neulinge berufen, die nicht nur an die A-Nationalmannschaft herangeführt werden, sondern das Gesicht des Teams in Zukunft prägen sollen.

Dies sind Lukas Zerbe (TBV Lemgo, Rechtsaußen), Julian Köster (VfL Gummersbach, Rückraum), Hendrik Wagner (Eulen Ludwigshafen, Rückraum), Joel Birlehm (SC DHfK Leipzig, Tor) und Lukas Mertens (SC Magdeburg, Linksaußen).

Alfred Gislason: "Neue Konkurrenz schaffen"

"Vielleicht überrascht dieses Aufgebot Außenstehende - für uns ist die Nominierung nur konsequent. Dieser Kader spiegelt aktuelles Leistungsvermögen und Perspektive wider", sagt Gislason. "Wir möchten mehr in die Breite kommen, neue Konkurrenz schaffen und in der Auswahl flexibler werden. Ich freue mich sehr auf die Arbeit mit dieser Mannschaft."

Alfred Gislason

Neuausrichtung der A-Mannschaft: Bundestrainer Alfred Gislason

Am deutlichsten wird die Neuausrichtung auf der Torhüterposition, in der Vergangenheit stets ein Prunkstück der deutschen Auswahl. Doch die Zeit der erfahrenen Männer wie Johannes Bitter oder Silvio Heinevetter scheint abgelaufen zu sein. Für die Portugal-Spiele schickt Gislason im 24-jährigen Till Klimpke (HSG Wetzlar) und dem 23-jährigen Joel Birlehm ein ganz junges Duo aufs Parkett.

Der gebürtige Herforder Birlehm, der über die Ostwestfalen-Stationen GWD Minden und TuS N-Lübbecke vor zwei Jahren beim SC DHfK Leipzig anheuerte, steht vor seinem ersten Länderspiel. Nach Top-Leistungen in der Bundesliga kommt diese Nominierung nicht sonderlich überraschend.

Till Klimpke - Zeug zur Weltklasse

Schon etwas länger bei der Eliteauswahl dabei ist Klimpke, der sein Länderspieldebüt vor zwei Jahren feierte und der berühmten Wetzlarer Torwartschule um Jasmin Camdzic entstammt, die einst Nationalkeeper Andreas Wolff (pausiert diesmal) formte. "Till hat die körperlichen und mentalen Voraussetzungen, um es bis in die Weltklasse zu schaffen. Das traue ich ihm zu. Außerdem ist er ein ganz feiner Charakter", sagt sein ehemaliger Trainer Kai Wandschneider zur ARD--Sportschau.

Handball-Nationalmannschaft: Torhüter Till Klimpke von der HSG Wetzlar

Torhüter Till Klimpke von der HSG Wetzlar

Neben dem Torhüterduo überraschte Gislason bei seiner Nominierung auch mit zwei jungen Spielern aus der 2. Handball-Bundesliga: Julian Köster vom VfL Gummersbach und Hendrik Wagner von den Eulen Ludwigshafen, Absteiger der vergangenen Saison.

Julian Köster - "Macht Dinge, die nicht normal sind"

Köster wechselte im Februar vom TSV Dormagen nach Gummersbach, kurierte eine schwere Verletzung aus und avancierte dann ohne große Anlaufprobleme zu einer tragenden Säule im Rückraum des VfL. "Julian ist ein ganz besonderer Spieler, der seinen Weg gehen wird. Er macht Dinge, die nicht normal sind und andere so nicht können. Dazu ist er relativ jung", sagt Gummersbachs Geschäftsführer Christoph Schindler über das 20-jährige Toptalent, das einen Vertrag bis 2024 besitzt. "Als Passgeber und vom Spielverständnis her ist Julian herausragend gut", so Schindler, der Köster nur zu gern über die Saison hinaus halten würde.

Handball-Nationalmannschaft: Julian Köster vom VfL Gummersbach

Erstmals beim Nationalteam dabei: Julian Köster aus Gummersbach

Auch Wagner wird die Saison als Nationalspieler in der 2. Liga aller Voraussicht nach zu Ende spielen. Der 21-jährige Noch-Ludwigshafener wird sich erst im Jahr 2022 der HSG Wetzlar anschließen. In der vergangenen Serie zählte der Rückraumspieler zu den Senkrechtstartern der Saison, belegte mit 182 Treffern immerhin Platz 14 der Bundesliga-Torjägerliste.

Hendrik Wagner - "Toller Charakter für unterschiedliche Rollen"

"Hendrik ist nicht nur ein toller Charaktertyp, den man gerne in seiner Mannschaft hat, sondern auch ein Spieler, der unterschiedliche Rollen annehmen kann und über das Talent verfügt, diese Aufgaben auch auf den Punkt auszuführen", beschreibt Wetzlars neuer Coach Ben Matschke seinen Ex- und Bald-Schützling.

Handball-Nationalmannschaft: Hendrik Wagner von den Eulen Ludwigshafen

Hoffnungsträger im Rückraum: Hendrik Wagner von den Eulen Ludwigshafen

Gespannt darf man auch sein, wie sich die Außenspieler präsentieren: Lukas Zerbe vom TBV Lemgo, Neffe des früheren Nationalmannschaftskapitäns Volker Zerbe, sowie Lukas Mertens vom SC Magdeburg, der 2016 mit der U20-Nationalmannschaft Silber holte. Zudem gibt Aufbauspieler Simon Ernst (SC DHfK Leipzig) sein Comeback im A-Team. Der Europameister von 2016 steht nach drei Kreuzbandrissen erstmals seit Jahren wieder im Aufgebot.

Mit weniger Druck zur EM

Die anstehenden Länderspiele gegen Portugal dienen vorwiegend zur Findung als Mannschaft, die Ergebnisse werden nebensächlich sein. Aber auch bei der anstehenden Europameisterschaft im Januar 2022, wenn die deutschen Handballer in Bratislava auf Weißrussland (14. Januar), Österreich (16. Januar) und Polen (18. Januar) treffen, wird auf dieser neuformierten Mannschaft nicht der ganz große Druck wie bei den vorherigen Großturnieren lasten. Vielleicht werden die Nobodys aus dieser geringeren Erwartungshaltung heraus für die eine oder andere Überraschung sorgen können.

Stand: 05.11.2021, 07:39

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