Handball-Bundesliga: THW mit guten Aussichten - und Wettbewerbsvorteil?

THW-Geschäftsführer Szilagyi: "Durch Reden wird keiner Meister" Verfügbar bis 06.12.2021

NDR-Sport

Handball-Bundesliga: THW mit guten Aussichten - und Wettbewerbsvorteil?

Von Matthias Heidrich und Thomas Koos

Mit dem Start der Handball-Bundesligasaison beginnt für den THW Kiel die Jagd nach dem Titel und für den HSV Hamburg die nach dem Klassenerhalt. Im Mittelpunkt steht aber die heiß diskutierte Zuschauerfrage.

Viktor Szilagyi ist kein Lautsprecher. Beim Thema Fan-Rückkehr haut der THW-Geschäftsführer dann aber doch gerne einen raus. "Unsere 9.000 Neuzugänge werden eine riesengroße Rolle spielen. Sie werden uns wieder ans Leistungsmaximum pushen", sagte der Ex-Profi im NDR Interview und kann sich ein breites Grinsen nicht verkneifen. "Die Leute haben eine Riesenlust, wieder in die Halle zu gehen. Wir verspüren alle eine unglaubliche Vorfreude auf diesen Moment."

Kiel vor fast ausverkauftem Haus

Nach Genehmigung des Landes Schleswig-Holstein dürfen die "Zebras" heute (19.05 Uhr) gegen die HSG Balingen-Weilstetten dank eines aufgeweichten 2G-Modells vor fast ausverkauftem Haus - die THW-Halle fasst 10.285 Zuschauer - in die Saison starten. Ab dem 20. September sollen dann sogar im Zuge der neuen Corona-Verordnung der Landesregierung zumindest im hohen Norden die Obergrenzen für Zuschauer in Hallen und Stadien ganz fallen. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) stellte am Dienstag die Eckpunkte der neuen Verordnung vor. Das Kabinett soll sie in der kommenden Woche beschließen. Die Regierung setzt auf das 3G-Prinzip, bei dem nur Geimpfte, Genesene oder Getestete Zugang zu Veranstaltungen erhalten.

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"Wettbewerbsnachteil" für HSV-Handballer?

Zum Saisonstart gelten die neuen Regeln in Schleswig-Holstein noch nicht. Und doch sieht sich der HSV Hamburg, der bei seiner Rückkehr ins deutsche Handball-Oberhaus zeitgleich Frisch Auf Göppingen empfängt, im Nachteil: Der Aufsteiger darf nur 3.000 Zuschauer in der Arena am Volkspark begrüßen. Dabei bietet die Halle sogar 13.000 Handball-Fans Platz.

"Wir sind der Favorit, andere sind auch Favoriten. Wenn andere sagen, wir sind der größte Favorit, dann nehmen wir das auch so an."
— Kiels Patrick Wiencek zur Favoritenfrage

Für HSV-Trainer Torsten "Toto" Jansen eine "Wettbewerbsverzerrung. Für uns als Aufsteiger ist es natürlich umso wichtiger, eine volle Halle hinter uns zu haben, um Punkte aus Heimspielen holen zu können", sagte der Weltmeister von 2007. Szilagyi will da nicht ganz mitgehen, hat aber Verständnis für die Sorgen der Hanseaten. "Wettbewerbsverzerrung ist ein großes Wort. Ich würde es als Wettbewerbsnachteil bezeichnen", so der THW-Manager. Die SG Flensburg-Handewitt, die heute auswärts in Minden startet, darf zunächst bis zu 4.600 Fans in der "Hölle Nord" empfangen, die eine Kapazität von 6.300 Plätzen hat.

Bohmann rechnet im Herbst mit Hallen-Vollauslastung

"Wir haben auch Hallen, wo nur 500 Zuschauer zugelassen sind. Das ist natürlich eine riesige Diskrepanz", sagte HBL-Chef Frank Bohmann dem NDR. "Wir haben immer noch einen Flickenteppich in Deutschland." Er rechnet bei einer entsprechenden Impfquote schon "Ende Oktober, Mitte November mit Vollauslastung" in den Hallen. "Wenn wir jetzt beweisen, dass wir mit den noch eingeschränkten Zuschauerzahlen nicht zur Infektionslage beitragen, dann sind Einschränkungen irgendwann nicht mehr zu rechtfertigen", so Bohmann.

Frecke: "Sind nun mal ein wirtschaftliches Unternehmen"

Neben der Unterstützung für die Teams geht es bei der Zuschauer-Frage für die Handball-Clubs vor allem um wirtschaftliche Nöte.

"Natürlich versuchen wir, so viele Fans wie möglich in die Halle zu lassen. Da geht es nicht um Gewinnoptimierung, sondern um den Erhalt von Spitzenhandball in Kiel."
— THW-Manager Viktor Szilagyi

Der HSV setzt vorerst auf das 3G-Modell. Ein Umschwenken auf 2G (nur Geimpfte und Genesene) ist aber keinesfalls ausgeschlossen. "Für uns als Verein ist das 2G-Modell vermutlich besser. Aus dem ganz einfachen Grund, weil wir mehr Zuschauer in die Halle lassen dürfen", sagte Geschäftsführer Sebastian Frecke. "Damit steigen die Einnahmen und als wirtschaftliches Unternehmen, das wir nun mal sind, ist darauf Wert zu legen."

Ebenso wie auf den Klassenerhalt. "Das ist das einzige Ziel des Vereins", so Frecke, der vor allem auf Coach Jansen setzt: "Er ist der Vater des Erfolges, hat es geschafft, sich und die Mannschaft weiterzuentwickeln. Wir sind uns sicher, dass er auch die Aufgabe Bundesliga als Trainer bravourös lösen wird."

Der etwas andere HSV: Gekommen, um zu bleiben

Die Hamburger, vor zehn Jahren mit einem von Andreas Rudolph finanzierten Starensemble noch deutscher Meister, sind wiedergekommen, um zu bleiben. Aber anders als früher. "Wir sind kein Mäzen geführter Verein, sondern breit aufgestellt. Wir haben keine Weltstars. Von der Grundkonstruktion her sind wir ein komplett anderer Verein", so Frecke.

THW-Profi Wiencek: "Verstehen uns alle blind"

Die Stars der Szene spielen, Corona-Pandemie hin oder her, in Kiel, Flensburg oder auch bei den Rhein-Neckar Löwen. Für den Kampf um die vorderen Plätze hat THW-Nationalspieler Patrick Wiencek zudem noch die Füchse Berlin, Melsungen und Magdeburg auf der Rechnung. Müsste der Kreisläufer wetten, würde er aber wohl auf seine "Zebras" setzen. "Unser größtes Plus ist unsere Eingespieltheit. Wir verstehen uns alle blind", so Wiencek. "Und mit Nikola Bilyk haben wir sogar noch einen dazu bekommen, der lange verletzt war."

Das Rückraum-Ass des Supercup-Siegers ist nach überstandenem Kreuzbandriss zurück und geht quasi als Neuzugang 9.001 für den THW durch. Kein Wunder, dass Flensburg-Coach Maik Machulla eine ganz einfache Titelrechnung aufmacht: "Jede Mannschaft, die ganz oben dabei sein will, muss am THW Kiel vorbei."

Dieses Thema im Programm:
NDR 2 Sport | 08.09.2021 | 23:03 Uhr

NDR | Stand: 08.09.2021, 16:11

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