Handball-WM: Neue Gesichter jetzt im Rampenlicht

Marcel Schiller, Johannes Golla, Antonio Metzner

Neu-Nationalspieler im DHB-Team

Handball-WM: Neue Gesichter jetzt im Rampenlicht

Von Robin Tillenburg

Uwe Gensheimer und Andreas Wolff sind allen Handballfans längst ein Begriff. Im DHB-Kader stehen aber dieses Jahr einige Akteure, die noch nicht so sehr im Rampenlicht standen, bei der WM aber wichtige Rollen übernehmen könnten.

Johannes Golla (Kreisläufer/Abwehrmitte): Kraftpaket hinten und vorne

Bei der vergangenen Europameisterschaft hatte Johannes Golla noch eine Rolle als Ergänzungsspieler. Ein Jahr später ist er unverzichtbarer Leistungsträger. Diese Entwicklung ist stellvertretend für die vergangenen Jahre des gerade einmal 23-Jährigen. Bei der SG Flensburg-Handewitt lernte er noch ein Jahr an der Seite von Abwehr-Legende Tobias Karlsson das Spiel im Deckungszentrum und hält es nun bei einem internationalen Topklub zusammen. Weil in der deutschen Deckung in Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek und Finn Lemke drei der besten Abwehrspieler fehlen werden, wird Golla von der Edel-Alternative zum Chef.

Johannes Golla im EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich

Johannes Golla

Kaum ein deutscher Handballer hat in den vergangenen Jahren einen solch enormen Entwicklungssprung hingelegt. Golla ist physisch und in Sachen Spielintelligenz bereits auf Top-Niveau unterwegs. Dass er athletisch auch beim Turnier auf allerhöchstem Level gefordert werden wird, scheint sicher. Denn: Auch in der Offensive ist der gebürtige Rüdesheimer ein ganz wichtiger Faktor und wird dort voraussichtlich am Kreis die Hauptlast tragen. In den wichtigen Spielen dürfte Golla einer der Akteure mit den meisten Spielminuten sein.

Sebastian Firnhaber (Kreisläufer/Abwehrmitte): "Flamme" im Zentrum wichtig

Sebastian Firnhaber im EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich

Sebastian Firnhaber

Während Golla so etwas wie der "Shooting Star" am Kreis und vor allem im Deckungszentrum ist, ist Firnhaber in seiner Entwicklung so ein bisschen der Gegenentwurf. Außerhalb des ganz großen Rampenlichts, zumindest seit seinem Wechsel vom THW Kiel zum HC Erlangen im Jahr 2019, hat sich "Flamme" kontinuierlich immer weiter entwickelt und ist nun im Alter von 26 Jahren auf einem Leistungsniveau, das ihn in die Nationalmannschaft befördert hat.

Firnhaber lernte in Kiel unter Bundestrainer Alfred Gislason den Profihandball kennen und dürfte mit der Philosophie des Isländers daher kaum "fremdeln". Er wird voraussichtlich gemeinsam mit Golla zu weiten Teilen den Innenblock der 6-0-Abwehrformation bilden und ihn zumindest ab und zu mal für einige Minuten auch im Angriff entlasten. Generell ist Firnhaber aber der Kandidat für den "Spezialistenwechsel" - mit seiner Übersicht, seinen schnellen Seitwärtsbewegungen und seiner Blockarbeit ist der 1,98-Meter-Mann gerade in der Defensive ein wichtiger Baustein für das DHB-Team.

Antonio Metzner (Rückraum rechts): Für die "einfachen" Tore

Antonio Metzner im EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich

Antonio Metzner

"Antonio...wer?" Antonio Metzner kannten bis vor wenigen Wochen nur die etwas bessere informierten deutschen Handballfans. Der 24-Jährige kam genau wie Firnhaber 2019 nach Erlangen und entwickelte sich dort zum gestandenen Bundesligaspieler. Sein erstes Länderspiel war gleichzeitig auch sein einziges vor der WM. Denn Metzner debütierte erst am 10. Januar beim Kantersieg in der EM-Qualifikation gegen Österreich und war bei seinem Debüt mit fünf Treffern direkt bester Schütze. Das darf natürlich nun nicht überbewertet werden, denn die Österreicher waren an diesem Tag nicht unbedingt in Bestform.

Trotzdem: Metzner kann mit seiner Körperlänge von 207 Zentimetern gegnerische Defensiven dazu zwingen, weit auf ihn herauszutreten, weil er sonst einfach über den Block ins Tor wirft. Das wiederum kommt ihm durchaus entgegen, denn Metzner geht gern auch tief in Zweikämpfe und gilt dabei als besonders unangenehm und schmerzhaft für seine Gegenspieler. Die Österreicher durften sich direkt davon überzeugen. Auch wenn Kai Häfner auf Halbrechts die unumstrittene Nummer eins sein dürfte, hat Metzner gute Karten, die Position dahinter einzunehmen. Dabei konkurriert er mit David Schmidt, der ihm in Sachen Erfahrung zumindest ein großes Turnier voraus hat. Wegen seiner großen Torgefahr könnte Metzner aber aktuell knapp die Nase vorn haben und in einzelnen Momenten für "einfache Treffer" gut sein.

Marian Michalczik (Rückraum Mitte): Deutlich weiter als vor einem Jahr

Marian Michalczik im EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich

Marian Michalczik

Eine Erkenntnis aus den beiden EM-Qualifikationsspielen gegen Österreich war unter anderem: Auf der Spielmacherposition sieht es ein Jahr nach der EM bei den Deutschen etwas besser aus. Hinter Philipp Weber hat Gislason die Wahl zwischen zwei sehr vielversprechenden Talenten: Dem ganz jungen Juri Knorr (20) und dem drei Jahre älteren Marian Michalczik. Der hat bei den Füchsen Berlin noch einmal einen Schritt nach vorn gemacht und wirkte bei seinem Auftritt am Sonntag (10.01.2021) gegen die Österreicher direkt deutlich lockerer und selbstbewusster als noch vor einem Jahr bei seinen fünf Auftritten bei der EM.

Vor allem im Zusammenspiel mit den deutschen Kreisläufern - und auf Schlüsselpositionen in der Abwehr - kann der ehemalige Mindener der Mannschaft wichtige Impulse und dem Angriff ein etwas anderes Gesicht geben. Dass er trotzdem weiterhin noch dazulernen muss und Fehler machen darf, ist ganz normal.

Marcel Schiller (Linksaußen): Mehr als ein Gensheimer-Vertreter

Marcel Schiller im EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich

Marcel Schiller

Es war schon eine kleine Überraschung, als Marcel Schiller im ersten der beiden EM-Qualispiele im Jahr 2021 gegen Österreich auf Linksaußen begann und nicht Uwe Gensheimer. Der hatte allerdings, wie man im Nachhinein hörte, leichte Probleme mit dem Handgelenk. Für das Turnier dürfte Kapitän Gensheimer wie gewohnt die klare Nummer eins sein. Aber: Wer Schiller gegen die Österreicher und auch in den vergangenen Jahren in der Bundesliga beobachtet hat, der muss sich keine Sorgen machen, sollte Gensheimer mal eine Pause benötigen.

Mit 89 Saisontoren hat der Linksaußen von Frisch Auf Göppingen in der Bundesliga sogar zwei Treffer mehr erzielt als sein Kapitän und ist dabei auch extrem sicher vom Siebenmeterpunkt. In der Rotation der Schützen dürfte er hinter Gensheimer im Turnier die Nummer zwei sein. "Im internationalen Vergleich kann man sicher sagen, wir haben Top-Spieler auf den Außenpositionen", sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer nach dem ersten Spiel gegen Österreich und meinte damit auch Schiller - den elffachen Torschützen.

Stand: 13.01.2021, 10:43

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