Handball-WM: Gislasons "Stempel" wird sichtbar

Alfred Gislason und die deutsche Bank jubeln

Nach Sieg über Brasilien

Handball-WM: Gislasons "Stempel" wird sichtbar

Von Robin Tillenburg

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat im Hauptrundenspiel gegen Brasilien gezeigt, dass sie offensiv in der Lage ist, die Pläne des Trainers ziemlich klar zu befolgen. Das ist nach so kurzer Zeit eine wichtige Erkenntnis.

"Man macht die Spielzüge immer so lange bis der Gegner sich drauf eingestellt hat. Und wenn er das nicht schafft, dann sagt man sie halt immer und immer wieder an", erklärt Sportschau-Experte Dominik Klein das Angriffsspiel der Deutschen gegen Brasilien. Um einen Matchplan so konsequent umzusetzen, braucht es Disziplin und das Vertrauen ins eigene System. Das hatte das DHB-Team beim 31:24 (16:12) über die Südamerikaner.

Dominik Klein: "Timing war perfekt"

Gerade zwei Spielzüge waren es, die Bundestrainer Alfred Gislason seiner Mannschaft auf die Fahne geschrieben hatte. Beide haben ihren Ausgangspunkt in einem in die Mitte einlaufenden Außenspieler. "2-3-Zurück ist ein Spielzug, bei dem der Außen in Richtung Abwehrmitte einläuft und dann zurück auf seine Position geht. Dadurch sorgt er für Verwirrung und drängt die Abwehrspieler zurück, sodass die Rückraumspieler das für ihre Eins-gegen-Eins-Situationen und das Spiel mit dem Kreis nutzen können", erklärt Klein, der früher selbst viele Jahre unter Gislason beim THW Kiel gespielt hat.

Der andere Angriffszug, meist von Rechtsaußen Patrick Groetzki im zweiten Durchgang praktiziert, ist ein relativ simpel erscheinendes Einlaufen, das aber vom perfekten Timing lebt. Klein dazu: "Groetzki macht das perfekt und stellt da genau zum richtigen Zeitpunkt einen Schirm für Julius Kühn, der dann nah genug dran ist, um einfache Tore zu erzielen."

"Einläufer" schaffen Platz für Rückraumschützen Sportschau 23.01.2021 00:44 Min. Verfügbar bis 23.01.2022 Das Erste

Klar sichtbarer "Stempel"

Um solche Spielzüge eben mit dem perfekten Timing immer wieder durchführen zu können, braucht es klare Absprachen, viel Training und taktische Disziplin aller Beteiligten. Dass das, auch wenn die Brasilianer sich in der Deckung nicht immer optimal anstellten, zu diesem frühen Zeitpunkt mit dieser neu formierten Mannschaft so gut funktionierte, war eine Erkenntnis, die den Bundestrainer freute. "Wir haben uns taktisch im Angriff gut weiterentwickelt. Ich mache der Mannschaft ein riesiges Kompliment, wie schnell sie das umsetzt", erklärte Gislason beim ZDF.

Von einer "Handschrift" des Trainers Gislason zu sprechen, ist zu diesem Zeitpunkt etwas zu früh, denn gerade die Abwehrarbeit ist noch lange nicht da, wo der Isländer sie haben will. Johannes Golla und Fabian Böhm machten ihren Job im Innenblock zwar gut, aber mannschaftstaktisch war da noch viel Luft nach oben. Doch es ist zumindest ein "Stempel", den der Bundestrainer seiner Mannschaft an diesem Tag aufgedrückt hatte - und der eben auch klar sichtbar war.

Weber als Kopf der Mannschaft

Eigentlich alle im Angriff eingesetzten Spieler machten ihren Job an diesem Samstagabend taktisch wirklich gut, besonders stark aber: Der beste Torschütze Golla, der von den Freiräumen am Kreis profitierte, und Spielmacher Philipp Weber. Weber bekam vom Bundestrainer kaum mal eine Pause - ein klares Indiz: Der Leipziger ist unter Gislason mehr denn je der Kopf der Mannschaft. "Weber hat sich gegen Ungarn frei gespielt. Dieses Selbstvertrauen trägt. Man sieht auch in den Trainingsbildern immer wieder, wie Alfred sich öfter mit ihm austauscht und ihm das Vertrauen gibt. Weber hat das System schnell verstanden und hat auch die Torgefahr aus dem Rückraum. Das war auch heute wieder hervorragend", analysiert Klein die Leistung des Leipzigers.

Das Fundament festigt sich

Aus einem bestehenden und nachweislich funktionierenden "Plan A" agieren zu können und sich in schwächeren Phasen wie in der Mitte des zweiten Durchgangs, dann nach einer Auszeit wieder auf eben diesen berufen und zurückgreifen zu können, ist ein wichtiges Grundgerüst. Auch in der zweiten Halbzeit gegen Ungarn und Spanien konnte die Mannschaft die Anweisungen Gislasons im Angriff eigentlich fast immer spielerisch umsetzen.

Dass die Chancenverwertung dabei oft nicht optimal war, trübte ein wenig den Eindruck und auch gegen Brasilien verhinderten kleine Ungenauigkeiten bei Abspielen und Abschlüssen teilweise noch mehr erfolgreiche Angriffe. Aber das Fundament, aus dem die DHB-Auswahl agiert, scheint sich langsam zu festigen. Für die im März anstehende Olympia-Qualifikation lässt das Raum für Hoffnung.

Stand: 23.01.2021, 22:52

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