Gwinn will Algarve-Cup gewinnen

Gulia Gwinn führt den Ball im Dress der deutschen Nationalmannschaft

Frauen-Nationalmannschaft

Gwinn will Algarve-Cup gewinnen

Giulia Gwinn gilt als das Gesicht einer neuen Generation im deutschen Frauenfußball. Im Halbfinale des Algarve-Cups gegen Norwegen sollen die nächsten Fortschritte der Nationalmannschaft sichtbar werden.

Bei der Frage nach ihrem Vorbild in der Männer-Mannschaft des FC Bayern muss Giulia Gwinn nicht lange überlegen. "Ja, Kimmich", sagt die 20-Jährige ohne Zögern. "Ich finde seine Spielweise total cool. Ich schaue ihm gerne zu. Wie er auftritt, wie er sich entwickelt hat von einem eher ruhigen Spieler zu einer Führungskraft", erzählt die Nationalspielerin vor dem Halbfinale des Algarve-Cups gegen Titelverteidiger Norwegen am Samstag (07.03.2020) in Lagos.

Die Defensiv-Allrounderin vom FC Bayern München darf ohne Übertreibung als Shootingstar der deutschen Frauen-Nationalmannschaft bezeichnet werden. Für ihre Auftritte bei der WM im vergangenen Jahr, als sie in jeder Partie auf dem Platz stand und im ersten Spiel den Siegtreffer zum 1:0 über China erzielte, kürte sie der Fußball-Weltverband zur besten Nachwuchsspielerin des Turniers.

Beliebt bei den Fans

In einer Fan-Umfrage des DFB wurde sie mit über 50 Prozent der Stimmen zur Nationalspielerin des Jahres 2019 gewählt. In den sozialen Netzwerken hat sie die meisten Follower im deutschen Frauenfußball. Viele interessieren sich für die ehemalige Freiburgerin, die nebenbei noch ein Fernstudium in Sportmanagement absolviert. Dem Magazin "Socrates" gab Gwinn zuletzt ein langes Interview, in dem sie auch Persönliches preisgab, über ihre Rolle als Influencerin sprach oder ihre dreimonatige Verletzungspause wegen einer Schulteroperation am Ende des vergangenen Jahres reflektierte.

Im Nationalteam zählt sie zu den Spielerinnen um Lena Oberdorf (SGS Essen/18), Klara Bühl (SC Freiburg/19) oder Lena Lattwein (TSG Hoffenheim/19), denen dank Unbekümmertheit, Frechheit und Spielwitz die Zukunft gehört. Von der "Generation Gwinn" ist längst die Rede. "Als ich das las, musste ich schmunzeln. Ich will mir nicht anmaßen, für eine ganze Generation zu stehen. Aber ich kann sehr wohl für mich sprechen. Und der Nachname Gwinn verpflichtet natürlich in gewisser Weise", sagt sie.

Auf der Straße öfter erkannt

Wenn Gwinn nun im Teamhotel bei Almancil in der ausladenden Lobby mit Blick auf das Wasserbassin inmitten der gepflasterten Auffahrt sitzt, wägt sie ihre Antworten sorgsam ab und spricht leise und überlegt. Sie weiß sehr wohl, dass sie seit der WM und auch seit ihrem Wechsel im Sommer vom SC Freiburg zu den Bayern stärker in den öffentlichen Fokus gerückt ist. Auf der Straße werde sie jetzt öfter erkannt, wenn sie in München Essen gehe oder ins Kino, erzählt Gwinn schmunzelnd.

Doch trotz aller Annehmlichkeiten abseits des Platzes lässt sie an ihrer Prioritätensetzung keinerlei Zweifel aufkommen. Ebenso fix wie zum Thema Vorbild antwortet Gwinn auf die Frage nach ihren Zielen. "Auf jeden Fall Titel holen", sagt sie. Ob im Verein ("Wenn man beim FC Bayern spielt, werden Titel erwartet oder zumindest, dass man darum mitspielt") oder in der Nationalmannschaft ("Wenn man bei einer WM oder EM dabei sein darf, ist es unser aller Anspruch, um den Titel mitzuspielen").

Dies gelte auch für den Algarve-Cup - obwohl Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg personelle Experimente für das Norwegen-Spiel angekündigt hat und Gwinn auch erst einmal wie viele andere Stammkräfte auf der Bank sitzen könnte. "Natürlich wollen wir das Turnier hier gewinnen", sagt Gwinn. Die Bundestrainerin aber setzt andere Prämissen, die eine radikale Rotation so begründete: "Wenn nicht hier, wann dann?"

dpa | Stand: 06.03.2020, 16:37

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