Die deutschen Fußballverbände und ihre möglichen Saisonszenarien

Schild vor einem Fußballplatz mit der Aufschrift Platz gesperrt

Coronakrise im Amateurfußball

Die deutschen Fußballverbände und ihre möglichen Saisonszenarien

Von Jo Herold

Der Amateurfußball ruht in Deutschland wegen der Coronakrise auf unbestimmte Zeit. Wie es danach weitergeht? Bis auf wenige Ausnahmen ist noch nichts entschieden. Die Vereine wurden von ihren Verbänden befragt - viele wünschen sich einen Saisonabbruch. Ein Überblick über die Sachstände in den 21 deutschen Fußballverbänden.

Fußball-Regional-Verband Südwest

Im Fußballverband Rheinland (FVR) nahmen 68 Prozent an einer Umfrage teil. Das Ergebnis: Mehr als 83 Prozent der Teilnehmer sprachen sich für einen Abbruch der Saison aus. "Das Ergebnis ist ein Meinungsbild, keine Entscheidung", sagte FVR-Präsident Walter Desch, "die Zahlen werden jedoch in die abschließend vom Beirat zu treffende Entscheidung einfließen."

Der Vorstand des Saarländischen Fußballverbandes (SFV) gab am 30. April bekannt, einen außerordentlichen virtuellen Verbandstag einzuberufen. Einziges Thema sei die Klärung, wie es mit dem Spielbetrieb weitergehen solle. Ein Datum für den Verbandstag ist noch nicht festgelegt.

Das Präsidium des Südwestdeutschen Fußballverbandes (SWFV) empfiehlt seinen Vereinen, den Spielbetrieb bis zum 31. August auszusetzen. Sollten die "staatlichen Verfügungen" es zulassen, soll der Spielbetrieb am 1. September wieder aufgenommen werden. Bis zum 4. Mai haben die Verbandsmitglieder die Möglichkeit, eine Rückmeldung zur Empfehlung des Präsidiums abzugeben. Danach entscheide der Verband über das weitere Vorgehen.

Norddeutscher Fußballverband

Der Bremer Fußballverband (BFV) teilt auf seiner Homepage mit: "Derzeit ist nicht absehbar, wann der Spielbetrieb aufgenommen werden kann." Der Verband listet u.a. auch die Möglichkeit auf, dass die Saison 19/20 eventuell auch erst 2021 ende, falls kein Spielbetrieb bis Ende des Kalenderjahres 2020 möglich sei. Ein Saisonabbruch könne rechtlich wohl nur auf einem außerordentlichen Verbandstag getroffen werden.

Der Hamburger Fußball-Verband (HFV) will "seine Vereine umfangreich in der 19. Kalenderwoche" über das weitere Vorgehen informieren. Dort allerdings hatte man sich erhofft, nach der Kanzler-Runde am 30. April weiter in die Planungen einsteigen zu können.

Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) weist darauf hin, dass der Trainings- und Spielbetrieb auf unbestimmte Zeit ausgesetzt sei. 68 Prozent der an einer Umfrage des NFV teilnehmenden Vereine hatten sich für einen Saisonabbruch ausgesprochen. Spätestens am 11. Mai will der Verbandsvorstand "die weitere Vorgehensweise" festlegen.

Die Spielzeit 2019/20 wird in den Spielklassen des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV) nicht über den 30. Juni 2020 hinaus verlängert. Das entschied das SHFV-Präsidium in einer außerordentlichen Sitzung. Die Saison wird damit ohne weiteren Spielbetrieb auslaufen. Die Regelung gilt für alle Alters- und Spielklassen im Bereich des SHFV und der Kreisfußballverbände. Wie die bisherigen Ergebnisse der Saison 2019/20 gewertet werden, und wie mit Auf- und Abstiegen sowie den Pokalwettbewerben verfahren wird, wird das Präsidium in der nächsten ordentlichen Sitzung am Samstag (09.05.2020) entscheiden. Die neue Spielzeit 2020/21 soll nach Möglichkeit am 1. September 2020 beginnen.

Nordostdeutscher Fußballverband

Auch im Bereich des Landesfußballverbandes Mecklenburg-Vorpommern (LFVM-V) gab es mit 81 Prozent ein klares Votum der Vereine für eine vorzeitige Beendigung der Spielzeit. Eine endgültige Entscheidung hinsichtlich der Beendigung oder der Fortsetzung der Saison soll am nächsten Donnerstag (07.05.2020) auf einer erweiterten Vorstandssitzung des LFV mit den Kreisvorsitzenden getroffen werden. "Wir wollen die Vereine nicht länger im Unklaren lassen", sagte LFV-Präsident Joachim Masuch.

Viel Aufwand betreibt der Fußballverband Sachsen-Anhalt (FSA) für die Befragung seiner Mitglieder. In insgesamt fünf Videokonferenzen werden Meinungen aus den Vereinen abgefragt. Laut FSA sei nach zwei Konferenzen eine Tendenz erkennbar: Es gebe eine Mehrheit, die sich für einen Abbruch der Saison ausspreche, allerdings gebe es auch viele offene Fragen. Am 7. Mai werde eine Videokonferenz des FSA-Vorstandes stattfinden.

Auch der Berliner Fußball-Verband (BFV) machte sich per Video ein Bild von der Stimmung in seinen Mitgliedsvereinen. Aktuell geht das Präsidium nicht davon aus, dass die Saison 2019/20 bis zum 30. Juni ordnungsgemäß zu Ende geführt werden kann, viele Mitgleider hatten sich einen Abbruch gewünscht. Das Präsidium des BFV respektiert die Meinung der Vereine, sieht jedoch den Verband Haftungsrisiken ausgesetzt. Daher werden die Berliner Vereine in einem außerordentlichen virtuellen Verbandstag am 20. Juni über die Entscheidung Saisonabbruch oder Saisonverlängerung abstimmen.

Der Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) verweist auf seiner Homepage auf die Kanzlerrunden am 30. April und 6. Mai. Danach würden dem Vorstand "finale Vorschläge und deren Auswirkungen vorgelegt" werden. Abschließend heißt es beim FLB: "In der ersten Maihälfte wird der FLB dann seine Entscheidungen über den Spielbetrieb im Männer-, Frauen- und Nachwuchsbereich bekannt geben."

Der Thüringer Fußball-Verband (TFV) hat für Samstag (02.05.2020) alle rund 640 aktiven Vereine zu einer Videokonferenz eingeladen. Die Online-Veranstaltung ist sowohl als Information als auch als Abfrage des Meinungsstandes zum Spieljahr 2019/20 gedacht. Alle Vereine haben im Anschluss die Möglichkeit zur Abstimmung. Die soll in die Entscheidung des TFV-Vorstandes, der sich am Dienstag (05.05.2020) zu einer Video - und Telefonkonferenz trifft, einfließen. Nachdem es vermutlich aber erst am 6. Mai definitive Aussagen seitens der Regierung zum Sportbetrieb geben wird, scheint eine Verlegung des TFV-Vorstandstermins wahrscheinlich.

Die Konferenz der Kreis- und Stadtfußballpräsidenten im Sächsischen Fußball-Verband (SFV) hat am 21. April zur Abstimmung über die Saison 2019/2020 eine erste Tendenz ergeben. Es ist noch keine endgültige Entscheidung, aber eine Richtung. Die Mehrheit der Verantwortlichen hat sich für ein Auslaufen der Saison zum 30. Juni 2020 ausgesprochen. Auch hier war für den 5. Mai eine weitere Konferenz geplant, die wegen der am 30. April verschobenen Entscheidung in der Bund-Länder-Konferenz vermutlich zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt wird.

Süddeutscher Fußballverband

Auch im Badischen Fußballverband (bfv) setzt man auf Videokonferenzen mit den Mitgliedern. Vier Schalten hatte es bis zum 23. April gegeben, weitere sollten mit den Kreis-, Frauen- und Jugendstaffeln folgen. Die Landesverbände im Südwesten hätten laut bfv-Vizepräsident Rüdiger Heiß ein eigenes Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, von dem man sich Empfehlungen erwarten würde. Weitere Informationen zu geplanten Terminen stellt der bfv derzeit nicht zur Verfügung.

Klare Ansage beim Bayerischen Fußball-Verband (BFV): "Der BFV hat den kompletten Spielbetrieb bis mindestens 31. August 2020 ausgesetzt und wird die Saison 2019/20 danach ab 1. September - wenn durch staatliche Vorgaben möglich - auf sportlichem Weg zu Ende bringen." Damit sind die Bayern bislang der einzige Verband, bei dem bereits jetzt ein Saisonabbruch komplett vom Tisch zu sein scheint.

Der Hessische Fußball-Verband (HFV) verweist - in einer älteren Stellungnahme vom 19. April - auf ein heterogenes Bild in seinen Vereinen. "Das Ziel des HFV ist es, dass die Saison 2019/2020 auf dem Platz abgeschlossen wird. Ob dies gelingt, muss abgewartet werden", heißt es dort. Dass es Ergebnisse einer für den 2. Mai einberufenen Verbandsberatung geben wird, ist nicht zu erwarten.

Im Rahmen einer "digitalen Tagung" informierte der Südbadische Fußballverband (SBFV) am 19./20. April seine Mitglieder über die aktuelle Situation. "Das Minimalziel im Spielbetrieb muss eine einheitliche Lösung in Baden-Württemberg sein, da für alle drei Verbände die gleiche Verordnung der Landesregierung gilt", wird SBFV-Vize Christian Dusch zitiert.

Beim Württembergischen Fußballverband (wfv) gibt man sich zurückhaltend: "Auch vor dem Hintergrund ständig neuer Wasserstandsmeldungen hinsichtlich der Fortführung der Saison sind wir gut beraten, einen kühlen Kopf zu bewahren und alle möglichen Alternativen auf die wichtigen Kriterien hin intensiv zu prüfen", wird wfv-Präsident Matthias Schöck zitiert, "uns allen ist bewusst, dass der Fußball eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft spielt, aber im Moment angesichts der gesundheitlichen Herausforderungen in den Hintergrund treten muss."

Westdeutscher Fußballverband

Auch der Fußballverband Niederrhein (FVN) hat per Video Meinungen von 144 Mitgliedsvereinen eingeholt. Wie in vielen anderen Verbänden sprachen sich die Vereinsvertreter mehrheitlich für einen Saisonabbruch aus. Peter Frymuth, Präsident des FVN, verweist darauf, dass sich zuerst der Beirat des FVN auf einen eventuellen Saisonabbruch verständigen müsste, bevor ein außerordentlicher Verbandstag einen entsprechenden Beschluss fassen könnte. Man habe das Ziel, "circa Mitte Mai eine Entscheidung herbeizuführen", so Frymuth.

Ein überraschendes, vom sonstigen Stimmungsbild in deutschen Vereinen abweichendes Umfrageergebnis ergab eine Befragung im Fußball-Verband Mittelrhein (FVM): Knapp mehr als die Hälfte der Vereine wünschen sich dort eine Fortsetzung des Spielbetriebs in der Saison 19/20. "Präsidium und Beirat haben aus voller Überzeugung einstimmig für die Fortsetzung der Saison votiert. Dann muss man diese Position auch öffentlich vertreten", so FVM-Präsident Bernd Neuendorf. Man habe "in den Videokonferenzen und auch im Nachgang in persönlichen Telefonaten für eine Stimmabgabe allgemein geworben und viele offene Fragen beantwortet. Dafür gab es viel Zuspruch", so Neuendorf. Zu diesem knappen Meinungsbild würden sich die Gremien in den nächsten Tagen intensiv austauschen.

Der Verbands-Fußball-Ausschuss des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) wird am 5. Mai eine Empfehlung zur Saisonwertung an das Präsidium und die Ständige Konferenz aussprechen. Diese sieht eine Wertung der Saison mit Aufsteigern und ohne Absteiger vor. Das hat die Beratung des Gremiums nach Abschluss der Videokonferenzen mit den Vereinen sowie das Ergebnis des extern beauftragten Rechtsgutachtens ergeben.

"Die zuständigen Rechtsexperten haben ganz klar formuliert, dass ein Saisonabbruch – auch bei höherer Gewalt wie der Corona-Pandemie – nicht zum Nachteil der Vereine gewertet werden soll", sagt FLVW-Vizepräsident Amateurfußball Manfred Schnieders. Eine komplette Annullierung der Saison 2019/20 ist demzufolge keine Option mehr für den Verband. Der Verbands-Fußball-Ausschuss wird deswegen eine Wertung der Spielzeit mit Aufsteigern vornehmen. Wie diese final aussehen wird, stehe aktuell noch nicht fest, so der FLVW.

Stand: 02.05.2020, 11:04

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