Krefeld Pinguine - täglich Neues aus dem Eishockey-Tollhaus

Krefelds Niklas Postel (l.) im Zweikampf mit Bremerhavens Ross Mauermann.

Krefeld Pinguine - täglich Neues aus dem Eishockey-Tollhaus

"EC Hollywood" am Niederrhein: Die Krefeld Pinguine versinken schon vor dem DEL-Start im Chaos. Täglich gibt's neue Schreckensmeldungen.

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht irgendein Konkurrent in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) einen Neuzugang aus Krefeld präsentiert: Zuletzt verabschiedeten sich Wade Bergman und Ex-Nationalspieler Kai Hospelt von den Pinguinen, zuvor war bereits unter anderem Kapitän Torsten Ankert nach Iserlohn gewechselt. Stürmer Eugen Alanov meinte nach seinem Abgang nach Düsseldorf: "Vielleicht kann ich jetzt wieder besser schlafen."

Seit der Deutsch-Russe wie viele andere Neue im September einen Vertrag in Krefeld unterschrieben hatte, erlebte er ein Stück aus dem Tollhaus. Erst flüchtete Geschäftsführer Roger Nicholas aus der Verantwortung, und der neue Schweizer Investor Stefano Ansaldi setzte den erst 24-jährigen Sergey Saveljev, eigentlich als Chefscout vorgesehen, als dessen Nachfolger ein.

Schlechtes Management?

Der Saisonstart wurde wegen Corona verschoben, für das Vorbereitungsturnier MagentaSport Cup verpflichtete Saveljev aber munter zusätzliche Spieler - sehr zum Unmut von Ankert und Co., die angesichts der Pandemie um ihre berufliche Zukunft fürchteten. Erst als die DEL-Zentrale die Krefelder daran erinnerte, dass für die zweimal verschobene Saison mit Geisterspielen ab 17. Dezember die Kosten drastisch gesenkt werden müssten, rief der neue Geschäftsführer Hals über Kopf eine Teamsitzung ein.

Zusätzlichen Gehaltsverzicht, den die anderen Klubs längst vereinbart hatten, forderte Saveljev zu nächtlicher Stunde in der Kabine. Die Spieler streikten vor dem Spiel am nächsten Abend und verweigerten das Aufwärmprogramm - auch weil ihr Gehalt noch nicht ausgezahlt worden war. Fünf Tage später warf Trainer Glen Hanlon das Handtuch, mehrere Spieler verschwanden gleich mit. Das NHL-Toptalent Dominik Bokk, das die Pinguine mit viel Trara verpflichtet hatten, war da schon lange wieder weg.

Streit mit Pietta vor Gericht

Zu allem Überfluss streitet sich der Klub auch noch mit seinem einstigen Aushängeschild Daniel Pietta vor dem Arbeitsgericht. Der Zehnjahresvertrag, den der Nationalspieler 2015 erhielt, sei eigentlich nur ein Arbeitspapier, das jährlich verlängert werden müsse, argumentierten die Pinguine nach der Kündigung. Das sah nicht nur die Richterin anders, die von einem ausstehenden Gehalt von einer Million Euro brutto ausging und als Vergleich 350.000 Euro vorschlug. Saveljev war wenig begeistert und verweigerte Pietta erst einmal die Freigabe für seinen neuen Klub ERC Ingolstadt.

Wie groß die finanziellen Probleme in Krefeld sind, weiß niemand genau. "Alles gut", betonte Saveljev immer wieder. Es gebe "momentan keinen Anlass, Zweifel am Haushaltsplan zu hegen", sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. Wer überhaupt die Rechnungen bezahlt, ist offen. Ansaldi, der mit seinem Einstieg im April dem umstrittenen russischen Geldgeber Michail Ponomarew folgte und die Insolvenz abwendete, tauchte nie auf und äußerte sich auch nie öffentlich.

Fans haben die Nase voll

Die Fans haben von ihrem "EC Hollywood" längst die Nase voll. Die Verantwortlichen sollten dafür sorgen, "dass wir kein Mitleid mehr von den Gegnern abkriegen. Dass wir nicht mehr jede Freakwertung der Liga gewinnen", schrieb das Fanprojekt in einem offenen Brief und forderte, dass "die Pinguine nicht zur undurchsichtigen Ego-Show verkommen".

sid | Stand: 02.12.2020, 15:04

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