Uli Hoeneß (l.) und Oliver Kahn (r.) sitzen nebeneinander auf der Tribüne in der Allianz-Arena.

Bayern-Krach geht weiter "Totale Hektik" - Hoeneß teilt gegen Kahn aus

Stand: 29.05.2023 14:52 Uhr

Obwohl Oliver Kahn ein persönliches Gespräch mit den Bayern-Bossen angekündigt hat, kritisiert nun auch Uli Hoeneß den ehemaligen Vorstandschef des Klubs.

Die nächste Runde im Krach rund um die Entlassung von Oliver Kahn. Nun hat Uli Hoeneß weitere Vorwürfe erhoben, dem geschassten Vorstandschef von Bayern München aber auch die Hand zur Versöhnung gereicht. "Im Nachhinein" betrachtet, sei es ein Fehler gewesen, den einstigen Kapitän zum CEO zu machen, meinte Hoeneß im "Kicker", "das muss man so sagen."

Kahn sei "ein hochintelligenter Mann, der Austausch mit ihm macht Spaß", führte Hoeneß aus, aber: "Die große Enttäuschung liegt darin, dass ich gedacht habe, er könnte das Amt qua seiner Persönlichkeit allein ausfüllen, doch er hat sich stattdessen mit seinen Beratern umgeben." Diese hätten für "die katastrophal schlechte Stimmung" im Klub gesorgt.

"Entscheidung musste so getroffen werden"

Dennoch möchte Hoeneß im Guten mit Kahn auseinandergehen. "Ich habe großen Respekt vor der Person, als Spieler hat er viel geleistet. Auch wenn er als CEO die Erwartungen nicht erfüllt hat, steht meine Tür für Oliver immer offen", betonte er.

Der 71-Jährige stützte zudem die Darstellung von Präsident Herbert Hainer zur Trennung von Kahn, der dieser widersprochen hatte. "Es war kein angenehmes Gespräch", erzählte Hoeneß. Kahn habe sich verbal auf den neuen Chef Jan-Christian Dreesen eingeschossen. Deshalb habe man ihm nahegelegt, nicht mit zum Titelfinale nach Köln zu reisen. Die Trennung hatte laut Hoeneß nichts mit dem Ausgang der Saison zu tun. "Wir hätten auch bei drei Titeln so gehandelt, die Entscheidung musste so getroffen werden."

Kahn kündigt Gespräch mit FCB-Bossen an

Kahn hatte zuvor nach dem Streit um seinen Abschied vom FC Bayern ein klärendes Gespräch mit der Vereinsspitze angekündigt. "Wir werden uns - wenn alles abgekühlt ist - zusammensetzen und in Ruhe über alles sprechen", sagte der 53-Jährige am Sonntag (28.05.2023) der "Bild". Sein Verhalten nach der Trennung verteidigte er: "Dass ich enttäuscht bin, gestern nicht mehr bei der Mannschaft gewesen zu sein, kann sicher jeder nachvollziehen."

Der FC Bayern hatte am Samstag unmittelbar nach dem Gewinn des elften Meistertitels in Serie die Trennung von Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic öffentlich gemacht. Beide waren am Freitag nach einer Aufsichtsratssitzung über die Entscheidung informiert worden. Vereinspräsident Herbert Hainer hatte das Gespräch mit Kahn im Nachhinein als "nicht einvernehmlich" bezeichnet.

Kahn auch nicht bei Meisterfeier dabei

Der frühere Nationaltorhüter war dann am Samstag nicht beim entscheidenden Spiel in Köln und auch nicht bei der Meisterfeier. Hainer begründete das mit dem Ablauf am Donnerstag und Freitag. Kahn hatte zuvor auf Twitter geschrieben, es sei ihm "vom Klub untersagt" worden.

Als gescheitert sieht sich Kahn nach zwei Jahren als Vorstandsvorsitzender beim FC Bayern aber nicht an. "Ich habe diese Verantwortung übernommen, weil ich dem Klub etwas zurückgeben wollte", sagte der 53-Jährige. "Das war nach der sehr erfolgreichen Zeit mit Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge keine einfache Aufgabe."

Auf seine Zeit bei den Münchnern blickt Kahn dennoch mit positiven Gefühlen zurück. "Der Klub befindet sich aktuell in einer Übergangsphase, die immer schwierig ist und in der auch mal Fehler passieren. Auch wenn die aktuelle Situation gerade nicht einfach ist, überwiegen für mich die vielen großartigen Erlebnisse mit dem FC Bayern bei Weitem die negativen", sagte er. "Das wird sich auch durch die Irritationen der letzten Tage nicht ändern."

Salihamidzic-Nachfolge ungeklärt

Mit der Suche nach einem Nachfolger für den ebenfalls geschassten Sportvorstand Hasan Salihamidzic will sich der FC Bayern indes Zeit lassen. Laut Hoeneß soll er bis spätestens Weihnachten gefunden sein. Suchen werden ihn Hoeneß, Hainer, Dreesen und der frühere Boss Karl-Heinz Rummenigge, der am Dienstag (30.05.2023) in den Aufsichtsrat einziehen soll. Der Vierer-Rat übernehme zudem in enger Absprache mit Trainer Thomas Tuchel zunächst die Kaderplanung.