Wintersport - die Lust auf Olympia in Peking hält sich in Grenzen

Severin Freund

DSV-AthletInnen vor der neuen Saison

Wintersport - die Lust auf Olympia in Peking hält sich in Grenzen

Die Vorfreude auf Olympia in Peking ist im deutschen Wintersport vor dem Saisonstart überschaubar.

Die Skisprung-Schanze in Peking kennt Severin Freund bislang nur von Fotos, ein Wintersport-Flair ist in China auch nicht zu erwarten, und dann sind da ja noch die Corona-Auflagen. "Bei mir gibt es diesen Winter ein anderes Highlight", sagt Freund kurz vor dem Saisonstart - und meint die Skiflug-WM in Vikersund. "Ganz ehrlich: Skifliegen in Norwegen macht etwas anderes mit mir als Olympia in China", sagt Freund.

Eisenbichler brennt nicht für Peking

Auch anderen Athletinnen und Athleten geht es so. "Olympia ist nicht das Ding, wo ich sage, da brenn ich drauf", sagte auch Freunds Teamkollege Markus Eisenbichler am Donnerstag. Hinzu kommen organisatorische Probleme.

DSV Alpindirektor Wolfgang Maier

DSV Alpindirektor Wolfgang Maier

Alpin-Chef Wolfgang Maier berichtete von bereits gebuchten und angezahlten Quartieren, die dem Team wieder gestrichen wurden. "Wir wurden zwangsausquartiert, weil die Außenquartiere jetzt staatlich angeordnet zurückgenommen wurden", sagte Maier.

Maier hat zudem die Olympia-Piste noch nie mit eigenen Augen gesehen, weil die eigentlich vorgeschriebenen Testwettbewerbe alle abgesagt wurden.

Nordische Kombinierer sollen Infos sammeln

Ähnlich geht es den Springern und Biathleten. Biathlon-Bundestrainer Mark Kirchner: "Die Chinesen machen es uns nicht gerade leicht, ins Land zu kommen und Dinge in Augenschein nehmen zu können. Es war schon schwierig, ein Streckenprofil zu bekommen."

Immerhin: Die Nordischen Kombinierer sind in wenigen Wochen mit dem zweitklassigen Continental Cup in Peking zu Gast. Die deutschen Athletinnen und Athleten sollen vor Ort so viele Informationen wie möglich sammeln. "Wir rüsten sie mit einer 3D-Kamera aus, mit der sie springen sollen", sagt Bundestrainer Hermann Weinbuch: "Und sie sollen alle Gegebenheiten filmen, damit wir wissen, wie die Umkleide aussieht, oder wo es zur Laufstrecke geht."

Mit 3D gegen die Fragezeichen

Die Alpinen wollen sogar anhand von Fotos 3D-Modelle des Berges und der Pisten erstellen. Und dann sind da noch die vielen Fragezeichen hinsichtlich der Corona-Maßnahmen. "Ich habe noch immer das Bild von Simon Geschke im Kopf", sagt Skicross-Chef Heli Herdt über den Radprofi, der bei Olympia in Tokio nach einem positiven Test für mehr als eine Woche im tristen Quarantäne-Hotel bleiben musste. "Und in Japan waren wir in einem demokratischen Land, nun sind wir in einer Diktatur", so Herdt.

Für die wenigen noch anstehenden Testevents in Peking wird die eigentlich vorgeschriebene dreiwöchige Quarantäne allerdings ausgesetzt. Gefordert wird nur noch eine zweiwöchige Dokumentation des Gesundheitszustands, ein aktueller PCR-Test und möglichst eine Impfung.

Bobfahrer Friedrich ist bereits in China

Bob-Star Francesco Friedrich befindet sich derzeit zum Training in Yanqing, rund 90 Kilometer nordwestlich von Peking. Der Vorgeschmack auf gesperrte Autobahnen, Polizei-Eskorten und Trennwände auf den Tischen beim Essen machte Friedrich nichts aus. "Wir haben wahnsinnig viel Spaß hier", berichtete er.

Skisprung-Bundestrainer Stefan Horngacher ist sich jedenfalls sicher, dass sich bei seinen Athleten das olympische Fieber "im Laufe des Jahres noch entwickeln wird". Vielleicht ja sogar bei Severin Freund.

Sportschau Thema: Peking und Katar – Milliarden statt Moral Sportschau Thema 10.10.2021 59:25 Min. Verfügbar bis 10.10.2022 Das Erste

sid | Stand: 15.10.2021, 13:22

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