Coronavirus hält Sportwelt in Atem

Grünes Licht für den Weltcup in La Thuile.

Vorsichtsmaßnahmen aller Orten

Coronavirus hält Sportwelt in Atem

Die Angst vor dem Coronavirus geht auch im Wintersport-Zirkus um. Beim Alpinen Weltcup im italienischen La Thuile und bei der Bob-WM im sächsischen Altenberg wurden Maßnahmen ergriffen, die eine mögliche Ansteckung vermeiden sollen.

La Thuile liegt nur drei Autostunden von den am meisten von den Infektionen betroffenen Gebieten in Norditalien. In dem Ski-Ort im Nordwesten sind zwei Frauenrennen geplant. Um die Gefahr einer möglichen Verbreitung des Virus zu minimieren, beschlossen die Veranstalter und der Weltverband FIS Interview-Verhaltensregeln für den Super-G am Samstag (10.30 Uhr im Ticker bei sportschau.de) und die Alpine Kombination am Sonntag (11.15 Uhr im Ticker bei sportschau.de und im Livestream im Ersten).

Mindestabstand von anderthalb Metern

So müssen Reporter, Kamerleute und Fotografen bei Interviews mit den Sportlerinnen in der Mixed-Zone einen Mindestabstand von anderthalb Metern halten. Zudem soll bei jedem Sportler die Schutzhülle gewechselt werden. Auch die TV-Moderatoren sind aufgefordert, bei den Liveübertragungen diesen Abstand einzuhalten. Darüber hinaus sollen beide unterschiedliche Mikrofone benutzen.

Um die Kontakte auf ein Minimum zu beschränken, wurden zudem sämtliche Pressekonferenzen, Siegerzeremonien und Startnummernvergaben gestrichen. Jedem Journalisten und Ehrengast ist zudem verboten, den Sportlerinnen die Hand zu geben.

Landratsamt befragt Teilnehmer der Bob-WM in Altenberg

Am Freitag wurde auch bekannt, dass das Landratsamt des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Maßnahmen vor der Bob-WM in Altenberg Maßnahmen ergreift, um eine mögliche Ausbreitung des Coronavirus zu unterbinden. Neben einer aktiven Einlasskontrolle müssen Sportler, Betreuer, Funktionäre und Medien einen Fragebogen ausfüllen. "Die Maßnahmen" erachtet das Landratsamt als erforderlich, um aufgrund der Internationalität der Wettkämpfe "die Wahrscheinlichkeit des Eintrags und der massiven Ausbreitung des Virus in der Region zu verringern", heißt es.

In dem auszufüllenden Fragebogen muss bestätigt werden, dass man sich in den letzten 14 Tagen nicht in den "Risikogebieten" in China, Iran, Italien und Südkorea aufgehalten habe. Zudem muss bestätigt werden, dass man nicht mit infizierten Personen in Kontakt getreten ist und auch keine Symptome wie Husten, Fieber, Atemnot aufweist.

Mediziner rät Athleten von Autogrammen ab

Der Sportmediziner Wilhelm Bloch rät Athleten wegen des Coronavirus generell dazu, direkt nach Wettkämpfen keine Autogramme oder Interviews zu geben. Zwar bestehe bei Spitzensportlern im Vergleich zur Normalbevölkerung grundsätzlich kein höheres Risiko einer Erkrankung am Coronavirus. Nach hohen Belastungen würde die Barriere für Erreger in den oberen Atemwegen jedoch etwas "löchriger" werden, weil sie dann mehr atmen, sagte der Professor von der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Das gelte aber nur für einige Stunden und besonders bei ungünstigen klimatischen Bedingungen. "Aber über das ganze Jahr betrachtet werden Hochleistungssportler eigentlich weniger krank als der Otto-Normalverbraucher", sagte der Leiter des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin. Denn ein Sportler sei "besser in der Lage, eine unspezifische Entzündungsreaktion auszubalancieren, weil er permanent lernt, durch Training mit Entzündungsreizen im Körper umzugehen." Umso besser der Athlet trainiert sei, desto stärker sei "die Bremse im Immunsystem". Bloch empfiehlt zudem, Regionen mit hohem Gefährdungspotenzial wie etwa Norditalien zu meiden. "Das Risiko muss man nicht eingehen", sagte er. Sei es möglich, Sportveranstaltungen mal um zwei oder drei Wochen zu verschieben, würde er das auch tun.

dpa | Stand: 28.02.2020, 09:29

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