Werner Schuster springt vom Karussell ab

Werner Schuster zwischen Richard Freitag und Karl Geiger

Abschied

Werner Schuster springt vom Karussell ab

Von Sanny Stephan

Am Sonntag hat Werner Schuster die deutschen Skispringer zum letzten Mal im Weltcup abgewunken. Damit geht ein intensives Jahrzehnt zu Ende. Wie es für den Österreicher danach weitergeht, ist noch offen.

Werner Schuster lächelt entspannt in die Kameras. Er hat sich den Schritt, als deutscher Skisprung-Trainer aufzuhören, reiflich überlegt und blickt seinem letzten Weltcup als verantwortlicher Chefcoach entspannt und doch mit etwas Wehmut entgegen. "Ich habe mich lange mit dem Thema beschäftigt, aber manchmal muss ich schlucken und denke, das ist echt eine coole Zeit, die du hier erlebst. Die Kollegen, mit denen du reist, das ist mehr als eine Arbeitsbeziehung, das sind echte Männerfreundschaften, die entstehen. Da ist soviel Herz dabei, das muss man erstmal in der Qualität wieder erleben", sagte Schuster. Auf der Skiflugschanze in Planica ist am Sonntag eine lange, erfolgreiche Ära zu Ende gegangen. Er habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber elf Weltcupsaisons haben Spuren hinterlassen. Weitere drei Jahre - sein neuer Vertrag wäre bis Olympia 2022 gelaufen - wollte er seiner Familie nicht zumuten.

Als Schuster 2008 kam, lag das deutsche Skispringen am Boden. Der Hype um Martin Schmitt und Sven Hannawald, die mit ihren Erfolgen wie Pop-Stars gefeiert wurden, war zu dieser Zeit abgeflacht und neue Überflieger waren nicht in Sicht. Der Negativtrend ließ sich nicht mehr stoppen. Der DSV handelte, suchte und fand: Werner Schuster.

"Ich hatte schlaflose Nächte"

"Österreicher soll deutsche Skispringer beflügeln", titelten die Zeitungen. Der damals 38-Jährige beerbte den glücklosen Peter Rohwein. Für den Job beim DSV kündigte Schuster nach nur einem Jahr seinen Vertrag als Schweizer Nationaltrainer. Die Eidgenossen grämten sich, die Deutschen rieben sich die Hände. Der Skisprung-Fanatiker aus dem Kleinwalsertal sollte das deutsche Skispringen wieder salonfähig machen. "Am Anfang gab es schon Phasen, in denen ich den Druck gespürt habe. An sich schlafe ich sehr, sehr gut. Aber es gab Nächte, in denen ich wirklich Angst hatte. Da bin ich um vier Uhr aufgewacht, lag dann mehrere Stunden wach und habe mir gedacht, geht das irgendwie gut heute?", erzählte Schuster unlängst.

Die Anfänge: Schusters erste Zeit als Trainer Sportschau 19.03.2019 02:14 Min. Verfügbar bis 19.03.2020 Das Erste

 WM-Silber für Schmitt

Die schlaflosen Nächte wurden schnell weniger, denn die Erfolge stellten sich ein. Schmitt, der zwischen 1998 und 2002 seine erfolgreichsten Jahre hatte, gewann 2009 bei der WM in Liberec noch einmal Silber von der Großschanze. Es war Schusters erster großer Titel als deutscher Skisprung-Bundestrainer. "Der Werner zeigt uns den Weg", lobte Routinier Schmitt. Schuster hatte vor allem eins: ein Händchen für die Situation. Er setzte auf den Nachwuchs, ohne die Erfahrenen abzuschreiben.

"Besonderes Verhältnis" zu Freund

So konnten sich Talente entwickeln. Auch wenn das einige Zeit dauerte. Andreas Wellinger gewann unter Schuster 2018 Olympia-Gold. Severin Freund reifte zu einem Weltklassespringer. Er flog mit Schuster zu 22 Einzelsiegen im Weltcup und drei WM-Goldmedaillen. Mit der Mannschaft gewann Freund dazu 2014 Olympia-Gold. "Er denkt viel über unser Team und jeden Einzeln nach. Er ist ständig dabei zu schauen, wie wir bessern werden", lobte Freund. Schuster beschreibt das Verhältnis zu seiner langjährigen Nummer 1 als "besonders". "Es war nicht zu nah, es war aber nah genug, dass er mir in Schlüsselsituationen voll vertraut hat", so der Coach. "Aus meiner Sicht gibt es ein Prinzip der optimalen Nähe. Wenn man zu nah am Sportler dran ist, ist das schlecht. Dann entscheidet man nicht mehr richtig unabhängig. Wenn zu viele Emotionen dabei sind, fällt es einem schwerer, auch mal unangenehme Maßnahmen zu ergreifen. Zu weit weg darf man aber auch nicht sein. Gerade beim Skispringen ist Vertrauen wichtig."

Trainer als Berufung

Schuster war einst selbst ein aktiver Springer. Er kam zwischen 1987 und 1995 auf mehr als 50 Weltcupstarts, wurde aber meist im zweitklassigen IBU-Cup eingesetzt. Noch während seiner aktiven Laufbahn begann er an der Universität in Innsbruck ein Studium in Sport und Psychologie. Als Skisprung-Trainer war er im österreichischen Nachwuchsbereich tätig und ab 1998 auch Trainer am Skigymnasium Stams. Schuster gilt als wichtigerer Förderer von Gregor Schlierenzauer.

Bleibt Schuster beim Skiverband?

Dem Skispringen wird Schuster immer treu bleiben. In welcher Form, darauf wollte er sich bisher nicht festlegen. Es sei ziemlich unwahrscheinlich, dass "ich jetzt direkt wieder so einen Posten übernehme, aber in der Zukunft könnte das schon sein". Es könne auch sein, dass es wieder Richtung Nachwuchstrainer gehe. Das sei immer sehr erfüllend gewesen. Auch ein ganz anderer Posten sei möglich. Sicher fest steht nur: "Es wird irgendwas mit Skispringen zu tun haben, weil das mein Leben ist und ich das am besten kann." Horst Hüttel, sportlicher Leiter Skisprung im Deutschen Skiverband (DSV), wünscht sich jedenfalls, dass Schuster dem DSV treu bleibt. "Wir bauen eine Akademie auf, in der wir unter anderem Führungskräfte weiterentwickeln wollen. Er wäre der ideale Partner. Wir haben ihm ein klares Angebot unterbreitet", sagte Hüttel nach dem letzten Saisonspringen am Sonntag (24.03.2019) in Planica in der ARD.

Rückblick auf zehn Jahre Skispringen mit Cheftrainer Werner Schuster Sportschau 04.01.2019 03:47 Min. Verfügbar bis 04.01.2020 Das Erste

Stefan Horngacher Wunschkandidat auf Schuster-Nachfolge

Stefan Horngacher und Werner Schuster

Wer wird aber Nachfolger von Schuster als deutscher Bundestriner? Alles deutet auf Stefan Horngacher hin. Horngacher, gleicher Jahrgang wie Schuster, legte am Sonntag (24.03.2019) seinen Posten als Trainer der Polen nieder. Horngacher selbst und Hüttel bestätigten zudem, dass es Vertragsgespräche gibt. Letzte Details müssten aber noch geklärt werden. Bereits in den kommenden Tagen könnte aber schon feststehen: Nachfolger des Österreichers Schuster wird der Österreicher Stefan Horngacher.

Horst Hüttel: "Wir reden mit Stefan Horngacher" Sportschau 24.03.2019 07:03 Min. Verfügbar bis 24.03.2020 Das Erste

Skispringen | Weltcupstand Herren

NameP
1.Daniel-André Tande260
2.Stefan Kraft196
3.Karl Geiger192
4.Ryoyu Kobayashi190
5.Philipp Aschenwald164

Skispringen | Weltcupstand Damen

NameP
1.Maren Lundby200
2.Chiara Hölzl140
3.Eva Pinkelnig125
4.Ema Klinec100
5.Sara Takanashi89

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