Windkapriolen sorgen beim Skispringen für langes Warten

Weltcup in Willingen

Windkapriolen sorgen beim Skispringen für langes Warten

Heftige Winde in Willingen haben die ganze Geduld der Skisprung-Elite gefordert. Den auf einen Sprung verkürzten Wettkampf gewann überlegen Halvor Egner Granerud.

Nach einem fast zwei Stunden dauernden ersten Durchgang auf der Mühlenkopfschanze in Willingen hat sich Überflieger Halvor Egner Granerud den Sieg geholt. Wegen der äußeren Bedingungen sagte die Jury den zweiten Durchgang ab. Granerud segelte auf 149 Meter und gewann damit auch die Sonderwertung des Willingen-Wochenendes.

Mühlenkopfschanze in Willingen

Michael Hayboeck springt über den Willingen-Schriftzug der Mühlenkopfschanze

Piotr Zyla wurde am Sonntag (31.01.2021) mit 137 Metern und 19,3 Punkten Rückstand Zweiter. Markus Eisenbichler schaffte 143 Meter, lag aber wegen der Windpunkte hinter dem Polen, und wurde sowohl in der Tageswertung als auch der Gesamtwertung Dritter. Mit Pius Paschke, Severin Freund und Karl Geiger holten drei weitere Springer des Deutschen Skiverbandes Weltcup-Punkte.

Langes Warten wegen starker Winde

Der Wettkampf wurde immer wieder von teils mehreren Minuten dauernden Pausen unterbrochen, weil die Bedingungen keine sicheren Sprünge zugelassen hätten. Die Jury um Rennleiter Sandro Pertile und seinem Assistenten an der Startampel, Borek Sedlak, versuchten alles, zwischen den teils heftigen Windböen von mehr als sechs Metern pro Sekunde, Fenster zu finden, um die Athleten vom Balken zu lassen.

Skispringen der Männer - die Analyse von Sven Hannawald Sportschau 31.01.2021 01:30 Min. Verfügbar bis 31.01.2022 Das Erste

Weil es zunehmend kälter wurde auf dem Turm, verteilten die Helfer schließlich Decken an die Springer, die die Materialkontrolle vor dem Sprung schon hinter sich hatten und neben dem Balken warten mussten.

Eisenbichler vertreibt Wartezeit mit "Blödsinn"

"Das war heute alles ein bisschen glücklich. Man hat hoffen müssen. Mein Sprung war jetzt nicht die Granate, ich war etwas spät. Aber ich bin glücklich, auf dem Podest zu stehen. Ich hab etwas Glück in der Luft gehabt, aber das nehme ich dann auch an", so Eisenbichler, der das lange Warten entspannt mit etwas "Blödsinn" verbracht hat, bevor er sich kurz vor dem Sprung dann wieder fokussiert hat.

Drittplatzierter Eisenbichler: "War alles etwas glücklich" Sportschau 31.01.2021 02:05 Min. Verfügbar bis 31.01.2022 Das Erste

Geiger wieder mit Fehlern

Wie heftig der Wind teilweise war, ließ sich an der computerberechneten Führungsweite ablesen, die bei Karl Geiger eingeblendet wurde, als dieser auf dem Balken saß. Dem Skiflugweltmeister hätten auf der größten Großschanze der Welt 118 Meter zur Führung gereicht. Natürlich wurde er bei diesen Bedingungen nicht runtergelassen. Geiger baute in seinen Sprung dann wieder ein paar technische Fehler ein und landete bei 123 Metern. Das reichte in der Abrechnung nur für Rang 23.

Paschke bedankt sich bei den Vorspringern

Pius Paschke durfte als einer der wenigen Athleten direkt springen, kam bei kräftigem Rückenwind immerhin auf 128 Meter und wurde starker Achter. "Man kann den Sprung nur schwer einschätzen, weil der Wind so von der Seite kommt. Es ist sehr turbulent. Dann schaut man auf die Windpunkte und sieht, dass da bei jedem was anderes steht. Es gibt solche Tage. Die Jury versucht ihr bestes. Ich bin mit der Platzierung zufrieden. Man muss sich auch mal bei den Vorspringern bedanken, ohne die bei solch einem Wetter nichts gehen würde", so der Münchner nach seinem Sprung.

Freund hat keinen Spaß

Severin Freund musste zunächst wegen heftiger Seitenwinde gleich zwei Mal vom Balken. Dann entschied sich die Jury für eine weitere Pause. Der Gesamtweltcupsieger von 2015 musste also weitere Minuten warten, durfte dann aber doch runter. Nach seinem Sprung auf 125,5 Meter winkte er im Auslauf sichtlich genervt ab. Trotzdem reichte das für den 17 Rang. "Es ist ein seltsames Wochenende für mich. Der Sprung ist vom Tisch echt okay. Aber wenn man oben zwei Mal wieder runter muss, dann spürt man nicht mehr was. Die Luftfahrt ist dann bemüht, aber man hat nichts, womit man arbeiten kann. Es ist frustrierend, weil ich weiß, dass ich die Schanze gut springen kann und mich auf das Wochenende extrem gefreut habe. Wenn das Wetter dann so ist, macht es aber keinen Spaß", erklärte Freund im Anschluss.

DSV-Adler im "InTeam"-Interview | Folge 5 Sportschau 26.01.2021 02:01 Min. Verfügbar bis 09.12.2021 Das Erste

Hamann verpasst Weltcup-Punkte

Martin Hamann hatte auch Pech und musste lange auf seinen Einsatz warten. Stark ausgekühlt ging es für ihn letztlich auf 125,5 Meter. "Es war einer meiner besseren Sprünge hier in Willingen. Aber es lässt sich eben nicht einfach springen. Ich war ein bisschen schief und komme blöd zur Landung. Da fehlen dann die Meter und Punkte. Es ist heute schon ein spezieller Tag", so der 23-Jährige, der sich beim Abschnallen der Schuhe zu allem Überfluss auch noch einen blutigen Finger holte. Als 31. verpasste er zudem die Weltcup-Punkte um Haaresbreite.

Schmid hadert mit sich selbst

Auch bei Constantin Schmid blieb die Ampel zunächst auf Rot stehen. Als er dann runter durfte, klappte jedoch nicht viel. Schmid sprang schräg ab und landete nach einem verkorksten Sprung schon bei 113 Metern. "Ich sehe den Fehler bei mir. Ich bin mir selbst hinten draufgestiegen und kippe dann runter. Ich verliere dann einen Haufen Höhe wegen Dummheit. Das wurmt mich total. Ich dachte, diese Fehler hätte ich schon längst abgestellt", war Schmid nach seinem 48. Platz im Anschluss genervt.

Skispringen - der Wettbewerb der Männer in Willingen in voller Länge Sportschau 31.01.2021 01:55:49 Std. Verfügbar bis 31.01.2022 Das Erste

Aus "Willingen Six" wird "Willingen Four"

Seit 2018 haben sich die Veranstalter in Willlingen - ähnlich wie die Organisatoren an anderen Weltcup-Orten - eine besondere, zusätzliche Wettkampfform ausgedacht. Ähnlich wie bei der Raw Air Tour in Norwegen werden in Willingen die Wettkampfsprünge aus beiden Tagen und die Qualifikation zu einer Gesamtwertung zusammengerechnet. Während bis 2020 nur eine Qualifikation am Freitag absolviert wurde und damit fünf Ergebnisse in die Wertung einflossen, sollte in diesem Jahr erstmals am Sonntag eine zusätzliche Qualifikation ausgetragen werden, um das Event als "Willingen Six" zu präsentieren. Allerdings musste die Quali am Sonntag nach 27 Springern abgebrochen werden. Da auch der zweite Wettkampfsprung nicht stattfinden konnte, steht Granerud nun nach vier statt sechs Sprüngen als Gesamtsieger fest.

Stand: 31.01.2021, 17:05

Skispringen | Weltcupstand Herren

NameP
1.Karl Geiger305
2.Anze Lanisek252
3.Markus Eisenbichler192
4.Ryoyu Kobayashi180
5.Halvor Egner Granerud160
Darstellung: