Engelberg, das Tournee-Orakel

Karl Geiger

Skisprung-Weltcup

Engelberg, das Tournee-Orakel

Bei der Generalprobe für die Vierschanzentournee kämpfen die deutschen Skispringer um Konstanz. Ein Sieg muss es in Engelberg nicht unbedingt sein - denn wer hier gut war, war nur selten auch bei der Tournee top.

Im beschaulichen Schweizer Engelberg proben die deutschen Skispringer den Ernstfall. Denn gleich nach den Weihnachtsfeiertagen beginnt in Oberstdorf die prestigeträchtige Vierschanzentournee. Da wollen der in diesem Winter starke Karl Geiger und der stark verbesserte Markus Eisenbichler ganz vorne mit dabei sein.

"Ich mag die Schanze. Wir wollen uns dort die Form holen, um gestärkt in die kurze Pause und dann die Tournee zu gehen", sagt der deutsche Vorflieger Geiger vor der mit Spannung erwarteten Generalprobe für den Saisonhöhepunkt. Gerade Geiger hat gute Erinnerungen an die altehrwürdige Gross-Titlis-Schanze: Vor einem Jahr feierte der Bayer in der 4.000-Einwohner-Gemeinde den ersten Weltcup-Sieg seiner Karriere. Prompt reiste er als Mitfavorit zum Tourneestart in seiner Heimat Oberstdorf, konnte die Erwartungen aber nicht erfüllen.

Geiger hofft auf Lerneffekt

"Ich versuche aus den letzten Jahren zu lernen. Bei der Tournee ist immer ein bisschen ein Formeinbruch gekommen", sagt er. Bislang scheint der Lerneffekt zu greifen. In allen fünf Einzelspringen der Saison war Geiger bester Deutscher, sein schlechtestes Ergebnis ist bislang ein siebter Platz. Genau diese Konstanz ist nötig, um auch bei der Tournee um den Titel zu kämpfen. "Bei der Vierschanzentournee kriegt man nichts geschenkt. Deswegen muss man dran bleiben", sagt der aktuell größte Hoffnungsträger des neuen Bundestrainers Stefan Horngacher.

Das genaue Gegenteil von Geiger war zuletzt Eisenbichler, dessen Formkurve mit Platz 15 in Klingenthal aber immerhin wieder leicht nach oben zeigt. Nun gilt es, den Dreifach-Weltmeister über Weihnachten wieder an die Weltspitze zu führen. Klingenthal sei dazu "der richtige Schritt" gewesen, sagte Eisenbichler jüngst in Baden-Baden, wo er Platz drei bei der Wahl zum Sportler des Jahres belegte: "Jetzt schauen wir, dass wir bis zur Tournee wieder in Form kommen."

Es droht die "Weihnachtsdelle"

Skispringen in Engelberg

Vielleicht aber muss das gar nicht schon in Engelberg passieren. Denn wie Geiger weckten in der Vergangenheit schon viele DSV-Springer mit einer gelungenen Generalprobe Hoffnungen, erfüllten diese jedoch nie. 2014 und 2017 gewann Richard Freitag in Engelberg, 2012 und 2013 wurde Andreas Wellinger Zweiter. Der Traum vom ersten deutschen Tourneesieg seit Sven Hannawald 2001/02 erfüllte sich im Anschluss nie. Auch international gilt längst: Wer in der Schweiz glänzt, den erwischt oftmals die gefürchtete Weihnachtsdelle - und er enttäuscht beim ersten Saisonhöhepunkt. Seit 2006 gab es 17 verschiedene Sieger am Titlis - nur vier gewannen danach auch die Tournee.

Bundestrainer Stefan Horngacher ist zuversichtlich, denn Engelberg liege den deutschen Springern traditionell gut. "Man muss in der Regel mit Rückenwind rechnen. Die Schanze wurde vor ein paar Jahren modernisiert und dabei mit einem harmonischen Anlauf versehen." Sollten Geiger und Co. leer ausgehen, würde das deutsche Team erstmals seit 2010 ohne Saisonsieg zur Tournee fahren. Aber, und das ist das Gute: Auch umgekehrt funktioniert die Engelbergsche (Un-)Konstante. Sven Hannawald verabschiedete sich im Dezember 2001 mit Platz 15 in Richtung Tournee - und feierte dort seinen legendären Vierfachsieg.

Severin Freund fehlt auch in Engelberg

Erneut nicht im DSV-Kader steht Severin Freund: Der frühere Weltmeister, der in diesem Winter noch keinen Wettkampf bestritten hat, ist weiterhin außen vor. Ob er rechtzeitig zur Tournee fit wird, ist weiter offen. Freund hat seit der ersten Tournee-Hälfte 2018/19 kein Weltcupspringen mehr absolviert, der 31-Jährige kämpft nach zwei Kreuzbandrissen um sein Comeback, zuletzt musste er wegen Rückenproblemen eine Trainingspause einlegen.

wp/sid | Stand: 19.12.2019, 15:49

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