Norwegens Supertalent Marius Lindvik und der Traum vom Tourneesieg

Marius Lindvik

Vierschanzentournee

Norwegens Supertalent Marius Lindvik und der Traum vom Tourneesieg

Marius Lindvik ist der Überraschungsmann der Vierschanzentournee. Die Konkurrenz staunt, wie abgezockt der 21-Jährige bei seinem Tourneedebüt springt. In Bischofshofen fliegt er um den Gesamtsieg mit - auf einer Schanze, auf der er noch nie gesprungen ist.

Marius Lindvik gehört zweifelsohne zu den größten Talenten im Skispringen. 2018 war er Junioren-Weltmeister, vor dem Deutschen Constantin Schmid. Ansonsten war Lindvik bisher aber vor allem im zweitklassigen Continental-Cup unterwegs, wo er seit 2018 zehn Siege feierte. Im Weltcup, der Königsklasse, war Lindvik bisher ein unbeschriebenes Blatt.

Bisher. Schon 2015 hatte er im Weltcup debütiert zwar, aber erst seit vergangenem Jahr ist er fester Bestandteil des norwegischen Teams. Und die Saison 2019/20 begann vielversprechend, in Klingenthal sprang er erstmals in seiner Karriere aufs Podest. Es folgten in Engelberg zwei weitere Top-Ten-Platzierungen. Aber dass er ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt, der Vierschanzentournee, so durchstartet?

Lindviks Erfolgsrezept: "Eine gewisse Gleichgültigkeit"

"Marius' Stärke ist, dass er die Dinge ausblendet, die nicht wichtig sind. Der ganze Druck im Stadion, die Medien, das Drumherum - das berührt ihn relativ wenig. Der fährt ins Hotel und legt sich ins Bett und morgen wird er wieder Skispringen", sagt Norwegens österreichischer Cheftrainer Alexander Stöckl. Stöckl bescheinigt seinem aktuellen Überflieger "eine gewisse Gleichgültigkeit".

Das helfe Lindvik vor allem, sich schnell auf neue Bedingungen und Schanzen einzustellen. Auf der Innsbrucker Bergisel-Schanze war Lindvik noch nie in einem Wettkampf gesprungen. Bei der Vierschanzentournee bestimmte er den Wettkampf von der Qualifikation an fast nach Belieben und gewann. Drei Tage zuvor hatte er beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen einfach mal so den Schanzenrekord eingestellt und den ersten Weltcupsieg der Karriere gefeiert.

Lindvik selbst scheint in Interviews die vom Trainer attestierte "Gleichgültigkeit" zu bestätigen. "Ich habe einfach probiert, fokussiert zu bleiben und mein normales Zeug zu machen. Das funktioniert in der Regel", sagte er sachlich nach dem Innsbruck-Sieg. Gleichzeitig wirkte er am Bergisel aber auch etwas überrascht, wie gut er momentan tatsächlich springt: "Es ist die unglaublichste Form, die ich bislang in meiner Karriere hatte."

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Und diese Form könnte ihn sogar zum Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee führen. 9,1 Punkte liegt er hinter dem Gesamtführenden Dawid Kubacki aus Polen auf Platz zwei. Umgerechnet sind das rund fünf Meter Rückstand.

Lindvik zum ersten Mal in Bischofshofen

In Bischofshofen ist wieder Lindviks "Gleichgültigkeit" gefordert: Der 21-Jährige ist noch nie auf der Paul-Außerleitner-Schanze gesprungen. Trainer Stöckl macht sich einerseits zwar Sorgen, denn "die Schanze hat einen flachen Anlauf und einen langen Schanzentisch. Und Marius ist ein Athlet, der gerne zu früh wegspringt, deshalb bin ich ein wenig nervös." Gleichzeitig vertraut er aber auf die derzeitige Stärke seines Schützlings: "Ich denke, dass er das hinbekommt."

Und Lindvik selbst? Der "manchmal etwas schüchterne Typ mit einigem Humor" (Eigenbeschreibung) geht vor dem Tourneefinale in den Angriffsmodus. Niemand hätte vor der Tournee damit gerechnet, dass er nach drei Springen auf Platz zwei steht. Aber jetzt will er Kubacki "einen harten Kampf liefern, die Chance ist da." Newcomer Lindvik ist bereit - für seine ersten Sprünge überhaupt in Bischofshofen. Und auch für die mögliche Tournee-Sensation.

red/sid/dpa | Stand: 05.01.2020, 12:05

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