Kritik vor Neujahrsskispringen - Organisationschaos oder nicht?

Alexander Stöckl

Vierschanzentournee

Kritik vor Neujahrsskispringen - Organisationschaos oder nicht?

Von Bernd Eberwein

Keine Hotelzimmer bei der Ankunft, Vorspringer müssen auf dem Flur schlafen, Benachteiligung von kleineren Nationen? Norwegens Skisprung-Cheftrainer Alexander Stöckl übte vor dem Neujahrsskispringen heftige Kritik. Das Organisationskomitee kontert diese gegenüber Sportschau.de.

Die Kritikliste ist lang: Alexander Stöckl, österreichischer Cheftrainer der norwegischen Skispringer, sorgte vor dem Neujahrsskispringen für einen Rundumschlag. Der 46-Jährige warf den Organisatoren Pleiten, Pech & Pannen in Serie vor.

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Auch Walter Hofer, der verantwortliche Renndirektor des Weltskiverbands FIS, soll auf Konfrontation mit den Organisatoren gegangen sein. Das berichtet zumindest die norwegische Zeitung VG (Link zum Originalartikel in norwegischer Sprache). Doch die Stöckl-Aussagen im Boulevardblatt schossen über das Ziel hinaus. Im Gespräch mit Sportschau.de relativierte das Organisationskomitee (OK) die Stöckl-Kritik und erklärte die Hintergründe.

Los ging das Chaos laut Stöckl schon am Montag (30.12.19): Als das norwegische Team aus Oberstdorf in Garmisch-Partenkirchen ankam, waren noch keine Zimmer vorbereitet. Auch die Nationalteams aus Polen und der Schweiz hätten noch auf bezugsfertige Zimmer warten müssen.

Zwei Stunden Wartezeit aufs Hotelzimmer

Eine "logistische Panne", räumt Sabrina Pieri (Generalsekretärin Organisationskomitee Neujahrsskispringen) zwar ein. Aber auch viel Wind um gerade einmal zwei Stunden: Einige Teams seien am Montag früher als geplant aus Oberstdorf angereist und waren schon gegen 10.00 Uhr in Garmisch-Partenkirchen. Die Hotelzimmer waren aber – so der von allen akzeptierte Zeitplan der Organisatoren - erst ab 12.00 Uhr zugesagt und bereit.

Warten auf ein fertiges Hotelzimmer – wohl jeder hat das im Urlaub schon erlebt, wenn er früher als geplant am Zielort ankam. "Im Ergebnis geht‘s um zwei Stunden", sagt Pieri. Stöckl wird von der VG mit "einigen Stunden" zitiert und nennt das Organisationskomitee "wenig professionell".

Vorspringer übernachten auf dem Hotelflur?

Ähnlich verhält es sich mit zwei Vorspringern, die die Nacht von Sonntag auf Montag auf dem Hotelflur übernachten mussten. Die Vorspringer wurden wegen fehlender Bettenkapazitäten in Oberstdorf am 29.12. überraschend ausquartiert und kamen bereits am Sonntag an. Ursprünglich hatten die Garmisch-Partenkirchner Organsiatoren erst mit der Anreise am Montag gerechnet.

"Wir haben die Vorspringer einen Tag früher aufgenommen", erklärt Pieri. Freilich waren da in Garmisch-Partenkirchen auch noch nicht alle Hotelkapazitäten frei wie geplant. Eine der betroffenen Springer, der Norweger Ole Henning Holt, zeigte sich in einem Interview aber ansatzweise verständnisvoll: "Ich bin ein einfacher Mann, und wenn alles warm und trocken und relativ sauber ist, ist es in Ordnung", so Holt.

Entgegen der ursprünglichen VG-Meldung mussten die Vorspringer nicht auf dem Gang oder Flur übernachten. Laut Informationen des Beherbergungsbetriebes handelte es sich um den Aufenthaltsraum mit Schlafcouch. Ab Montagvormittag war das Problem nach Bekanntwerden sofort behoben, so das OK.

Vorspringer-Chef: "Das darf nicht passieren"

Michael Schmidt, Chef der Vorspringer, und Bundestrainer Stefan Horngacher

Michael Schmidt (li.), Chef der Vorspringer, und Bundestrainer Stefan Horngacher (re.).

Nicht ganz so locker sieht es Michael Schmidt, der Cheftrainer der Vorspringer. Dass sein 14-köpfiges Team schon am Sonntag von Oberstdorf nach Garmisch-Partenkirchen reisen würde? "Das war im Vorfeld schon klar", sagt er. Wo die logistische Panne lag, ob in Oberstdorf oder Garmisch-Partenkirchen, will er nicht beurteilen. Aber er unterstrich unmissverständlich: "Das darf nicht passieren. Auch den Vorspringern gilt der gleiche Respekt wie den anderen."

Allerdings gab es auch hier offenbar grundsätzliche Probleme in Sachen Logistik: "Von den 14 angereisten Personen waren dem Organisationskomitee in Garmisch-Partenkirchen offiziell lediglich elf Personen gemeldet", teilte das OK Sportschau.de mit.

FIS-Renndirektor sauer auf Organisationskomitee?

Für Verwirrung sorgte auch Stöckls Kritik über die vermeintliche Ungleichbehandlung der sogenannten "kleinen" und "großen" Skisprungnationen. Auch FIS-Renndirektor Walter Hofer wird in der VG mit den Worten "Es gab Dinge zu kritisieren" zitiert.

"Der Plan war, dass kleinere Nationen nicht im Athletendorf, sondern an der Schanze untergebracht sind", erklärt Sabrina Pieri. Diese Aufteilung sei auch im Vorfeld mit den Nationen entsprechend abgesprochen gewesen. Durchaus überraschend hätten vier der kleinen Skisprung-Nationen - USA, Kanada, Bulgarien, Italien - am Montagabend beim Meeting der Teamkapitäne ihre zuvor erteilte Zustimmung wieder zurückgezogen.

Das Organisationskomitee handelte umgehend: Noch "am gleichen Abend" wurden die neuen Wünsche "umgesetzt", so Pieri. Auch die kleineren Nationen zogen ins Athletendorf. Laut Pieri sei dies auch der einzige Kritikpunkt gewesen, den FIS-Direktor Hofer im Vorfeld der Veranstaltung hatte.

Stand: 01.01.2020, 13:48

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