Japan, die Tournee und das vierte Springen

Yukio Kasaya

Vierschanzentournee in Bischofshofen

Japan, die Tournee und das vierte Springen

Ryoyu Kobayashi heißt der Sieger der Vierschanzentournee 2018/19. Er ist der erste Japaner, der alle vier Springen gewinnen konnte. Bisher konnten seine Landsleute "nur" drei Mal gewinnen. Einmal gab's danach den Gesamtsieg, ein anderer Springer wurde von der Teamleitung vor dem letzten Springen dagegen zum Training nach Hause geschickt.

Der Japaner Yukio Kasaya steht in den Skisprung-Geschichtsbüchern als einer der wohl tragischsten Helden der Vierschanzentournee. Mit 50,4 Punkten Vorsprung führte er nach den ersten drei Springen in Innsbruck, Garmisch-Partenkirchen und Oberstdorf (damals noch in dieser Reihenfolge) die Gesamtwertung der Tournee 1971/72 an. Zum Vergleich: 45,4 Punkte - rund 25 Meter - waren es in diesem Jahr bei Kobayashi vor dem Finale.

Vierschanzentournee | Gesamtwertung

NamePkt
1.Ryoyu Kobayashi1098,0
2.Markus Eisenbichler1035,9
3.Stephan Leyhe1014,1
4.Dawid Kubacki1010,8
5.Roman Koudelka1006,3

Doch Kasaya, der zudem noch die Chance hatte, als erster Springer überhaupt alle vier Tournee-Wettkämpfe zu gewinnen, bekam nicht einmal die Chance, etwas Historisches zu leisten. Denn Japan war 1972 Ausrichter der Olympischen Winterspiele. Auf den Schanzen von Sapporo sollte Japans Team glänzen. Und deshalb reiste die japanische Mannschaft nach dem dritten Springen zurück zum Training in die Heimat.

Olympiagold, aber nie wieder die Chance auf den Tourneesieg

Der Olympiaplan ging zwar auf, Kasaya gewann die Goldmedaille von der Normalschanze, die in diesem Jahr auch gleichzeitig den Weltmeistertitel bedeutete. Auch Silber und Bronze gingen nach Japan. Doch den Traum vom Sieg bei der Vierschanzentournee konnte sich Kasaya nie erfüllen. 1973 beendete er seine Karriere. Bis heute ist Kasaya der einzige Springer in der Geschichte der Vierschanzentournee, der nach drei Siegen in den ersten drei Springen am Ende nicht den Titel feiern durfte.

Kazuyoshi Funaki - Japans erster Tourneegewinner

Mehr Glück hatte 1997/98 Kasayas Landsmann Kazuyoshi Funaki. Auch der gewann die ersten drei Springen. Mit 36,8 Punkten fuhr er zum Finale nach Bischofshofen. Obwohl wieder Olympische Winterspiele in Japan, in Nagano, anstanden, durften die japanischen Springer die Tournee regulär beenden. Funaki reichte ein achter Platz, um sich den Gesamtsieg zu sichern. Und wie sein Landsmann Kasaya 26 Jahre zuvor schnappte auch er sich wenige Wochen später den Olympiasieg bei den Heimspielen.

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Ryoyu Kobayashi gewinnt 20 Jahre nach Funaki

20 Jahre nach Funaki steht wieder ein Japaner ganz oben auf dem Podest. Auch Ryoyu Kobayashi gewann die ersten drei Springen, wie Funaki ließ er sich im Finale von Bischofshofen nicht mehr ausbremsen. Mehr noch: Als erstem Japaner glückte ihm auch Sieg Nummer vier - der Eintrag in die Wintersport-Geschichtsbücher ist ihm sicher. Da dürfte er es verschmerzen, dass in diesem Jahr keine Winterspiele auf dem Programm stehen. Doch Kobayashi ist erst 22 Jahre alt. Nur die wenigsten zweifeln, dass er auch in Sachen Olympiagold irgendwann mindestens mit Kasaya und Funaki gleichziehen wird.

Thema in: B5 Sport, 06.01.2018, 19.35 Uhr

br | Stand: 06.01.2019, 19:03

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