Vierschanzentournee mit neuen Favoriten

Ryoyu Kobayashi und Kamil Stoch

Skispringen

Vierschanzentournee mit neuen Favoriten

Im internationalen Teilnehmerfeld und auch im deutschen Team haben sich die Kräfteverhältnisse vor der Vierschanzentournee kräftig verschoben. Auch Polens Dominator Kamil Stoch hat Konkurrenz aus dem japanischen Lager bekommen.

In dieser Saison wurden die Karten regelrecht neu gemischt. Von den vier verschiedenen Gewinnern dieses Winters siegten drei sogar erstmals.

Jewgeni Klimow aus Russland hatte nach dem Sommer-Grand-Prix erstmals auch den Winterwettkampf in Wisla gewonnen. Karl Geiger hatte in Engelberg seine Premiere ganz oben auf dem Treppchen. Der Japaner Ryoyu Kobayashi wurde in Kuusamo zum neuen Triumphator und unterstrich die neue Ausnahmestellung gleich noch bei drei weiteren Springen. Nur der Norweger Johann André Forfang hatte vor seinem Sieg in Nischni Tagil schon einmal ganz oben gestanden.

Titelverteidiger noch ohne Sieg im Winter 2018

Der Tournee-Titelverteidiger Stoch ist zwar in dieser Saison noch ohne Sieg. Doch der 31-Jährige zeigte mit Platz vier in Nischni Tagil und Rang drei beim letzten Bewerb vor der Tournee aufsteigende Form. Dazu kann der zweimalige Gesamtsieger (2017 und 2018) seine ganze Erfahrung in die Waagschale werfen, schließlich hat er erst als zweiter Springer überhaupt nach Sven Hannawald alle vier Einzelspringen gewonnen. Stochs Vorgänger Peter Prevc aus Slowenien (Gesamtsieger 2015/16) schaffte es nach zwei vierten Plätzen zuletzt nicht mehr unter die Top-10.

Rot-weiß-rotes Team arg gebeutelt

Noch schlimmer erging es dem zweimaligen Tourneesieger (2011/12 und 2012/13) Gregor Schlierenzauer aus Österreich. Er ist völlig außer Form und verzichtet nach einer Weltcuppause auch auf die vier großen Stationen. Seine Mitstreiter Stefan Kraft und Daniel Huber versprechen mit nur einzelnen vorderen Plätzen auch nicht große Jubelstürme der rot-weiß-roten Fangemeinde.

Beim DSV glänzt die zweite Reihe

Auch bei den DSV-Adlern ist die Hierarchie vor der Vierschanzentournee auf den Kopf gestellt. Die "B-Besetzung" um Karl Geiger und Stephan Leyhe glänzt, die Top-Adler Andreas Wellinger, Richard Freitag und Severin Freund hängen durch.

Karl Geiger bei seinem ersten Weltcupsieg

Karl Geiger bei seinem ersten Weltcupsieg

Geiger hatte den deutschen Skispringern bei der Generalprobe für die Vierschanzentournee in Engelberg den ersten Sieg im Kalenderjahr 2018 beschert. Leyhe hat mit Rang zwei in Wisla, Platz vier in Nischni Tagil und als Sechster in Engelberg Topergebnisse und damit Selbstvertrauen gesammelt.

Fragezeichen und Hoffnungsschimmer bei den DSV-Etablierten

Die größten Fragezeichen stehen hinter Freitag. Der Sachse sprang bislang mäßig, kämpft mit seiner Hüftverletzung. Auch Wellinger kommt nicht in Fahrt, der Olympiasieger bleibt trotzdem zuversichtlich. Freund ist nach zwei gerade erst überstandenen Kreuzbandrissen noch nicht wieder oben angekommen. Bleibt jedoch die Hoffnung auf Markus Eisenbichler, der sich in Engelberg nach einem desaströsen 48. Platz tags darauf als Sechster zurückmeldete. Vielleicht wird er ja ein Tournee-Joker.

Optimismus beim Skisprung-Coach

Bundestrainer Werner Schuster sieht im veränderten Teamgefüge aber sogar eine Bestätigung für seine Arbeit. "Jedes andere Team würde es zerreißen, wenn die Besten wegbrechen", sagte der Coach: "Umso froher bin ich, dass es uns gelungen ist, das Team in Bewegung zu halten". Die Hoffnung nach einem Gesamtsieger nach Hannawald stirbt also zuletzt.

Das deutsche Aufgebot im Überblick

Weltcup-Gruppe: Markus Eisenbichler (Siegsdorf), Richard Freitag (Aue), Severin Freund (Rastbüchl), Karl Geiger (Oberstdorf), Stephan Leyhe (Willingen), David Siegel (Baiersbronn), Andreas Wellinger (Ruhpolding)

Nationale Gruppe: Moritz Baer (Gmund-Dürnbach), Martin Hamann (Aue), Felix Hoffmann (Heidersbach), Justin Lisso (Schmiedefeld), Pius Paschke (Kiefersfelden), Constantin Schmid (Oberaudorf)

Unternehmen Tourneesieg - Die deutschen Skispringer vor der Vierschanzentournee Sportschau 23.12.2018 29:57 Min. Verfügbar bis 23.12.2019 Das Erste

rmü/dpa/sid | Stand: 27.12.2018, 16:34

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