Freunds Vorfreude auf die erste Schneelandung

Severin Freund kämpft für das Comeback an der Skisprung-Weltspitze Sportschau 17.11.2018 03:31 Min. Verfügbar bis 17.11.2019 Das Erste

Skispringen | Weltcup

Freunds Vorfreude auf die erste Schneelandung

Es ist das Comeback des Jahres: Severin Freund kehrt am Freitag nach 689 Tagen und zwei Kreuzbandrissen in den Skisprung-Weltcup zurück. Der Ort seines Comebacks ist kein Zufall.

Kuusamo. Natürlich Kuusamo. Auf der Rukatunturi-Schanze in Finnland wird Severin Freund erstmals wieder um Weltcup-Punkte springen. Der Schauplatz kann kaum besser gewählt sein. "Ich kenne mich auf der Schanze richtig gut aus. Das ist der richtige Ort für das Comeback", sagt der Weltmeister von 2015 vor seinem mit Spannung erwarteten Einstieg in den WM-Winter.

The same procedure as 2016?

Schon im November 2016 hatte Freund in Kuusamo ein Comeback gegeben, damals holt er nach seiner Hüft-Operation völlig überraschend seinen 22. Weltcup-Sieg. Auch vier Jahre zuvor hatte er in Kuusamo gewonnen, wurde 2016 zudem Zweiter, 2014 Dritter. "Es gibt dort für Severin einen starken emotionalen Joker", sagt Bundestrainer Werner Schuster. Einen Sieg schließt Freund diesmal aus. Zu lange war er zum Zuschauen verdammt, zu groß sind die Nachwirkungen der zwei Kreuzbandrisse.

Die letzte Schneelandung ist länger her

Schuster sprach beim Weltcup-Auftakt in Wisla zwar von "einer stark steigenden Formkurve" des Team-Olympiasiegers. Doch der 30 Jahre alte Freund stapelt betont tief. "Man darf nicht zu vermessen sein, dass ich wie damals in Kuusamo gleich voll da bin und gewinne. Das ist diesmal eine andere Situation", sagt er.

Severin Freund

Severin Freund hat eine sportliche Leidenszeit hinter sich.

Freund freut sich wie ein kleines Kind auf die Qualifikation am Freitag (18.00 Uhr). Zwar liegt auch am Polarkreis nur Kunstschnee, doch das reicht, um den Puls in die Höhe zu treiben. "Ich freue mich wahnsinnig auf die erste Schneelandung. Bei mir weiß man ja, dass es doch ein bisserl länger her ist", sagte Freund vor dem Abflug. "Länger her" ist beinahe untertrieben. Am 3. Januar 2017 belegte Freund in der Qualifikation von Innsbruck nur den 47. Platz, am nächsten Morgen stieg er wegen eines grippalen Infekts aus der Vierschanzentournee aus. Drei Wochen später zog er sich seinen ersten Kreuzbandriss zu. Es begann eine Leidenszeit mit vielen Stunden in der Reha. Ans Aufgeben dachte er dabei aber nie.

Ziel: In Topform zur WM

Was also ist möglich für den Rückkehrer? "Die Tournee wird für mich zu früh kommen, da bin ich Realist genug. Bis zur WM kann sich schon noch was entwickeln", sagt Freund. Bei den Titelkämpfen in Seefeld Ende Februar will der ehemalige Gesamtweltcup-Gewinner wieder in der Weltspitze mitmischen. Die Voraussetzungen dafür sind geschaffen. "Es läuft ganz gut bei Severin, er ist körperlich wieder fit. Unser Plan war gut", sagt Schuster. Und vielleicht gibt ja auch der Gedanke an die kleine Johanna dem Papa den Extra-Kick. Der ehemalige Tournee-Sieger und ARD-Experte Dieter Thoma erklärte am Wochenende, er sei nach der Geburt seines ersten Sohnes "geflogen wie eine Feder". Severin Freund dürfte es gehört haben, schließlich saß er als Zuschauer vor dem Fernseher. Zum hoffentlich letzten Mal.

sst/sid | Stand: 20.11.2018, 15:32

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