Skispringer Markeng reißt sich Kreuzband und Meniskus

Thomas Aasen Markeng bei seinem Sturz in Klingenthal

Skispringen

Skispringer Markeng reißt sich Kreuzband und Meniskus

Eine schwere Verletzung überschattet den Skisprung-Weltcup: Der Norweger Thomas Aasen Markeng hat sich beim Weltcup in Klingenthal am vergangenen Wochenende einen Kreuzband- und Meniskusriss zugezogen. Der 19-Jährige fällt damit lange aus.

Der norwegische Verband teilte am Dienstag (17.12.19) zwei Tage nach der Verletzung von Klingenthal die Diagnose und auch die Befürchtung mit, dass Markeng möglicherweise ein ganzes Jahr ausfallen könnte. Der aktuelle Junioren-Weltmeister war beim Einzelspringen am Sonntag schwer gestürzt. Zunächst wurde Markeng in Deutschland untersucht. Nachdem Knochenbrüche ausgeschlossen werden konnte, wurde der Norweger am Montag nach Norwegen zurückgeflogen. Dort wurden die Kreuzband-und Meniskusverletzung bei einer MRT-Untersuchung festgestellt.

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Neue Kritik am Bindungssystem?

Zahlreiche Skispringerinnen und Skispringer hatten in den vergangenen Jahren schwere Knieverletzungen erlitten. Im Deutschen Team (DSV) sind und waren unter anderem Severin Freund, Olympiasieger Andreas Wellinger und Carina Vogt betroffen. Kritiker sehen im aktuellen Schuh-Bindungssystem die Hauptursache für Knieverletzungen im Skisprungsport. Die aktuelle Stabbindung wurde erstmals 2010 bei den Olympischen Winterspielen durch den Schweizer Simon Ammann eingesetzt und hat sich mittlerweile als Standardsystem durchgesetzt.

An der Häufigkeit der Verletzungen sieht sich der Internationale Skiverband (FIS) nicht ganz unschuldig. "Die Skispring-Ski werden nur noch zum Fliegen gebaut", sagte FIS-Rennleiter Walter Hofer. Anders als würde die Anlaufspur auf der Schanze nicht mehr aus Schnee, sondern aus Keramik und Eis bestehen. Die Sportler blieben dadurch viel sicherer in der Spur, skifahrerisches Können sei auf der Schanze kaum noch gefragt. Man habe die Verletzungsproblematik von der Anlauf- und Flugphase in die Landung verlagert, so Hofer weiter.

ARD-Experte Thoma: System nicht für das Landen gedacht

Warum das problematisch sein kann, erklärte ARD-Experte Dieter Thoma schon vor der Saison: "Das Problem ist, dass dieses Schuh-Ski-Bindungssystem nicht mehr für das Landen gedacht ist. Auch die Ski wurden für den Flug optimiert und sind durch die früh aufgebogenen Spitzen nicht mehr zum geradeaus fahren gut geeignet. Bei der Landung muss man im Prinzip auch wegen des gebogenen Bindungstabes X-beinig landen. Man ist immer außerhalb der normalen Achse."

"Die Kräfte gehen dabei an der für den Absprung optimiert trainierten Muskulatur vorbei. Somit ist die schiefe Landung direktes Gift, vor allem für das Kreuzband. Durch die Keile, die man hinten in die Schuhe schiebt, drückt man den Unterschenkel immer weiter nach vorne. Durch den Hebeleffekt wird das Kreuzband relativ schnell stark belastet - und dann reißt irgendwann das schwächste Glied", erklärte Thoma weiter.

Wege aus der Verletzungsmisere?

Wie sollten schwere Knieverletzung künftig vermieden werden? Die Jury könnte dazu angehalten werden, den Anlauf nach sehr weiten Sprüngen früher und konsequenter als bislang zu verkürzen. Das hätte geringere Anlaufgeschwindigkeiten und damit tendenziell geringere Weiten zur Folge. Die Punktevergabe bei der Landung könnte ebenfalls angepasst werden. Bei weiten Sprüngen und mit dem derzeitigen Material noch den geforderten Telemark zu setzen, stellt die Körper der Springer vor große Herausforderungen und ist mitunter gefährlich. Auch Veränderungen am Material - beispielsweise am Schuh - sind denkbar.

Andreas Bauer, Bundestrainer der deutschern Skispringerinnen und Mitglied der FIS-Materialkommission, hofft im Hinblick auf die kommende Saison auf Fortschritte. "Ich denke, es ist einfach notwendig, im Frühjahr alles auf den Prüfstand zu stellen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Irgendwas sollte passieren, das wäre für mich wichtig."

red | Stand: 17.12.2019, 11:25

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