Auch Geiger gehört zum Favoritenkreis für die Tournee

Der deutsche Skispringer Karl Geiger

68. Vierschanzentournee

Auch Geiger gehört zum Favoritenkreis für die Tournee

Kurz nach Weihnachten beginnt in Oberstdorf die 68. Vierschanzentournee. Die Frage nach dem einen großen Favoriten ist in diesem Jahr schwer zu beantworten. Von den deutschen Springern scheint derzeit nur Karl Geiger in der Lage zu sein, vorne mitzuspringen.

Plätzchen essen - und dann ab zur Tournee: Skispringer Karl Geiger hofft an Weihnachten auf ein wenig Ruhe, um dann zuhause in Oberstdorf zum großen Wurf anzusetzen. Für die besinnlichen Tage vor dem Tournee-Trubel hat der 26-Jährige einen klaren Plan: "An Heiligabend mache ich noch ein wenig Krafttraining. Aber an Weihnachten lege ich dann die Füße hoch und esse ein paar Plätzerl", sagte die deutsche Skisprung-Hoffnung nach der gelungenen Generalprobe für den Saisonhöhepunkt und freute sich auf ruhige Stunden im Kreis der Familie.

Die ganz große Bescherung könnte indes erst nach Weihnachten folgen, direkt vor der eigenen Haustür: Schon am Freitag (27.12.2019) treffen sich die DSV-Adler in Geigers Heimat Oberstdorf, wo einen Tag später die Qualifikation für das Auftaktspringen ansteht. Und dort geht Geiger nach seiner bislang so starken Saison als Mitfavorit an den Start. Denn Geiger ist in diesem Winter die Konstanz in Person. 7, 7, 2, 6, 5, 3, 4 lauten seine Platzierungen.

Karl Geiger: "Ganz feine Klinge"

Außer Geiger landete nur Tournee-Vorjahressieger Ryoyu Kobayashi aus Japan in jedem Wettbewerb in den Top 10. "So konstant ist mir das noch nie gelungen. Das freut mich extrem. Ich gehe entspannt in die Weihnachtstage und mit einem guten Gefühl in die Tournee", sagte der 26-Jährige. Sein vielleicht größter Vorteil: Egal ob Wind oder Regen, Sonne oder Flutlicht, derzeit überzeugt Geiger bei allen Bedingungen.

"Karl springt im Moment die ganz feine Klinge. Er kann ganz vorne mitmischen", sagt auch Stefan Horngacher. Der Österreicher ist vor seiner Tournee-Premiere als Bundestrainer aber auch gewarnt. Denn die deutschen Hoffnungen auf den ganz großen Wurf ruhen derzeit einzig und allein auf Geiger. Markus Eisenbichler braucht schon ein kleines Weihnachtswunder, um rechtzeitig zu alter Form zu finden. Zweitbester DSV-Adler im Gesamtweltcup ist derzeit Pius Paschke - auf Rang 18.

"Engelberg-Orakel" spricht gegen Vorjahressieger Kobayashi

Auch die nackten Zahlen zeigen, dass längst nicht alles Gold ist, was glänzt. Nur zwei Podestplätze gab es in diesem Winter, weniger waren es vor der Tournee zuletzt 2010/11. Noch vor zwei Jahren waren es deren acht, darunter vier Siege. In diesem Winter stand dagegen noch kein einziger Deutscher ganz oben - auch das hatte es vor der Tournee letztmals vor neun Jahren gegeben. Immerhin: Das alles könnte schnell in Vergessenheit geraten, wenn Geiger tatsächlich die 18 Jahre andauernde Durststrecke beenden und den Tournee-Titel nach Deutschland holen würde.

Horngacher tippt auf Stoch oder Kraft

Topfavorit ist dennoch Kobayashi, auch wenn Horngacher das anders sieht. "Für mich ist er zu instabil, ich schätze Stefan Kraft und Kamil Stoch stärker ein. Und ich hoffe, dass Karl da auch mithalten kann", sagt Horngacher. Glaubt man dem "Orakel" von Engelberg, wird es aber ganz anders kommen. Wer vor Weihnachten in der Schweiz gewann, der hat laut Statistik noch selten auch bei der Tournee reüssieren können. So gesehen keine guten Karten für Ryoyu Kobayashi und Kamil Stoch. Die Form spräche so gesehen für Kraft und Geiger, aber auch der Norweger Daniel-Andre Tande oder der Slowene Peter Prevc könnten überraschen.

Eisenbichler: "Bei mir kann es schnell gehen"

Und Eisenbichler? Der Dreifach-Weltmeister muss darauf hoffen, über die Feiertage irgendwie die Kurve zu bekommen. "Ich nutze die Tage, um ein wenig zu trainieren und auszuspannen - und dann mit vollen Akkus nach Oberstdorf zu fahren", sagt der Zweite der vergangenen Tournee. "Bei mir kann es schnell gehen. Das hat die vergangene Saison gezeigt." Damals hatte Eisenbichler in Engelberg sogar das Finale verpasst und war sechs Tage später in Oberstdorf knapp hinter Kobayashi aufs Podest gesprungen. Das macht Mut. Und bis dahin wird auch das ein oder andere "Plätzerl" erlaubt sein.

Mehr zum Thema in: B5 aktuell, 28.12.2019, 15.54 Uhr

wp/sid | Stand: 23.12.2019, 11:14

Darstellung: