Leyhe verschärft Konkurrenzkampf im Skisprung-Team

Stephan Leyhe springt aufs Podest Sportschau 19.11.2018 00:43 Min. Verfügbar bis 19.11.2019 ARD

Skispringen | Weltcup

Leyhe verschärft Konkurrenzkampf im Skisprung-Team

Stephan Leyhe stand so oft im Schatten seiner Teamkollegen. Immer verlässlich im Team, solide im Einzel, aber nie als Solist auf dem Treppchen. Im Auftaktspringen zur neuen Saison im polnischen Wisla wurde sein Traum vom ersten Weltcup-Podium nun wahr.

Dass Stephan Leyhe gut in Form ist, hatte sich schon beim "Sommer-Grand-Prix" angedeutet. Auf der Schanze in Wisla landete der 26-Jährige schon im Juli auf dem zweiten Platz. Danach folgten Top-Ten-Platzierungen in Rasnov (9./Rumänien) und Hinzenbach (8./Österreich). Beim vom Winde verwehten Grand-Prix in Klingenthal gewann Leyhe die Qualifikation.

Alles nur Vorgeplänkel auf Matten? Nein! Leyhe kann's auch im Schnee. Sein zweiter Platz am Sonntag beim ersten Weltcup des Winters war kein Zufall. Leyhe war einfach mal dran. "Ich freue mich riesig für ihn. Er hat stetig an sich gearbeitet", sagte Bundestrainer Werner Schuster. Als Dritter hatte der gebürtige Hesse und Wahl-Schwarzwälder schon am Freitag in der Qualifikation geglänzt. Am Samstag führte er das deutsche Team mit starken Sprüngen auf den zweiten Platz. Die Krönung folgte im ersten Einzel der Saison und machte Leyhe fast sprachlos. "Was soll ich sagen? Jeder Skispringer liebäugelt damit, einmal auf dem Podium zu stehen. Ich freue mich riesig", sagte er fast ein wenig verlegen in der ARD.

Von einem Weltcup-Podium hatte er lange geträumt. Wahrscheinlich seit 15 Jahren. Damals war Leyhe elf Jahre alt und durfte sein Vorbild Hannawald im Tigerenten-Club der ARD interviewen. "Warum ist es ein Traum, Skispringer zu sein?", fragte Leyhe damals. "Hanni" antwortete: "Mach es nach, dann weißt du es." Spätestens seit seinem furiosen Saisonstart kennt Leyhe die Antwort.

Wisla soll keine Eintagsfliege bleiben

Stephan Leyhe

Stephan Leyhe feiert sein erstes Einzel-Podium.

Seit 2014 springt der Willinger, der als Fünfjähriger erstmals von einer Schanze segelte, im Weltcup. Er erlebte bisher ein Auf und Ab mit insgesamt zehn Top-Ten-Platzierungen. In dieser Saison scheint Leyhe reif für größere Taten. Wisla soll nur ein Anfang gewesen sein. "Heute ist es bei mir das erste Mal aufgegangen, das gibt mir viel Selbstvertrauen. Jetzt will ich diese Leistung in den nächsten Wochen bestätigen", sagte Leyhe, dessen bestes Ergebnis zuvor ein fünfter Platz gewesen war.

Konkurrenz groß wie lange nicht mehr

Leyhe verschärft also den ohnehin großen Konkurrenzkampf im Team von Bundestrainer Werner Schuster. Mit Sommer-Durchstarter Karl Geiger drängt sich ein weiterer ambitionierte Springer auf. Die Konkurrenz ist so groß wie schon lange nicht mehr. "Ich kann mich nicht erinnern, dass wir vor der Saison mal mit so vielen Optionen gestartet sind", sagte der Sportliche Leiter Horst Hüttel.

Stephan Leyhe im Tigerentenclub 2003 Sportschau 20.11.2018 04:16 Min. Verfügbar bis 20.11.2019 Das Erste

Wellinger holprig wie die Bayern

Schuster dürfte öfter die Qual der Wahl haben, wenn es um die Team-Aufstellung geht. Beim Mannschaftsspringen in Wisla erwischte es Olympia-Sieger Andreas Wellinger. Er musste sich nach schwächeren Sprüngen im Training und der Qualifikation mit der Zuschauerrolle begnügen. "Ich hab einen Tag pausieren können, dürfen, müssen wie auch immer. Macht natürlich weniger Spaß vor dem Fernsehen, aber die Jungs haben einen guten Job gemacht", sagte Wellinger in der Sportschau. Der 23-Jährige ist noch einige Meter von den Besten entfernt. Sein Saisonstart ist ähnlich holprig, wie der des FC Bayern München. Bei den Fußball-Stars hat sich Wellinger im Sommer "fortgebildet".

Für die Bildungsreise nach Amerika verzichtete er auf einen Teil des "Sommer-Grand-Prix". Er wollte von den erfahrenen Profis viel lernen. Aktuell schwächeln beide ein wenig. Durststrecken gehören aber auch zum Sport und Wellingers Augen leuchten, wenn er über Arjen Robben spricht. "Er hat schon so viel gewonnen, gibt in jedem Training trotzdem 110 Prozent. Das beeindruckt mich. Er lässt nie nach, ruht sich nie auf Erfolgen aus." Nach der Traumsaison mit Gold, Silber und Team-Silber bei den Olympischen Spielen musste auch Wellinger neue Motivation finden. Der Druck wird nicht kleiner - von außen und innen. Doch Konkurrenz beflügelt ja bekanntlich...

Skispringen aus Wisla - die Siegerehrung Sportschau 18.11.2018 04:10 Min. Verfügbar bis 18.11.2019 Das Erste

sst | Stand: 19.11.2018, 11:04

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