Vierschanzentournee: Österreichs Skispringer in der Krise

Der Österreicher Stefan Kraft ist über seinen Spprung enttäuscht

Skispringen/Vierschanzentournee

Vierschanzentournee: Österreichs Skispringer in der Krise

Von Wolfram Porr

Für die beiden Gastgeber der Vierschanzentournee war zuletzt wenig zu holen. Der DSV wartet seit 20 Jahren auf einen Gesamtsieger. Sieben Jahre ist es her, dass der ÖSV zuletzt jubeln durfte. In Österreich ist die Krise greifbar.

Stefan Kraft jubelte als letzter Österreicher. Im Januar 2015 war das - und Kraft seinerzeit der siebte ÖSV-Adler in Folge, der die prestigeträchtige Tournee für die seinerzeit dominierende Skisprungnation gewinnen konnte.

Danach ging der Siegerpokal nur noch an andere Nationen. Dreimal Kamil Stoch, Dawid Kubacki (beide Polen), Peter Prevc (Slowenien) und Ryoyu Kobayashi (Japan) hießen die Gewinner seither.

Neue Hoffnungsträger liefern nicht

Stefan Kraft, inzwischen 28 Jahre alt, ist der Letzte der erfolgreichen ÖSV-Garde. Die Tourneegewinner Thomas Morgenstern und Gregor Schlierenzauer haben ihre Karriere inzwischen ebenso beendet wie "Eintagsfliege" Thomas Diethart, Andreas Kofler und Wolfgang Loitzl.

Die neuen Hoffnungsträger im Team Rot-Weiß-Rot hießen Jan Hörl und Daniel Huber sowie mit Abstrichen Philipp Aschenwald. Dazu kommen der erst 19 Jahre alte Daniel Tschofenig sowie die Routiniers Manuel Fettner und eben Stefan Kraft.

Kraft außer Form - Hörl und Huber zu unkonstant

Doch nicht einer von ihnen ist in der aktuellen Tourneewertung in der Spitzengruppe zu finden. Kraft patzte auf der von ihm ungeliebten Schanze in Garmisch-Partenkirchen, wo er in der Qualifikation scheiterte. Aschenwald springt nicht konstant genug. Das gilt auch für Jan Hörl und Daniel Huber, die auf den Rängen neun und zehn der Tourneewertung zumindest einigermaßen mithalten können, auch wenn die Topergebnisse fehlen.

Ex-Erfolgstrainer Pointner: "Eklatante Wettkampfschwäche"

Der ehemalige österreichische Skisprungtrainer Alex Pointner 2011 in Oberstdorf

Übt laut Kritik: Alexander Pointner

Angesichts dieses sich anbahnenden erneuten Tournee-Desasters hat der frühere Meistertrainer Alexander Pointner herbe Kritik an der sportlichen Führung der ÖSV-Skispringer geübt. Es sei "Wunschdenken des Trainerteams, dass sich ein Problem von selbst löst, für das man kein wirkungsvolles Konzept hat", schrieb der erfolgreichste Skisprung-Trainer der Geschichte in der Tiroler Tageszeitung. "Seit Jahren kämpft das ÖSV-Team mit einer eklatanten Wettkampfschwäche", so Pointner.

Vor allem wenn es schwierig werde - bei Rückenwind, Regen, stoppender Spur oder zunehmenden Erwartungsdruck - "versagen die Nerven", so Pointners Analyse. Einzig positiv: "Zumindest das Schönreden hat zum Großteil aufgehört."

Aderlass durch Trainer-Export

Ein Ansatzpunkt ist die Situation bei den Trainern: Österreichs Skisprungtrainer sind auf der ganzen Welt gefragt - Mit Stefan Horngacher trainiert nun schon der zweite Österreicher nach dem ebenfalls sehr erfolgreichen Werner Schuster die deutschen Adler, Alexander Stöckl die starken Norweger.

Der Aderlass ist groß. Kaum einer blieb. Unter dem aktuellen Trainer Andreas Widhölzl, einst selbst ein Weltklasseathlet, hat die einstigen Schanzengroßmacht nicht die Rückkehr zu einstiger Stärke geschafft. Seit Krafts Erfolg 2016 in Oberstdorf sind die Österreicher nun in 21 Tourneespringen in Serie sieglos geblieben. Dieser Negativtrend scheint sich noch etwas fortzusetzen.

Stand: 04.01.2022, 21:55

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