Deutsche Skiadler zwischen Erfolgen und Verletzungspech

Stephan Leyhe und Karl Geiger (Archiv)

Saison 2019/20

Deutsche Skiadler zwischen Erfolgen und Verletzungspech

Die Skisprung-Saison 2010/20 kann aus deutscher Sicht durchaus als durchwachsen bezeichnet werden. Auf der einen Seite stehen überragende Siege, auf der anderen aber auch Formkrisen und großes Verletzungspech.

Nach dem abrupten Saisonende durch die Verbreitung des Coronavirus müssen Karl Geiger und Stephan Leyhe ihr Gefühlschaos erst einmal sortieren. Das Premierenjahr unter Neu-Bundestrainer Stefan Horngacher brachte den beiden deutschen Hauptdarstellern in einem denkwürdigen Skisprung-Winter zwar große Erfolge, doch nicht nur Leyhes Kreuzbandriss deutet elf Monate vor der Heim-WM in Oberstdorf auf mögliche Baustellen hin.

Geiger ist die Nummer eins

"Es sind gerade sehr gemischte Gefühle", sagte Geiger, der sich in der abgelaufenen Saison zur unumstrittenen deutschen Nummer eins entwickelt hat: "Wir haben den Nationencup gewonnen, ich bin super zufrieden mit meinem Winter. Aber wir haben die Saison nicht beenden können, ein Teamkollege ist verletzt. Im Moment fühlt sich das nicht wie ein Happy End an."

Karl Geiger

Karl Geiger

Das System Horngacher

Die persönliche Bilanz Geigers ist dennoch herausragend: Platz zwei im Gesamtweltcup, vier Siege, sieben weitere Podestplätze. Gerade in der schwierigen Anfangsphase des Winters war Geiger der einzige, der das System Horngacher umsetzen konnte und vorneweg marschierte. Erst nach dem Jahreswechsel, als Leyhe mit seinem ersten Karrieresieg und einem zweiten Platz auftrumpfte, verteilte sich die Last.

Leyhe peilt Heim-WM an

Umso bitterer ist, dass sich Leyhe bei der Raw-Air-Tournee schwer verletzte. Leyhe ist mittlerweile am demolierten Knie operiert worden. Sein Blick geht wieder nach vorn. "Mit der erfolgreichen Operation sind die Voraussetzungen geschaffen, um in den nächsten Monaten konzentriert in der Reha zu arbeiten und dann die Heim-WM in Oberstdorf ins Visier zu nehmen", so der 28-Jährige.

Stephan Leyhe

Stephan Leyhe

Pechvogel Severin Freund

Dennoch: Bis zu den Heim-Weltmeisterschaften (23. Februar bis 7. März 2021) wird es für Leyhe ein Wettlauf mit der Zeit. Ein Wettlauf, in dem er nichts überstürzen darf - das lehrt das Beispiel Severin Freund. Dem Ex-Weltmeister riss Anfang 2017 das Kreuzband. Um bei Olympia 2018 in Topform zu sein, stieg Freund früh wieder ein und erlitt im Sommer 2017 einen zweiten Kreuzbandriss. Bis heute kämpft er um den Anschluss.

Eisenbichler und Freitag von der Rolle

Leyhe und Freund sind aber nicht die einzigen deutschen Patienten: Neben Geiger stünde derzeit nur Youngster Constantin Schmid uneingeschränkt für höchste Aufgaben zur Verfügung. Dreifach-Weltmeister Markus Eisenbichler erlebte - trotz Platz zwei im letzten Saisonwettkampf in Lillehammer - eine Saison zum Vergessen. Richard Freitag war mental völlig von der Rolle und nicht weltcuptauglich.

Richard Freitag

Richard Freitag

Fragezeichen hinter Siegel und Wellinger

Bei den weiteren "Kniefällen" ist Andreas Wellinger weiter als David Siegel. Der Olympiasieger ist nach seinem Kreuzbandriss voll belastbar, wie er den wettkampflosen Winter wegsteckt, wird sich aber erst noch zeigen. Hinter der schnellen Rückkehr Siegels, dessen Knieverletzung im Januar 2019 deutlich schwerer war, steht ein größeres Fragezeichen.

Geiger hat Blut geleckt

Mit welchem Personal auch immer: Die Saison 2020/21 mit ihren drei Höhepunkten - Vierschanzentournee, Nordische Ski-WM, Skiflug-WM - wird hochspannend. Vor allem Geiger will mehr: "Ich habe mich niemals so bereit und motiviert für Oberstdorf 2021 gefühlt wie jetzt gerade."

Thema in: DLF Sport aktuell, 16.03.2020, Ab 22.50 Uhr

red/sid | Stand: 16.03.2020, 15:00

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